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Ehrgeiziges Programm ohne Publikumsmagnet

Kunstmuseum BernSurrealisten, Fotoprojekte und eine iPhone-App: Das Kunstmuseum hat sein Programm 2012 vorgestellt.

Es tönt wie eine Hiobsbotschaft: Das Kunstmuseum Bern verzeichnete im letzten Jahr 50 Prozent weniger Besucherinnen und Besucher als 2010. Doch die Institution lag 2011 mit 81765 Gästen durchaus im Durchschnitt der letzten Jahre. Dass die Diskrepanz zum Vorjahr so markant ausfällt, liegt an der rekordträchtigen Albert-Anker-Retrospektive, die dem Museum 2010 über 100000 Besucher bescherte (total 168919). Auch der provisorische Abschluss für das Betriebsjahr 2011 zeigt, dass an der Hodlerstrasse alles im Lot ist: Das Museum präsentiert eine ausgeglichene Rechnung. Dank Rückstellungen konnte sogar eine umfangreiche Dachsanierung durchgeführt werden. Mit der Wiederentdeckung des symbolistischen Œuvres des Wallisers Ernest Biéler oder der sozialkritischen Gruppenausstellung «Dislocación» zu chilenischer Gegenwartskunst setzte das Museum 2011 statt auf Blockbuster auf kunsthistorische Perlen und forschungsrelevante Themenbereiche. Diesen Kurs setzt die Institution im neuen Jahr fort: Im März eröffnet «Industrious» mit Werken des Schweizer Porträtfotografen Marco Grob und der beiden Industriefotografen David Hiepler und Fritz Brunier, die auf allen fünf Kontinenten Produktionsstätten des Baustoffkonzerns Holcim besuchten. Ausgehend von einer Auftragsarbeit, schufen die drei Fotografen eine sozialkritische Serie, für die ihnen alle künstlerischen Freiheiten gewährt wurden und die im Kunstmuseum erstmals zu sehen sein wird. Entstanden sind eindrückliche Schwarzweissaufnahmen, die nicht nur viel über die porträtierten Holcim-Mitarbeiter aussagen, sondern auch über die Arbeits- und Lebensbedingungen. Kunsthistorische Strömungen Kunsthistorische Strömungen des 20.Jahrhunderts untersucht das Museum etwa anhand der ersten grossen Schweizer Retrospektive zu Sean Scully (geboren 1945) – dem für seine abstrakten Farbfelder bekannten irisch-amerikanischen Künstler. Eine grosse Werkschau ist dem Spanier Antonio Saura (1930–1998) gewidmet, der sich erst dem Surrealismus zuwendete, um diesen Stil später in abstrakten Konzeptionen aufzulösen. Und die Ausstellung «Kosmos Farbe» wird nicht nur die Parallelen zwischen den Schweizer Bauhauskünstlern Paul Klee (1879–1940) und Johannes Itten (1888?1967) aufzeigen, sondern auch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Kunstmuseum und dem Zentrum Paul Klee, das wichtige Leihgaben zur Verfügung stellt. Gegenwart auf dem iPhone Auch die Abteilung Gegenwartskunst wartet mit zwei Perlen auf: Im Juni kann sich das Berner Publikum mit dem poetischen Werk der britischen Künstlerin Zarina Bhimji (geboren 1963) vertraut machen. Sie wuchs als Kind indischer Eltern in Uganda auf, von wo sie 1974 vertrieben wurde, und fragt heute in Fotografien, Filmen und Installationen nach kultureller, ethnischer und politischer Identität. Auf Spurensuche begeben sich im Oktober auch junge Schweizer Gegenwartskünstler: Die Ausstellung «Merets Funke. Surrealismus in der zeitgenössischen Schweizer Kunst» sucht in ihrem Werk nach Spuren der Schweizer Überfigur Meret Oppenheim (1913–1985), deren Einfluss sich kaum ein lokaler Kunstschaffender entziehen kann. Nicht entziehen kann sich das traditionsreiche Museum den digitalen Trends. So wird im Februar ein in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Paul Klee entstandenes iPhone-App lanciert. Auch die Website und die Facebook- und Twitterauftritte werden überarbeitet, Podcasts runden das digitale Angebot ab, mit dem das Museum ein jüngeres Publikum erschliessen will.Stefanie Christ>

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