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Die Skepsis der kleinen Läden

Der Andrang bei der

«Wenn du reinkommst, kommt es dir vor, als wärst du in Bern», sagt Thomas Zürcher. Der KV-Stift im zweiten Lehrjahr ist soeben mit ein paar Berufsschulkollegen die Rolltreppe hochgefahren und will im Coop rasch ein Znüni kaufen. Wie ist sein erster Eindruck vom Einkaufszentrum, das eine Stunde zuvor geöffnet hat? «Gut», antwortet er, «mir gefällt die Vielfalt.» Nun müsse man nicht mehr Dutzende Kilometer bis – nur so als Beispiel – zur nächsten grösseren Parfümerie fahren. «So, jetzt sollte ich aber. Die Pause dauert nicht lang.» Viele Leute, vor allem ältere, haben mehr Zeit. Sie stöbern ein bisschen herum, lehnen im Obergeschoss am Geländer und beobachten beeindruckt jene, die im unteren Stock zirkulieren. Rejhane Gashi und ihre Schwägerin Egzona Gashi dagegen kamen mit einem konkreten Ziel: Sie haben ihren Einkaufswagen mit zehn Grosspackungen Windeln gefüllt. Wenn zu Hause ein einjähriger Bub und ein dreimonatiges Mädchen warten, wenn die Windeln Aktion sind und es am Eröffnungswochenende erst noch 10 Prozent Rabatt auf alles gibt – «dann schlägt man gerne zu», so die jungen Frauen. «Später vorbeischauen» Das Parking unter dem neuenIlfis Center ist schon um halb zehn voll. Sind die anderen Läden in Langnau dafür umso leerer? Schauen wir nach. Im Migros-Markt bilden sich vor den Kassen Schlangen. Ob diese kürzer sind als an gewöhnlichen Donnerstagvormittagen, darf Marktleiter André Chevallaz nicht verraten. «Wir wünschen dem Ilfis Center alles Gute. Ansonsten äussern wir uns nicht zur Konkurrenz.» An keine Konzern-Kommunikations-Vorgaben gebunden ist Silvia Wittwer aus Emmenmatt. Sie fährt für den Grosseinkauf ihres fünfköpfigen Haushalts einmal pro Woche in die Migros. Diese Gewohnheit werde sie kaum ändern, aber «das Bau+Hobby, das könnte für uns interessant sein.» Der Tenor bei den Migros-Kunden: «Mal im Ilfis Center vorbeischauen? Ja. Aber nicht diese Woche, da hats schon genug Leute.» Der Früschmarkt Langnou, der Nachfolgeladen der konkursiten Blaser AG, ist ein Vielfaches kleiner als Migros, Coop und Co. Inhaberin Rita Oppliger lässt sich das Lachen auf ihrem Gesicht deswegen nicht nehmen. «Wir haben heute so viel Kundschaft wie immer», berichtet sie. Eine aussagekräftige Zwischenbilanz lasse sich erst ein paar Wochen nach der Ilfis-Center-Eröffnung ziehen, «aber wir bleiben zuversichtlich.» Denn Coop sei schon immer in Langnau gewesen, nicht erst seit heute. «Trotzdem», findet Kathrin Habegger, die soeben in den Laden tritt, «finde ich diese Einkaufstempel überrissen.» Denn jedes Mal, wenn einer eröffnet werde, gehe im Dorf etwas anderes verloren. «Schauen Sie mal, wie viele leere oder geschlossene Geschäfte wir haben.» «Nicht nur jammern» Lydia Horisberger kauft nicht nur im Früschmarkt ein, sondern ist selber auch Geschäftsfrau, führt in Langnau mit ihrem Mann eine Metzgerei. «Mit jedem neuen Einkaufszentrum wird es härter», bestätigt sie. Aber nur jammern, nein, das wolle sie nicht. «Wir Kleinen müssen uns weiterbilden, müssen am Ball bleiben.» Und erkennen, dass man gegenüber den Grossen auch Vorteile habe. So könne eine Metzgerei familiärer sein und Spezialitäten anbieten, Pferdefleisch etwa, die bei den Grossen nur beschränkt zu finden seien. – «Ja», sagt Lydia Horisberger, «es gibt auch ein Leben ausserhalb der Einkaufszentren.» Markus Zahno>

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