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Die Waldbesitzer im Raum Kiesen wehren sich gegen das Aareprojekt

Bern-ThunDer Kanton will für über 100 Millionen Franken die Aare verbreitern und renaturieren. Im Raum Kiesen stösst das Projekt auf Widerstand. Neben dem Wasserverbund

50 Kilometer Uferlinie, 18 Gemeinden und unzählige Grundbesitzer sind vom Projekt «Aarewasser» des Kantons betroffen. 108 Millionen Franken will der Kanton investieren, um die Aare zwischen Thun und Bern zu verbreitern, den Schutz vor Hochwasser zu verbessern, den Grundwasserspiegel anzuheben und um Erholungsräume für Menschen zu schaffen. Gegen das Projekt formiert sich jedoch immer mehr Widerstand. Nachdem diese Zeitung Anfang März über den Wasserverbund Region Bern und dessen Probleme mit dem Grossprojekt schrieb, melden sich immer mehr Einsprecher auf der Redaktion. Und was sagt der Kanton Bern zum Widerstand aus dem Raum Kiesen? Er plant, erst Ende dieser Woche über das Projekt «Aarewasser» zu informieren. Vorher erhalten die betroffenen Gemeinden einen Überblick über den Stand der Planungen. Lange Tradition Unter den Einsprechern befindet sich auch die Rechtsamegemeinde Kiesen. In ihr haben sich 14 Eigentümer zu einer Holzkorporation zusammengeschlossen. Ihnen gehören in Kiesen rund 100 Hektaren Wald. Die Korporation wurde im 17. und 18.Jahrhundert dazu verpflichtet, für den Schwellenbau Holz nach Belp zu flössen. Die Mitglieder der Rechtsamegemeinde haben seither auch Schäden an den Dämmen repariert und mit ihrer Schwellenpflicht dafür gesorgt, dass es auf dem Aareabschnitt Kiesen zu keinen Überschwemmungen gekommen ist. «Mutig und leichtsinnig» Mit dem Projekt Aarewasser will der Kanton nun in die Besitztümer und damit in die Traditionen der Rechtsamegemeinde eingreifen. Um die Aare verbreitern zu können, benötigt der Kanton in Kiesen rund 14 Hektaren Auenwald der Korporation. Der Wasserbauplan des Kantons bringe auf mehreren Kilometern «massive Eingriffe in ein bestehendes, gut funktionierendes System», schreibt die Waldkorporation in ihrer Einsprache. Das Projekt des Kantons müsse kurzfristig als «mutig», längerfristig gar als «leichtsinnig» bezeichnet werden. Mit Renaturierungen des Kantons habe man bisher in Kiesen schlechte Erfahrungen gesammelt, sagt Ernst Waber, Präsident der Rechtsamegemeinde. In der Rotache seien Schwellen zurückgebaut und der Bach verbreitert worden. Damit habe das kantonale Projekt in ein nachhaltig gepflegtes System eingegriffen und mehr Schaden als Nutzen gebracht, so der Präsident. «Die Ingenieure des Kantons berechneten, dass die Rotache nach den Baumassnahmen den Kies wegschwemmen würde. Das Gegenteil ist der Fall.» Die Rotache lagere unter der Autobahnbrücke mittlerweile so viel Kies ab, dass der Bach regelmässig ausgebaggert werden müsse. «Jetzt wagen sich dieselben Ingenieure an die Aare und versprechen uns erneut eine Verbesserung des Hochwasserschutzes.» Hinzu kommt: Auf dem Abschnitt der Rechtsamegemeinde hat die Aare seit 140 Jahren keine nennenswerten Schäden mehr verursacht – auch nicht bei den zwei letzten grossen Hochwassern von 1999 und 2005. «Wieso muss denn ausgerechnet unser Auenwald mit schweren Maschinen grossflächig gerodet und umgebaut werden?», fragt sich Ernst Waber. Das Projekt im Gemeindegebiet von Kiesen leiste keinen Betrag zum Hochwasserschutz. «Vielmehr zerstört es intakte Auenwälder, naturnahe Giessenläufe und ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung.» Die Rechtsamegemeinde kämpft nicht nur gegen den Verlust ihres Auenwalds, sie fürchtet auch die Folgen des höheren Grundwasserspiegels. Das Landwirtschaftsland einiger Mitglieder grenzt unmittelbar an den Auenwald. Auch der Präsident der Rechtsamegemeinde betreibt vor dem Rotachewald einen eigenen Bauernbetrieb. Er geht davon aus, dass nach der Aareverbreiterung der erhöhte Grundwasserspiegel die Wälder und die angrenzenden Nutzflächen versumpfen lässt. Die Drainagen würden wohl nicht mehr funktionie-ren, vermutet er. «Der Kanton macht keine Zugeständnisse, wie er mögliche Ertragsausfälle der Bauern aufgrund des Projekts Aarewasser entschädigen will», so Waber, «das ist inakzeptabel.» Einsprache weiterziehen Für die Rechtsamegemeinde Kiesen ist klar: Sollte der Kanton Bern an den geplanten Massnahmen in ihrem Wald festhalten, will sie sich auf juristischem Weg gegen das Grossprojekt Aarewasser wehren. «Unsere Anliegen wurden weder in der Mitwirkung noch in den Einspracheverhandlungen aufgenommen», sagt Herbert Riem, Sekretär der Rechtsamegemeinde Kiesen. «Wir fühlen uns als Eigentümer einfach nicht ernst genommen.» Christian Liechti>

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