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Die radikale Suche nach Personal

PremiereDas Theater Biel-Solothurn inszeniert solid, aber mehrheitlich ideenfrei «Die Grönholm- Methode» des katalanischen Autors Jordi Galceran. Das raffinierte Stück führt radikale Rekrutierungsmethoden heutiger Personalbüros ad absurdum.

Ein Mann im Anzug will hoch hinaus. Videoprojektionen von Wolkenkratzern aus Stahl und Glas versinnbildlichen in der ersten Szene seinen Wunsch nach Macht und Geld. Ein Bild, wie man es aus zahlreichen Hollywood-Filmen kennt. Fernando Porta (Jan-Philip Walter Heinzel) hat sich in einem schwedischen Unternehmen für eine Kaderstelle beworben und wartet nun gespannt auf die Personalverantwortlichen. Der erhabene Konferenzsaal, wo das Vorstellungsgespräch stattfinden soll, beeindruckt mit Marmorverschalungen, eingebauten Terrarien – Sinnbilder für das hier herrschende Gesetz des Dschungels – und einem Fitnessvelo. Doch statt eines Personalverantwortlichen tauchen durch die mechanisch auf- und zuschnappende Türe (Bühne: Vazul Matusz) drei weitere Bewerber auf. Enrique Font (Günter Baumann), der sich rasch als aufdringlicher Schwätzer entpuppt, Mercedes Degás (Katja Tippelt), eine skrupellose Streberin, und Carlos Bueno (Matthias Schoch), ein zarter und offensichtlich homosexueller Schöngeist. Peinliche Enthüllungen Anhand einer sich automatisch öffnenden Klappe erhalten die Kandidaten Umschläge, auf denen ihnen Aufgaben gestellt werden. Als Erstes sollen sie herausfinden, wer unter ihnen ein Falschspieler ist und in Wahrheit zum Personalbüro gehört. Doch das Verfahren nach der sogenannten Grönholm-Methode geht noch viel weiter. Peinliches wird über die Kandidaten enthüllt, die sich ständig gegenseitig beurteilen müssen. Das Unternehmen scheint ein Big Brother zu sein, der alles weiss. Doch am Ende dieser Krimikomödie mit sozialkritischem Anspruch nimmt das Stück nochmals eine ganz andere Wendung, die hier nicht verraten sei. Regisseur Robin Telfer inszeniert textnah und solid, allerdings ohne dem 2003 uraufgeführten Stück neue Aspekte abzuringen. Das Humorige triumphiert über das Beklemmende des Stückes, das dabei leider fast untergeht. Fernando Porta dürfte ruhig noch etwas zynischer wirken und Mercedes Degás kälter als diese etwas eindimensionale Blondine. Am besten entfalten die Schauspieler ihr Potenzial, wenn sie innerhalb ihrer Rolle eine Rolle spielen müssen. «Sie sind ein hervorragender Schauspieler», kommentiert ein Kandidat den anderen, als dieser die anderen gekonnt mit einer erfundenen Geschichte zu täuschen vermag. Torero versus Bischoff Schliesslich müssen sich die Bewerber regelrechte Narrenkappen aufsetzen und jeweils einen Bischof, einen Torero, einen Clown und einen Politiker spielen. Wer soll warum gerettet werden, wenn es im abstürzenden Flugzeug nur noch einen Fallschirm gibt? Darüber ist man sich unter den Kandidaten natürlich uneinig. Das Personalbüro hingegen weiss, was es will: «Wir suchen nicht einen guten Menschen, der nach aussen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, dass nach aussen ein guter Mensch ist», heisst es am bitterbösen Ende. Helen LaggerNächste Vorstellung: Fr, 27.1., 19.30 Uhr, im Theater Solothurn. www.theater-solothurn.ch>

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