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Die Grenzen verwischen

In der Privatklinik Wyss sind Werke des Bieler Duos M.S. Bastian/Isabelle L.

Mickey Mouse sitzt auf einem Baum und spielt vor dem fröhlich gelb strahlenden Himmel auf der Gitarre. Leuchtend rote Boliden sausen über die Wände. Barbapapa, Simpson und Pulp drängen sich darin neben Kugelköpfen mit grossen Glubschaugen und Grossmäulern mit Furcht erregenden Sägezahnreihen. Über die Leinwände flutschen Gurkenmännchen und skurrile Tröpfchenfiguren: Bunt durcheinandergewirbelt hält die überbordende Comic-Kunstwelt des Bieler Künstlerduos M.S. Bastian/Isabelle L. Einzug in die Räumlichkeiten der Privatklinik Wyss in Münchenbuchsee. Seit sieben Jahren stellen immer wieder Künstlerinnen und Künstler in der Klinik Wyss aus, die sich in der Behandlung von Burn-out-Patienten einen Namen gemacht hat und die auf die Therapie von psychischen Erkrankungen spezialisiert ist. Zumeist sind die Ausstellenden Kunstschaffende aus der Region, darunter Timmermahn aus Rüeggisberg oder Barbara Hodel aus Bern. Nun stellt erstmals ein Künstlerpaar aus, das sich mit seinem bei Comic, Kunst und postmoderner Grossstadt entlehnten Universum über die Grenzen der Schweiz hinaus einen Namen gemacht hat. Die Normalität proben Eine Klinik als Galerie? Mit den Kunstwerken kommt ein Stück Aussenwelt in die Klinik, erklärt Michel Roulet, der als Kunsttherapeut mit den Patienten arbeitet und die Ausstellungen organisiert. Die Werke schaffen eine Pufferzone, einen Ort, an dem die Patienten ein Stück Normalität proben können. Insbesondere die Vernissagen bieten Gelegenheiten für Begegnungen, bei denen für einmal nicht die Krankheit im Vordergrund steht. Besucher, zumeist aus der Nachbarschaft, aber immer mehr extra Hergereiste, kommen in die sonst abgeschotteten Klinikgebäude. Wer ist Patient, wer Besucher, wer anerkannter Künstler, wer ein Unbekannter mit kreativem Potenzial? Für die Dauer der Ausstellungseröffnung verwischen die Grenzen. Einfluss auf die Therapie Jeweils zwei Monate lang hängen die Bilder im Restaurant des Hauses, sodass die Patienten ihnen immer wieder ausgesetzt sind. Dies kann psychische Prozesse auslösen. Roulet erzählt von einem in dunklen Blau- und Schwarztönen gehaltenen Bild einer früheren Schau. Aus der Auseinandersetzung mit diesem Werk ergab sich plötzlich für einen an Depressionen leidenden Patienten ein Weg, die Therapie anzusetzen. Das Bild hatte ein kleines Tor geöffnet. Ein Vexierbild hingegen, das je nach Art der Betrachtung ein erotisches Motiv erkennen liess, belastete eine Missbrauchspatientin so sehr, dass die Verantwortlichen sich entschieden, es zu entfernen. Kunst lotet Grenzen aus. Und das Ausloten von Grenzen ist auch in der Therapie von psychischen Erkrankungen ein grosses Thema. Oft geht es dort aber darum, persönliche Grenzen wahrzunehmen und diese bewusst abzustecken. Unterstützend führt die Klinik Maltherapien durch. Hier bauen die Patienten ihre gesunde Seite auf. Sie stärken ihren Selbstwert und ihre Kreativität und geben ihrem Innenleben unmittelbaren Ausdruck. Anders die Künstler, die ihre Themen mit Distanz kontrolliert reflektieren, so Roulet. Keine morbiden Szenen Was in einer Ausstellung zumutbar ist, gilt es sorgfältig abzuwägen. Gewalt, morbide Szenen und allzu fratzenhafte Bilder der Bastian-Welt sind in der Klinik nicht zu sehen – zu Gunsten der spielerischen Seiten. So ermöglicht die Ausstellung in Münchenbuchsee einen ungezwungenen Zugang, der nicht nur für Patientinnen und Patienten angenehm ist. Anne-Sophie SchollAusstellung: M.S. Bastian/Isabelle L., «Circus Bastian», noch bis 14.März. Privatklinik Wyss, Fellenbergstrasse 34, Münchenbuchsee. >

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