Bergmannli, Talherren und das Zyberli

Eigentlich ist das Geheimnis des Zyberlibaums seit dem offiziellen Tag der Gastregion Biosphäre Entlebuch vom letzten Samstag gelöst.

Als Märchenfee zurechtgemacht: Elis Aregger beim Erzählen.

Als Märchenfee zurechtgemacht: Elis Aregger beim Erzählen.

(Bild: Hans Wüthrich)

Stephan Künzi

Das Zyberli, verrieten die Entlebucher gleich zum Auftakt der OGA, sei eine kleine Pflaume, eine Art Urform dieses Steinobsts. Es komme in einer gelben und in einer blauen Variante vor, und es lasse sich gut zu Konfitüre oder Sirup verarbeiten.

Die Gäste erzählten dem Publikum an der Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung auch, dass die Zyberlibäume früher im Entlebuch weit verbreitet gewesen seien. Der Mensch habe sie aber zurückgedrängt und schliesslich mehr oder weniger zum Verschwinden gebracht – zu dumm nur, dass damit bereits ein neues Rätsel im Raum stand. Doch zum Glück gibt es Elis Aregger und ihre Zyberligeschichte, und zum Glück ist im OGA-Biosphären-Land gerade Märli-Stunde. Hier wird die adrett als Märchenfee zurechtgemachte Romooserin gleich erzählen, wie es so weit kommen konnte.

Elis Aregger lässt in ihrer Geschichte die aus den Entlebucher Sagen so vertrauten Bergmannli neu aufleben. Es sind fleissige Wesen, die heuen, emden, ackern – und vor allem auch sehr gern den Zyberlisturm essen, ihre süsse Dessertspezialität. Später beginnen sie damit, die dichten Wälder rund um den Napf zu nutzen und aus dem geschlagenen Holz Holzkohle herzustellen und zu verkaufen. Aus dem Erlös legen sich die Herren unten im Tal, die Talherren, einen Goldschatz an und übergeben ihn den Bergmannli zur sicheren Verwahrung.

Doch Reichtum weckt bekanntlich Begehrlichkeiten, und das ist auch im Zyberliland so. Plötzlich sind die Talherren nicht mehr zufrieden mit den einfachen Tannenhockern, auf denen sie zu sitzen pflegen. Zyberlistühle müssen her, erst einer, dann zwei, dann drei – und schliesslich ungezählt viele. Baum um Baum verschwindet, die Bergmannli müssen mehr und mehr auf ihre heiss geliebte Frucht verzichten, und das verleidet ihnen derart, dass sie samt und sonders auswandern. Erst jetzt merken die Talherren, was sie an den fleissigen Wesen gehabt haben. Weil sie keine neue Holzkohle mehr bekommen, geht ihnen das Geld aus, und sie verarmen. Dummerweise können sie auch auf ihren Goldschatz nicht zurückgreifen. Die Bergmannli haben ihn zu gut versteckt.

Noch heute», sagt Elis Aregger, bevor sie langsam ihr Buch schliesst, «ist das Schimpfen, Streiten und Schreien der enttäuschten Talherren zu hören, wenn der Wind durch die Napfwälder pfeift.» Auch das Gold hinterlasse, obwohl es nie mehr gefunden worden sei, ab und zu Spuren. «Wenn wir in den Napfbächen Kies waschen und Flitter finden, dann stammen sie sicher vom Schatz der Talherren.»

Märli-Stunde im OGA-Biosphärenland, wieder am Samstag («Wurzelkind Wurzilla») und am Sonntag («Zyberli-Gschicht»), je um 14.30 und 16.30 Uhr.

Berner Zeitung

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