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Die Kleinen hiessen «Häfelischüler»

Köniz«Nur faule Mütter schicken ihre Kinder in den Kindergarten», sagte man einst. Heute ist er die erste wichtige Stufe unseres Bildungssystems. Das Schulmuseum Köniz zeigt in einer Sonderausstellung, wie er sich in der Schweiz entwickelt hat.

«Häfelischüler» nannte man früher die Kindergartenkinder und «Kinderbewahrerin» die Kindergärtnerin. Die Kleinen, die die Vorläufer des Kindergartens besuchten, mussten ihre Toilette auf dem Topf – dem «Häfeli» – erledigen. Zur Zeit der Industrialisierung waren viele von ihnen verwahrlost, weil die Eltern arbeiteten. So schickte man sie in «Kinderbewahranstalten», damit sie zumindest zu essen bekamen und zur Hygiene angehalten wurden. Spielen, Basteln oder ähnliche Beschäftigungen gehörten in den Anstalten nicht zur Tagesordnung. Das änderte sich dank dem deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel (1782–1852). Der Schüler Pestalozzis gilt als Begründer des Kindergartens und eröffnete den ersten 1840 in Deutschland. Fröbel war der Ansicht, dass man die Kinder in diesem jungen Alter unbedingt mit Anregungen und Wissen stimulieren müsse. Nur so könne sich das Kind optimal entwickeln. Der fröbelschen Philosophie folgend, wurde 1877 in der Stadt Bern der erste Kindergarten im ganzen Kanton ge-gründet. Spielzeuge, Bücher, Notizen Die neue Ausstellung «Kindergarten zwischen Tradition und Fortschritt» im Schulmuseum Köniz thematisiert die Geschichte des Kindergartens in der Schweiz. Alte und neue Spielzeuge, Liederbücher, aber auch Notizhefte von ehemaligen Kindergärtnerinnen sind Zeitzeugen. An Plakatwänden wird die Geschichte jeweils in 50-Jahr-Schritten erklärt. «Heute hat der Kindergarten einen vollkommen anderen Stellenwert als in seinen Anfängen», sagt Initiantin Ursula Rösti (66). Sie war Kindergärtnerin und Leiterin des Kindergartenseminars Spiez. «Früher behauptete man, nur faule Mütter würden ihre Kinder in den Kindergarten schicken», sagt Rösti. Heute wisse man, dass der Kindergarten sehr wichtig für die Sozialisation des Kindes sei. «Kinder lernen, dass sie nicht der Mittelpunkt des Universums sind, sie lernen, zu teilen und mit anderen zu spielen.» Oft gehe vergessen, welche Ideen hinter Liedern und Versen steckten. «Dadurch lernen Kinder beispielsweise etwas über den Sprachrhythmus.» Die Ausstellung erzählt nicht nur die Geschichte des Kindergartens, sie thematisiert auch die Ausbildung der Kindergärtnerinnen. Diese hat sich stark verändert. Seit 2002 ist beispielsweise die Matura Pflicht. Ein Meilenstein war auch das Kindergartengesetz von 1983. «Seit damals ist der Kindergarten eine staatliche Institution», erklärt Rösti. Das habe die Situation der Kindergärtnerinnen verbessert. Annina Hasler>

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