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Dieses Kleinspital ist das günstigste

debatteLeuggern lässt das Emmental hoffen. Das Kleinspital im ländlichen Aargau arbeitet so günstig wie niemand sonst

Gross war die Enttäuschung in der Region, als im letzten April klar wurde, dass das Regionalspital Emmental an die geplanten Sanierungsarbeiten keinen Rappen aus dem kantonalen Spitalinvestitionsfonds erhalten würde. Bei seinem Nein zu den verlangten 47 Millionen Franken liess der Regierungsrat offen durchblicken, dass er Zweifel am eingeschlagenen Weg der Emmentaler hat. Dass diese an Langnau als zweitem Standort neben dem Haupthaus Burgdorf festhielten, könne auf lange Sicht finanziell nicht gut gehen – mittlerweile, hielt Spitalamtschefin Annamaria Müller vor drei Wochen im Interview lakonisch fest, werde sie bereits «als Mörderin der Landspitäler» beschimpft. Tatsächlich ist unter Fachleuten heftig umstritten, ob ein Spital wie Langnau, das gerade mal 60 Betten klein ist, automatisch ineffizient und teuer sein muss. Adrian Schmitter ist als Direktor des Regionalspitals Emmental, natürlich, anderer Meinung. Ein Kleinspital könne sehr wohl wirtschaftlich geführt werden, betont er. Voraussetzung sei, dass sein Angebot genau auf die Bedürfnisse der Region zugeschnitten sei, in der es stehe – mit einem Blick zurück auf seine Zeit als Chefbeamter in der Gesundheitsdirektion des Kantons Aargau hat er gleich ein Beispiel zur Hand: Das kleine Spital Leuggern im ländlich geprägten Bezirk Zurzach arbeite trotz seiner gar nur 50 Betten zu den tiefsten Kosten weitherum. Mehr Spezialisten Alfred Zimmermann ist der Direktor dieses Spitals, und er kann dem nur beipflichten. «Wir waren auch im letzten Jahr wieder das günstigste Spital im Kanton Aargau», hält er fest, und er sagt dies mit umso mehr Stolz, als in den Berechnungen die Schwere der behandelten Fälle berücksichtigt ist. Dieser Korrekturfaktor wird nötig, weil grosse Spitäler mit komplizierten Eingriffen und entsprechend aufwendiger Infrastruktur automatisch teurer arbeiten – «trotzdem», Zimmermann wiederholt es, «haben wir so gut abgeschnitten». Der Direktor führt dies in erster Linie auf die «gute Auslastung von 97 Prozent zurück». Möglich geworden sei diese dank einer gezielten Spezialisierung. «Als ich anfing», blickt er auf seinen Start im Jahre 1991 zurück, «waren in Leuggern 7 Belegärzte tätig, heute sind es deren 47.» Dass Leuggern seit je auf Belegärzte setzt, auf Mediziner also, die nicht fest angestellt sind, sondern eigene Praxen führen und nur zum Operieren ins Spital kommen, erwies sich dabei als Vorteil. Trotzdem ein Notfall «Wir sind damit in allen Belangen flexibel», bestätigt Zimmermann. Das Spital profitiere, weil die Ärzte nach Aufwand bezahlt seien und deshalb umso effizienter arbeiteten. Vor allem aber sei nur in diesem System möglich, ein breitgefächertes Angebot auf die Beine zu stellen. Ein kleines Spital wie Leuggern könnte sich derart viele fest angestellte Ärzte gar nicht leisten. Umgekehrt sei mit dem Fortgang der medizinischen Entwicklung gerade in der Chirurgie der Generalist immer weniger gefragt. «Bei uns operieren heute, neben vielen anderen, der Handchirurge, der Hüft- und Knieorthopäde, der Urologe oder der Hals-, Nasen- und Ohrenarzt.» Nur so sei ein Spital attraktiv, ziehe Leute an. Mit gegen 80 Prozent stellt die Chirurgie den Hauptteil der Patienten, bei den restlichen gut 20 Prozent geht es um Fälle aus der Inneren Medizin. Das kann eine schwerere Grippe sein oder ein Schwächeanfall im Alter, der einige Tage Betreuung unabdingbar macht, «dann», sagt Zimmermann, «spielen wir die Rolle des stationären Hausarztes». Einen 24-Stunden-Notfall bietet Leuggern auch. Dafür sind an der Front die fest angestellten Assistenzärzte tätig, wobei sich zur fachlichen Beratung im Hintergrund stets Belegärzte bereithalten. Dazu kommen die ebenfalls fix besoldeten Anästhesieärzte. Mit ihrer Erfahrung spielen sie beim Entscheid, wer vor Ort behandelt und wer direkt ins nächste grosse Spital gefahren wird, eine zentrale Rolle. Denn auch das streicht Zimmermann hervor: «Wir setzen bewusst auf eine einfache Medizin.» Das gelte bei aller Spezialisierung auch für die Chirurgie. Sobald eine Intensivpflegestation oder teure Geräte wie Computer- und Magnetresonanztomograf, CT und MRI also, nötig seien, werde die Sache nämlich zu teuer. In diesen Bereichen setze man auf die Kooperation mit dem Kantonsspital Baden und dessen Filiale Brugg – «Röntgenbilder», nennt der Direktor ein Beispiel, «fertigen wir zwar selber an, zur Diagnose schicken wir sie aber elektronisch nach Brugg». Einst auf der Kippe Zimmermann sagt offen, dass sein Spital vor 20 Jahren auf der Kippe gestanden ist. Schliesslich gelang es der Region aber, gegen starken Widerstand 50 Millionen Franken für eine umfassende Sanierung durch den Grossen Rat zu bringen. «Damit gerieten wir unter Druck, mussten beweisen, dass sich die Investition auch wirklich gelohnt hat.» Denn allein von den 30000 Leuten aus dem Bezirk Zurzach könnte der Betrieb nicht leben. «Wir brauchen eine Basis von 50000 Leuten, und die müssen wir halt auch woanders holen.» Stephan Künzi>

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