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Nebst Partys bald auch Pillen

Im Progr arbeiten Therapeuten und Konzertveranstalter bald unter einem Dach. Sagt das Volk Ja, soll aus dem Gebäude ein Gesundheitszentrum werden. Die Turnhalle bleibt erhalten. Weichen müssen aber die Ateliers.

Das ist Ganzheitlichkeit: Bier trinken und sich danach vom Arzt behandeln lassen. Das wird im alten Progymnasium – kurz Progr – bald möglich sein. Die Stadt hat am 5. Mai 2008 an einer Medienkonferenz in der Aula des Progrs den Sieger eines Architekturwettbewerbs vorgestellt. Das Rennen gemacht hat das Projekt «Doppelpunkt».

Studienzentrum für Lehrer

Im Gebäudeteil zum Waisenhausplatz hin soll ein Gesundheitszentrum entstehen – im «hausärztlichen, spezialisierten, therapeutischen und präventiven Bereich», wie Fernand Raval, Leiter der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern, an der Medienkonferenz sagte. Eine Apotheke rundet die «ganzheitliche Begleitung in Gesundheitsfragen» ab. Im Nordflügel des Progrs kommt die Bildung zum Zug: Es soll ein Studienzentrum für Lehrer und Pädagogen entstehen.

Das Ausgehlokal Turnhalle und der Saalbereich bleiben erhalten. Das Kulturangebot soll sogar noch erweitert werden: Geplant ist auch ein neues Bistro. Vorgesehen sei ein flexibles Modell, erklärte Raval. Es sollen weiterhin Festivals, Konzerte und Vernissagen in der Turnhalle Platz finden. Im Sommer werde der Progr-Hof zum «kulturellen Treffpunkt». Die Ateliers, die momentan im Progr untergebracht sind, müssen hingegen weichen. Gesundheitszentrum und Kulturangebote – passt das zusammen? «Die beiden Nutzungen vertragen sich», erklärte Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät. Das Projekt «Doppelpunkt» sei eine «attraktive und publikumsorientierte Neunutzung des Progrs».

20 bis 30 Millionen Franken

«Doppelpunkt» ist das Kind zweier Firmen – der Fuhr Buser Bau-Oekonomie AG und der Bauart Architekten und Planer AG. Im März 2007 hatte die Stadt einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, weil sie den Progr umnutzen wollte. Doch nicht nur Planer mussten ans Werk, sondern es sollten auch gleich Investoren präsentiert werden. Die Vorauflage sei eine «hohe Hürde» gewesen, sagte Tschäppät. Nur zehn Projekte seien eingereicht worden. Einige sahen vor, im Progr ein Hotel einzurichten, andere wollten das Gebäude zum Wohnen nutzen. Zum Handkuss kam «Doppelpunkt», weil es «insgesamt am meisten überzeugte», wie Tschäppät sagte.

Die «Doppelpunkt»-Investorin ist die Allreal Generalunternehmung aus Zürich. Um den Progr im Baurecht von der Stadt zu erwerben, muss sie jährlich 320'000 Franken Zinsen zahlen. Der «Gesamtübernahmepreis» beträgt laut Liegenschaftsverwalter Raval 9,5 Millionen Franken. Auch die Sanierung des Progrs ist nicht billig: Die Allreal rechnet für das ganze «Doppelpunkt»-Projekt mit einer Bausumme von 20 bis 30 Millionen Franken.

Die Investition scheint sich zu lohnen. Für 95 Prozent der Gesamtfläche seien bereits Absichtserklärungen mit Mietinteressenten unterzeichnet worden, sagte Liegenschaftsverwalter Raval. Mit im Boot sind etwa die Krankenkasse Swica, das Spital Netz Bern, die Neue Mittelschule Bern, aber auch der Konzertveranstalter bee-flat sowie die Felsenau Brauerei AG.

Von aussen ist von den Veränderungen nur wenig zu sehen. «Der Progr soll seinen Charakter behalten», sagte Architekt Mark Werren, der in der Jury des Wettbewerbs amtete. Die markanteste Änderung dürfte der rote Teppich im Hof sein. Dort kommt auch die Mauer weg. Und über den Köpfen der Progr-Besucher werden dereinst 50 Lampen schweben. Werren versicherte: «Es wird eine interessante Welt.»

Baubeginn 2011 möglich

Im Februar 2009 soll das «Doppelpunkt»-Projekt an die Urne kommen. Sagen die Berner Ja, wird es schnell gehen. Die Investorin hat sich verpflichtet, 18 Monate nach Erhalt der Baubewilligung mit dem Bau zu beginnen. «Ein Baubeginn 2011 ist möglich», sagte Raval. «Aber der Weg ist noch weit.» Auch die SP begrüsst das Projekt. Sie wolle es aber noch genauer anschauen, teilte sie gestern mit.

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