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Ein Abend der emotionalen Gegensätze

thunAm Finale der sechs Konzerte des Thuner Chopin-Zyklus versetzten Benjamin Engeli und Stefan Bodo Würffel in Chopins letzte Jahre.

Beinahe ausverkauft war La Grande Salle des Bellevue-Parks Thun zum Abschluss des Chopin-Zyklus. Gebannt horchte das Publikum dem jungen herausragenden Schweizer Pianisten Benjamin Engeli. Er beglückte mit klarer Spielweise und traf Chopins lyrischen Kern. Mit 35 Jahren fühlte sich Chopin bereits alt und schrieb komplexe, intellektuelle Spätwerke mit viel Poesie. Die Vielfältigkeit und Homogenität sowie rhythmische Eigenart und offene Harmonie kamen zum Tragen. Benjamin Engeli gelang es mit transparenter Spieltechnik und Ausdruckskraft, die Eigenschaften des grossen Meisters auf den Flügel zu übertragen. Ob es sich um stilisierte, poetische Tänze aus Chopins Miniaturen von Mazurkas oder harmonischem Gehalt in der Nocturne f-Moll handelte, der Pianist überzeugte mit seinen Interpretationen. Tief beeindruckte, wie Engeli die letzte Klaviersonate Nr.3 in h-Moll zu den Zuhörenden hinüberbrachte. Das halbstündige Werk entstand 1844, und Chopin widmete es der Gräfin Emilie de Perthuis. Beeindruckend, wie der Pianist die Gegensätze von Glücksgefühl, erwecktem und absinkendem Leben, Schmerzen, Zerwürfnisse, Ausbrüche zum Ausdruck brachte. Technisch anspruchsvolle Aufgaben wie etwa Triolen gegen Duolen meisterte er in lockerer Manier. Ende der Beziehung In biografischen und werkgeschichtlichen Kommentaren von Professor Stefan Bodo Würffel war zu erfahren, dass Chopin mit dem Ende der Beziehung mit George Sand und der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes zahlreiche Niederlagen erlebte. Während dieser Zeit schrieb er die Barcarolle, op.60. Der Rhythmus in der Begleitung wirkte in Thun wie ein Schifferlied der venezianischen Gondolieri. Geheimnisvoll erklang der Mittelteil. Engeli liess den Zyklus mit der Mazurka f-Moll ausklingen. Das vollendete Werk, welches kurz vor Chopins Tod entstand, war die letzte Inspiration des Meisters. Über allen Erwartungen «Unnahbare Klänge des Zyklus im Rahmen des Chopinjahres 2010 sind verklungen und jeder der sechs Abende war eine Perle», bedankte sich ein Besucher nach dem letzten Konzert bei den Initianten Christoph Zbinden, künstlerischer Leiter, und Matthias Simmen, Präsident des Trägervereins Musikresonanz (VMR), und allen, die dahinterstanden. «Der Saal erinnerte an die Zeit von Schriftstellerin George Sand. Eine Pianistin und fünf Pianisten versetzten in die entsprechenden Stimmungen. Sympathisch, geistreich, kompetent und witzig vermittelte Stefan Bodo Würffel interessante Abschnitte aus Chopins Leben», so der Besucher. Er gratulierte den Initianten zu ihrem Mut. Auch sie sind glücklich: «Der Zyklus fiel über unseren Erwartungen aus. So war der Abend mit Reto Reichenbach total ausverkauft, und die restlichen Konzerte wurden sehr gut besucht», lobt Christoph Zbinden. Die Rückmeldungen seien super. So lautete eine Aussage: «Schade, ist der Zyklus zu Ende.» Und ein Blick in die Zukunft: «Ideen sind vorhanden, aber noch nichts Konkretes. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung in etwas kleinerem Rahmen und werden zur entsprechenden Zeit informieren.» Im wörtlichen Sinn hat der Chopin-Zyklus Resonanz gefunden. Heidy Mumenthaler>

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