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«Die Leute haben den enormen Bauboom satt»

KönizVor allem die stadtnahen Gebiete sollen sich weiter

Frau Sedlmayer, Sie haben heute die Leitplanken für die Könizer Entwicklung in den nächsten 20 Jahren vorgestellt. Pläne sind Papier. Was wird sich für die Bevölkerung spürbar ändern? Katrin Sedlmayer: Sofort spürbar wird wenig sein. Mittel- und längerfristig sieht das anders aus. Unser Ziel ist es, dass es in Köniz keinen Siedlungsbrei gibt, die Strassen nicht verstopft sind und sich Fussgänger und Velofahrende sicher bewegen können. Auch unsere Grünräume und die schönen Weiler sollen erhalten bleiben. Und wo gebaut wird, soll das an zentralen Orten geschehen. Weiter entwickeln wollen Sie vor allem die stadtnahen Gebiete Wabern, Liebefeld und Köniz-Zentrum. Diese sind schon stark verbaut. Da lässt sich doch kaum mehr Einfluss nehmen. Der Blick trügt. Es gibt dort immer wieder Parzellen, welche die Besitzer wechseln und wo sich Bedürfnisse ändern. Durch den Wegzug der Firma Mosimann beim Bahnhof Köniz bieten sich uns zum Beispiel an einer Toplage neue Möglichkeiten. Viel Verkehr, viele Arbeitsplätze, viel Wohnbedarf: Das sind Kennzeichen dieser stadtnahen Teile. Wird alles immer dichter, leidet letztlich die Lebensqualität. Wie viel Raum zum Atmen bleibt? Nur wenn wir dort verdichten, können wir unsere Grünräume erhalten. Das ist der Preis, den wir zahlen müssen. Ich finde, es kommt sehr darauf an, wie das geschieht. Vielerorts lassen sich zum Beispiel Häuser aufstocken. Oder wo Einfamilienhäuser abgerissen werden, entstehen neu Mehrfamilienhäuser. Solche Schritte legen auch die immer höheren Bodenpreise nahe. Mit moderner, qualitätsvoller Architektur lassen sich zudem auch verdichtete Siedlungen durchaus attraktiv gestalten. Sind für Sie auch weitere Hochhäuser ein Thema? Hochhäuser sind eine heikle Sache, das haben die Pläne für ein Hochhaus auf dem Bächtelenacker deutlich gezeigt. Wir müssen damit sehr vorsichtig umgehen. Im Wangental fürchten sich viele Bewohner vor mehr Industrie. Wie viel mehr Industrie als heute hat das Tal in 20 Jahren? Fürs Wangental haben wir keine grosse Entwicklung geplant. Einzig um das neue Areal der Firma Mosimann in Oberwangen zeigen wir ab 2030 Entwicklungsmöglichkeiten auf. Das wird sicher zu reden geben. Aber wir erleben immer wieder, dass wir Firmen in der Gemeinde keine Standortalternativen anbieten können, für solche Fälle ist diese Parzelle gedacht. In den wirklich ländlichen Teilen von Köniz soll gar nichts passieren. Treibt das die Gemeinde nicht noch weiter auseinander? Das glaube ich nicht. Unser Vorteil ist, dass diese Ortsteile nicht alle eine völlig eigene Infrastruktur haben müssen. Das können wir gemeindeweit organisieren. Bauen wollen wir wirklich nur in gut erschlossenen Gebieten. Neues Bauland wird es mit der aktuellen Ortsplanungsrevision nicht geben. Das hat das Parlament mit einer Motion festgelegt. Ist das nicht ein enormer Hemmschuh? Es ist sicher eine Herausforderung für unsere Planung und für die Zukunft. Vor allem weil die aktuellen Reserven kaum ausreichen werden, um das angestrebte Bevölkerungswachstum von 2500 Personen bis im Jahr 2030 erreichen zu können. Doch etliche Ortsplanungsrevisionen in der Region Bern haben es gezeigt. Die Leute haben den enormen Bauboom satt. Ab Dienstag kann sich das Volk zu all Ihren Überlegungen äussern. Rechnen Sie mit viel Widerstand? Ich bin gespannt und rechne mit vielen Eingaben. Wir freuen uns auf Anregungen. Einiges haben wir wohl auch übersehen. Unsere Vorschläge für neue Siedlungsgebiete lösen sicher Diskussionen aus, obwohl es erst Visionen sind. So fragte mich mal ein Bürger, ob denn in Köniz wirklich der letzte Blumentopf überbaut werden soll. Interview: Lucia Probst >

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