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Die Haut teuer verkauft

SCl TigersIm ersten Playoff-Spiel in der Vereinsgeschichte

34 Minuten war die Taktik aufgegangen. Die SCL Tigers hatten clever verteidigt, sich füreinander aufgeopfert. Der anrennende Meister hatte beste Chancen ausgelassen: den Pfosten, dafür zweimal das verwaiste Langnauer Tor nicht getroffen. Doch dann knackte Simon Gamache den Riegel, er fand das Loch im Emmentaler Abwehrdispositiv und erlöste das Gros der 17131 Zuschauer. Das 1:0 war vorentscheidend, die weiteren Gegentreffer (46./48.) gründeten auf individuellen Fehlern. In der 51.Minute war es Simon Moser immerhin vergönnt, ein zweites Mal Geschichte zu schreiben. Er schoss das 1:3 und damit das erste Langnauer Playoff-Tor überhaupt. Vor Monatsfrist hatte er mit dem Siegestreffer in Rapperswil die erstmalige Playoff-Qualifikation fixiert. Viele Checks, wenige ChancenVergangene Woche war John Fust von den NLA-Coachs und -Captains zum Trainer der Saison gewählt worden. In Feierlaune präsentierte er sich nach der Auftaktniederlage nicht, obwohl er sagte, er könne seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Fust strich Aggressivität, Kampfkraft und Solidarität hervor; Attribute, welche die Tigers über weite Strecken der Qualifikation ausgezeichnet hatten. «Der SCB musste einen unglaublichen Aufwand betreiben, er zahlte für den Sieg einen hohen Preis. Die Partie hätte auch auf die andere Seite kippen können.» Damit lag er nur bedingt richtig. Zwar hatte Pascal Pelletier wenige Sekunden nach Gamaches Geniestreich den Ausgleich auf dem Stock, ansonsten jedoch kreierten die eher destruktiv agierenden Gäste in der Offensive wenig Nennenswertes. Akzente setzten sie im physischen Bereich, in dem sie dem Meister überlegen waren. Vorab Simon Moser, Sebastian Schilt und Kim Lindemann teilten kernige Checks aus. Schilt, einer von nur neun Langnauern mit NLA-Playoff-Erfahrung, beförderte in der 2.Minute Rüthemann unsanft zu Boden und löste die erste Massenkeilerei aus, welche in einem Rencontre der ehemaligen Burgdorfer Junioren Daniel Steiner und Marc Reichert gipfelte. «In dieser Serie zählt jeder Check. Wir haben eine Duftmarke gesetzt», erklärte Schilt. Durch ihre Härte handelten sich die Tigers zahlreiche Strafen ein. Diesbezüglich sei der Heimvorteil spürbar gewesen, lautete Fusts Erklärung. Tonband sorgt für Aufruhr Summa summarum zogen sich die Emmentaler im ersten Playoff-Spiel der Vereinsgeschichte anständig aus der Affäre. Vor der Premiere hatte Sportchef Ruedi Zesiger den Medienvertretern einen hundertseitigen Playoff-Guide übergeben. Ansonsten befinden sich Langnauer bezüglich Professionalität noch nicht auf NHL-Niveau: Fusts Motivationstrick nämlich konnte nicht geheim gehalten werden. Vom Lokalradio Neo hatte er eine fiktive Radioübertragung produzieren lassen. Der euphorisierte Reporter schildert darin die Schlussphase der sechsten Partie, welche die Tigers gewinnen und den SCB damit eliminieren. Mit der Aufnahme will Fust Reize setzen; weil das Tonband ungeplant den Weg ins Internet fand, dürfte sie nun auch die SCB-Akteure zusätzlich anstacheln. Es erstaunt nicht, veranlassten die Langnauer die Entfernung der Aufnahme. Bereits morgen kommt es in der Ilfishalle zum Wiedersehen. «Bei uns muss keiner den Kopf hängen lassen», erklärte Fust. Ein, zwei Änderungen wird er vornehmen, ins Detail gehen mochte der 38-Jährige indes nicht. «Das ist top secret», sagt Fust, der einst beim kanadischen Geheimdienst tätig gewesen war. Auch Schilt ist weiterhin guter Dinge. «Einige Berner haben frustriert gewirkt. Die Gegenwehr hat sie wohl überrascht – und beeindruckt. Ich denke nicht, dass sie am Dienstag mit Freude nach Langnau fahren werden.»Philipp Rindlisbacher>

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