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Dieser Pinocchio geniesst die Sympathien von jung und alt

stadttheater bernLügen haben kurze Beine und eine lange Nase: Diese Erfahrungen macht auch der Pinocchio von Andri Schenardi, der das heurige Weihnachtsmärchen in einer witzigen und poetischen Inszenierung von Ingrid Gündisch prägt.

Man weiss es: Das Stadttheater Bern spart selten dort, wo es den Nachwuchs rekrutieren muss. Und so ist auch das heurige Weihnachtsmärchen ein optischer und szenischer Genuss mit vielen reizenden und witzigen Einfällen. Kleine wie grosse Zuschauerinnen und Zuschauer haben ihren Spass bei den teils sehr gefährlichen Abenteuern des hölzernen Pinocchio, der sich in einer Mischung aus Gutmütigkeit und Naivität, Verschlagenheit und Lügen hin zum Menschsein entwickelt. Zu den Hindernissen auf diesem Weg gehören etwa die beiden Ganoven Kater (Philip Hagmann als schmieriger Banker) und Fuchs (Jonathan Loosli als abgetakelter Mitläufer), die sich als Freunde und Gespenster tarnen und die Hauptgestalt ausnützen und berauben. Bühne als Aquarium Pinocchio selbst wird von einem arrivierten Ensemblemitglied gespielt: Andri Schenardi hat sich schon in grossen Rollen als Shakepeares Hamlet und als Andrin in Frischs «Andorra» markant profiliert. Jetzt leiht er der Figur aus den Erzählungen von Carlo Collodi (1881) eine reizende Eigenwilligkeit zwischen hartnäckig-klobiger Starrköpfigkeit und federnder Leichtigkeit im Bemühen, Respekt zu zeigen und Geduld zu üben. Ob seine Abenteuer zu einer Marionetten- und Commedia del’Arte-Theatertruppe führen oder in den Schlund eines Wales münden: Als stets präsentes Gerüst all dieser Szenerien dient eine imposante Holzkonstruktion auf einer Drehbühne, die Heike Hasse hat bauen lassen und stimmungsvoll wirken lässt. Mal dient der Bau als Wald mit Bäumen (an denen der originelle musikalische Holzwurm in der Person von Michael Frei nagt, der auch die Musik zum «Pinocchio» komponiert hat), mal als Spiel- oder Aussichtsfläche, mal als Klettergerüst oder Rutsche. Mit Letzterer wird Pinocchio und sein verzweifelter Vater Gepetto (Marcus Signer) wieder aus den Wal-Eingeweiden herauskatapultiert. Die Bühne wird hier zum riesigen Aquarium mit hängenden Quallen und allerlei Fischwesen, die sich durch die Lüfte und über den Boden bewegen. Timing stimmt fast immer Augenzwinkernd, witzig, leichtfüssig und mit viel Gefühl für szenische Effekte – so setzt Regisseurin Ingrid Gündisch das Weihnachtsmärchen um. Einzig die Schankszene im «Roten Krebs» überbordet mit den nicht enden wollenden Stolpergags. Sonst stimmt das Timing von Gündisch, die zusammen mit Karla Mäder auch die Fassung für das Stadttheater Bern geschrieben hat. Man hört den teils philosophisch anmutenden, teils mit Moralin angereicherten Weisheiten der Blauen Fee (Milva Stark) oder der 103 Jahre alten Grille (Thomas Pösse) anteilnehmend und aufmerksam zu. Und wischt sich die eine oder andere (Freuden)-Träne aus den Augen. Im Wissen drum: Dieser spassig-eigenwillige Pinocchio geniesst die Sympathien von jung und alt. Svend Peternell Vorstellungen bis 5. Februar 2012. Weitere Infos und Tickets: www.stadtheaterbern.ch>

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