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Die Schlossherrin räumt ihr Büro

Nach 13 Jahren gibt Franziska Sarott ihr Amt als

Rote und grüne Bücher stehen im Büchergestell von Franziska Sarotts Büro im Schloss Schwarzenburg. Ihr Inhalt: Bundesgesetze, die der Regierungsstatthalterin von Schwarzenburg halfen, ihre Entscheidungen zu treffen. Bald werden die Bücher weggeräumt, so wie die mittlerweile leeren Ordner, die in einer Ecke neben der Türe stehen. Kisten packen ist in diesen Tagen angesagt bei der Schlossherrin. Denn bald wird es das Regierungsstatthalteramt Schwarzenburg nicht mehr geben. Ab Januar gehören die Gemeinden Wahlern (Hauptort Schwarzenburg), Guggisberg, Rüschegg und Albligen zum Verwaltungskreis Bern-Mittelland. Vom Kanton zum Bund Es sind hektische Tage, die Franziska Sarott zurzeit erlebt. Bis zum Jahresende muss der Betrieb gezügelt werden. Am 22.Dezember übergibt sie ihr Amt an Christoph Lerch. Für ihr sechsköpfiges Team muss sie zum Teil Zwischenzeugnisse ausstellen, bei den Gemeindebehörden will sie sich persönlich verabschieden. Gleichzeitig läuft der Betrieb weiter. Noch bis Ende Jahr gehen im Schloss Baugesuche, Gastgewerbebewilligungen, Bodenrechtsfragen ein. «Wir wissen noch nicht, wie die Übergabe genau vonstatten gehen wird», sagt Franziska Sarott. Immerhin ein Kapitel hat die 47-Jährige bereits abgeschlossen: Kürzlich absolvierte sie die letzte Prüfung für ihre Weiterbildung an der Universität Bern. Zwei Jahre lang bildete sie sich zum Executive Master of Public Administration weiter. Mit diesem Abschluss spezialisierte sie sich als Juristin für weitere Verwaltungsaufgaben. «Das war happig. Ich arbeitete 60 Prozent und studierte 50 Prozent. Aber es war eine interessante Kombination aus verschiedenen Fachgebieten, wie etwa Politologie, Betriebswirtschaft und Recht.» Durch ihre Weiterbildung kam sie auch zu jener Stelle, die sie am 4.Januar in Bern antreten wird. Sie wird Sektionsleiterin im Direktionsbereich Kranken- und Unfallversicherungen beim Bundesamt für Gesundheit. Wieder steht sie an der Spitze eines sechsköpfigen Teams. Überraschend gewählt Neben den Ordnern, die Sarott bereits leer geräumt hat, steht eine Kartonkiste mit Spielzeug. «Das ist noch von meinen Kindern übrig», sagt sie und lacht. Als sie vor 13 Jahren als 34-Jährige ihr Amt übernahm, waren ihre beiden Söhne gerade mal 3- und 5-jährig. «Damals gab es weder Tageseltern noch Kindertagesstätten», erzählt Sarott. Also organisierte sie eine Frau, die sich der Kinder annahm, wenn die Mutter arbeitete. Manchmal aber kamen die Söhne ins Schloss und spielten dort. Mittlerweile steht der ältere vor der Matur, der jüngere besucht die Tertia. «Sie fliegen aus. Die Spielsachen habe ich aber hier behalten, falls jemand mit Kindern vorbeikommt.» Sarott war nicht nur jung, als sie in ihr Amt gewählt wurde, sie war auch eine Frau in einer Männerdomäne. Auf dem Weg ins Schloss liess die Juristin drei Konkurrenten hinter sich, obschon niemand damit gerechnet hatte, dass die von der SVP unterstützte Frau das Rennen machen würde. Anfangs bekam sie Skepsis zu spüren. «Manchmal glaubten mir die Leute nicht, wenn ich etwas sagte. Sie riefen dann jeweils nach Bern an, um nachzufragen», erzählt sie. Persönlich nahm sie das aber nicht. «Ich dachte: Das ist ihr Problem, wenn sie mit mir nicht klarkommen.» Pikanterweise hörten die Kontrollanrufe auf, als Sarott jeweils direkt sagte: «Wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr gerne in Bern nachfragen.» Zeit für Freunde und Familie Es sind aber vor allem gute Erinnerungen, die die Regierungsstatthalterin aus ihrer Amtszeit mitnimmt. «Es waren schöne Momente, wenn ich gemeinsam mit Betroffenen Probleme lösen konnte.» Ihr Amt und die Leute sind ihr ans Herz gewachsen. Doch allzu wehmütig, dass bald alles vorbei ist, ist sie nicht mehr. «Im August erlebte ich eine schwierige Phase. Ich steckte mitten in der Masterarbeit, hatte lange keine Ferien mehr gemacht und wusste nicht so recht, wie es weitergehen sollte.» Doch dann ging es vorwärts: Gleich die erste Bewerbung, die Sarott schrieb, bescherte ihr eine Anstellung – jene beim Bund, die sie in wenigen Wochen antritt. Nun freut sie sich darauf, aus der Öffentlichkeit zurücktreten zu dürfen. «Ich will mich nebst dem neuen Job vermehrt meiner Familie und meinen Freunden widmen. Die kamen in den letzten Jahren zu kurz.» Sandra Rutschi>

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