Zum Hauptinhalt springen

Doch noch ein Ja zum Naturpark

UnterseenMit 78 zu 56 Stimmen sagte die Gemeindeversammlung auch im zweiten Anlauf am Montag Ja zum Naturpark Thunersee-Hohgant.

«Wenn die Gemeindeversammlung Beatenberg diesmal gegen den Beitritt zum Naturpark stimmt, wie dies der Beatenberger Gemeinderat beantragt, ist Unterseen vom Parkgebiet abgeschnitten, und unser Beitritt fällt von Gesetzes wegen weg», erklärte die zuständige Gemeinderätin Ingrid Hofer den 152 anwesenden Stimmberechtigten am Montag die Ausgangslage. «Aber der Gemeinderat Unterseen ist nach wie vor überzeugt, dass der Naturpark ein gutes Instrument zur Förderung von Innovation und Wertschöpfung in der Region ist und dass wir deshalb das Tor zum Park offen halten sollten.» Kosten und Nutzen In der lebhaften Diskussion äusserten dagegen etliche Votanten die Befürchtung, dass das meiste Geld in die Administration fliesse. So sagte ein Bürger überzeugt: «Ihr werdet sehen, der Naturpark schafft keine einzige neue Stelle.» Dem hielten die Befürworter des Beitritts entgegen, dass der Tourismus gerade angesichts der drohenden wirtschaftlichen Krise in Europa besonders auf einheimische Gäste angewiesen sei und dass genau diese Gäste durch den sanften Tourismus des Naturparks abgeholt würden. «All diese Projekte müssen wir aber selber machen», meinte ein Beitrittsgegner. «Das ist so», bestätigte Ingrid Hofer, «aber der Naturpark hilft uns dabei.» Auf eine Anfrage erläuterte Hofer noch einmal das Finanzierungsmodell des Naturparks: Bund und Kanton stellen je 200000 Franken zur Verfügung. Um dieses Geld abzuholen, muss der Trägerverein des Parks selber ebenfalls 200000 Franken aufbringen. Die Gemeindebeiträge sind aufgeteilt in einen fixen Beitrag (für Unterseen 6000 Franken pro Jahr) und Beiträge, die der Gemeinderat für konkrete Projekte sprechen kann. Während die Befürworter des Beitritts in diesem Modell einen Motor für eine innovationsfreundliche, zukunftsgerichtete Stimmung sahen, hielt es die Gegenseite für hinausgeworfenes Geld. Einzelne befürchteten zudem zusätzliche Vorschriften für die Landwirtschaft. Einige Bauern und andere Votanten, die dem Naturpark in seiner ersten Form noch offen gegenübergestanden hatten, zweifelten schliesslich auch am Sinn eines neuen Projektes mit einem stark reduzierten, «zerrissenen» und für Besucher nicht mehr einfach erkennbaren Gebiet. Die Gemeindeversammlung sprach sich mit 78 Ja gegen 56 Nein für den Beitritt zum Naturpark aus. Pfarrhaus-Areal umgezont Mit grossem Mehr gegen 11 Stimmen genehmigte die Gemeindeversammlung die Umzonung des Pfarrhaus-Areals aus einer Zone für öffentliche Nutzung in eine Zone mit Planungspflicht. So kann der Kanton als Eigentümer die Freiflächen für eine Überbauung verkaufen und mit den Erträgen das nicht mehr genutzte, aber denkmalgeschützte Pfarrhaus sanieren. In der Diskussion hatte es Sicherheitsbedenken gegeben. Das Areal liegt in der Steinschlagzone, gebaut werden darf nur, wenn die Bauherren einen Schutzdamm finanzieren. Grünes Licht für Fernwärme Mit grossem Mehr gegen 2 Stimmen genehmigte die Versammlung einen Kredit von 1,45 Millionen Franken für die Beteiligung an der BeO Therm AG. Das Unternehmen will einen grossen Teil des Siedlungsgebietes mit Wärme versorgen, die entsprechend dem Energierichtplan Bödeli zur Hauptsache aus der Abwasserwärme der ARA stammt und für Spitzenlasten mit Erdgas produziert wird. Ohne Gegenstimmen wurde ein Kredit von 1,925 Millionen Franken für die Altstadtsanierung genehmigt, bei der unter anderem auch Fernwärmeleitungen verlegt werden. Genehmigt wurde zudem die Reorganisation des Verwaltungsrates der Industriellen Betriebe Interlaken. Die Versammlung nahm das Budget 2012 zur Kenntnis, das bei 9,167 Millionen Franken Aufwand mit 678625 Franken Defizit rechnet. Zwar hat der Gemeinderat wegen des neuen Lastenausgleichs, der Unterseen 300000 Franken Mehrkosten bringt, die Steueranlage für ein Jahr von 1,73 auf 1,78 erhöht, aber wegen der grossen Investitionen reicht das nicht für ein ausgeglichenes Budget. Sowohl die FDP als auch die SP kritisierten die Vorgabe des Kantons, dass die Gemeinderäte die Steueranlage für das Übergangsjahr in eigener Kompetenz anpassen. Doch während die FDP meinte, der Gemeinderat Unterseen hätte die Steuererhöhung mit einem optimistischeren Budget vermeiden können, unterstützte die SP den Gemeinderatsbeschluss. Sibylle Hunziker>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch