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Kulturschaffende wollen «Progr» kaufen

Die im Berner Kulturzentrum «Progr» arbeitenden Künstlerinnen und Künstler fordern den Berner Stadt- und Gemeinderat auf, das Gebäude nicht an private Investoren zu verkaufen. Sie wollen es selber erwerben.

Neue Besitzerin des ehemaligen Progymnasiums am Waisenhausplatz würde eine Stiftung, wie die Vereinigung der «Progr»- Kulturschaffenden am Freitag mitteilte. Sie soll die Liegenschaft übernehmen, für die Sanierung aufkommen und den künftigen Betrieb regeln.

Die Vereinigung verspricht dem Berner Gemeinderat und dem Stadtrat in je einem Schreiben, das Gebäude für 2,4 Millionen Franken zu kaufen und einen jährlichen Baurechtszins von 320 000 Franken zu zahlen. Das entspricht den Beträgen, den die Stadt von der Allreal Generalunternehmung AG erhalten würde.

Dieser Zürcher Firma will die Stadt Bern den «Progr» verkaufen, wie der Gemeinderat im Mai dieses Jahres mitgeteilt hatte. Die Firma würde aus dem «Progr» ein Gesundheitszentrum und ein Studienzentrum für Pädagogik machen. Hof, Turnhalle und Aula würden weiterhin für kulturelle Aktivitäten mit Bistro zur Verfügung stehen.

Mit dem Vorschlag könnte der «Progr» ohne finanziellen Nachteil für die Stadt weiterhin ein Kulturzentrum «mit internationaler Ausstrahlung» bleiben, schreibt die Vereinigung der Kulturschaffenden in ihrer Mitteilung.

Noch keine verbindlichen Zusagen da

Auf Anfrage erklärte der Videokünstler Peter Aerschmann, Sprecher der Vereinigung der «Progr»-Kulturschaffenden, feste finanzielle Zusagen gebe es derzeit noch nicht. Zuerst müsse ein Entscheid des Stadtrats vorliegen, dem das Geschäft voraussichtlich im November vorgelegt wird.

Es gebe aber eine Reihe von Mäzenen, welche bereit seien, das Geld für den Kauf des Gebäudes und die jährlichen Betriebskosten locker zu machen. Wer die Mäzene seien, könne er derzeit nicht präzisieren. Die Vereinigung sei «extrem zuversichtlich», das nötige Geld zu erhalten.

Der Vereinigung schwebt vor, dass die Stadt Bern im Stiftungsrat Einsitz nähme, dazu auch Vertreter der Hochschule für Künste Bern und solche des Kunstmuseums, wie Aerschmann weiter sagte.

Die Vereinigung verspricht auch, das Haus zu renovieren. Aus der Sicht der «Progr»-Kulturschaffenden muss dies aber nicht für mehrere Millionen Franken auf einen Schlag erfolgen, sondern könnte in der Art der Münsterbauhütte auf längere Zeit ausgedehnt werden.

Tschäppät: Ball liegt beim Stadtrat

Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) hat Kenntnis vom Vorschlag der Vereinigung - wenn auch noch nicht formell, wie er am Freitag seinerseits auf Anfrage sagte. Aerschmann präsentierte ihm aber das Konzept.

Der Gemeinderat habe im Rahmen des Wettbewerbs für die künftige Nutzung des «Progr» die Spielregeln festgesetzt und müsse sich nun daran halten, sagt Tschäppät. Der Gemeinderat sei aber in diesem Geschäft nicht abschliessend zuständig.

Insofern liege der Ball jetzt beim Stadtrat. Dieser könne Änderungen vornehmen, wenn er wolle.

Der Erfolg des Vorschlags der Kulturschaffenden hänge sicher wesentlich davon ab, wie realistisch die Finanzierungsversprechen seien. «Wenn ein Mäzen kommt und sagt, 'der Progr ist super', schliesse ich das nicht aus», sagte Tschäppät».

Zwischennutzung bis Sommer 2009 erlaubt

Der «Progr» wird seit mehreren Jahren nicht mehr als Schulgebäude genutzt. Derzeit dienen die Räumlichkeiten Künstlern als Ateliers; nach Angaben der Vereinigung sind es über hundert. Die Turnhalle ist ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte. Diese Zwischennutzung ist auf 31. Juli 2009 befristet.

Nach dem Stadtrat wird auch noch das Berner Volk über die künftige Nutzung des «Progr» zu befinden haben.

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