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Die Geschichte aus zwei Städten

Dem SC Bern hat es am

Nach dem siebten Bieler Tor ist auch der Stadionsprecher in der Seeländer Eishalle endgültig euphorisiert: «Der Shorthander wurde euch offeriert von der Nummer 18, Ahren Spylo», verkündet der Speaker. Mit dieser Formulierung trifft er den Nagel jedoch nur bedingt auf den Kopf, denn die Offerte zum letzten Tor der Seeländer lieferte der spendable Gast aus Bern in Form eines weiteren Abwehrpatzers. 1:7 unterliegt der Meister in Biel. Letztmals hat der SC Bern vor sechs Jahren, beim 0:6 in Davos am 27.November 2004, ein Spiel mit sechs Toren Differenz verloren. Trainer Larry Huras schaltet im Anschluss an die Partie denn auch nicht in den (verbalen) Schongang. «Der Goalie, die Verteidiger, die Stürmer, die Trainer – alle waren gegen Biel äusserst schlecht», sagt der Kanadier. Tags zuvor fiel des Trainers Kritik an der Leistung der Seinen noch gemässigt aus. Nach dem 6:5-Erfolg gegen die ZSC Lions zitierte Huras den Einstieg des von Charles Dickens verfassten Romans «A Tale of Two Cities» (eine Geschichte aus zwei Städten): «It was the best of times, it was the worst of times» (Es war die beste aller Zeiten, es war die schlechteste aller Zeiten), sagte Huras in Bezug auf die inkonstante Darbietung seines Teams. Die guten Zeiten erlebte Huras gegen den ZSC zu Spielhälfte und Mitte des Schlussabschnitts: Ryan Gardner und Christian Dubé sowie Brett McLean und Travis Roche sicherten den Bernern jeweils eine 2-Tore-Führung. Die Zürcher ihrerseits vermochten zweimal mittels Doppelschlägen zu reagieren. Jean-Pierre Vigier, der in dieser Saison mehrheitlich schlechtere Zeiten erlebt hat, sorgte mit zwei verwandelten Penaltys für das aus Berner Optik versöhnliche Ende. «Wir bieten Unterhaltung», befand Huras. Sein Schmunzeln konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Worte vielmehr auf Sarkasmus denn auf Zufriedenheit basierten. Der Trainer ergänzte, seinem Team fehle zurzeit «der Killerinstinkt». Ohne den Topskorer Hätte Larry Huras bereits am Samstag gewusst, wie die Partie tags darauf in Biel verlaufen würde, er hätte sich den radikalen Bezug zu Dickens’ Werk womöglich aufgespart. Im Startdrittel hatten die Berner noch dominiert, im Abschluss jedoch nicht reüssiert – in der Folge sorgten sie mit teils eklatanten individuellen Fehlern jedoch dafür, dass sich Biel in einen wahren Rausch spielen konnte. «Biel ist ein Stimmungsteam, das wussten wir. Leider haben wir die Partie nach gutem Beginn aus der Hand gegeben», sagte Ivo Rüthemann. Bei den Bernern erhielten Ersatzgoalie Olivier Gigon sowie der zuletzt überzählig gewesene Joel Kwiatkowski eine Einsatzgelegenheit, derweil die angeschlagenen Verteidiger Andreas Hänni und Travis Roche passen mussten. Letzterer hatte bereits in der Verlängerung des Samstagspiels nicht mehr mittun können. Eine MRI-Untersuchung soll heute Aufschluss über die Schulterverletzung Roches geben. Dem temporären Topskorer Ryan Gardner gelang zwar im sechsten Spiel nacheinander ein Tor, seine Sturmformation stand jedoch in den ersten zwei Dritteln auch bei sämtlichen Gegentoren auf dem Eis. «Happy Halloween», sagte Larry Huras schliesslich und mutmasste, für das Halloween-Fest hätten sich wohl einige in ein SCB-Dress gekleidet. «Es ist meine einzige Erklärung für die schwache Leistung. Das waren nicht meine Spieler.» Und um den samstäglichen Vergleich des gewieften Kommunikators nochmals aufzugreifen: 6:5 gegen den ZSC in Bern, 1:7 in Biel – die Geschichte aus zwei Städten verlief für den SCB an diesem Wochenende trotz zwei Punkten wenig erfolgreich. Reto KirchhoferTelegramm Seite 16 >

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