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Die geheime Schönheit der Mathematik

TheaterDie Gruppe Matterhorn Produktionen zeigt im Schlachthaus «Die Mannigfalte – ein algebraisches Varieté». Ein sinnlicher, lehrreicher und etwas diffuser Abend.

Fein säuberlich in Schnüerli-Schrift führt ein Mann die Kreide an der Wandtafel. Fünf solche Schulzeitrelikte hängen an Drahtseilen in einem Quader aus Metall (Bühne: Bettina Ginsberg und Ursina Greuel). Über der linken Kante, halb im Quader, halb draussen, steht ein Flügel. Im Schlachthaus-Theater inszeniert Ursina Greuel «Die Mannigfalte». Nachdem in Bern zuletzt «Stottern und Poltern» und die «Fondue-Oper» zu sehen waren, widmet sich die Gruppe Matterhorn Produktionen nun der Mathematik. Arithmetisch reihen sich im «algebraischen Varieté» die Szenen aneinander, was es trotz tadelloser Lichtgestaltung (Jens Seiler) nicht leicht macht, mitzuhalten. Anstatt zudem brav die Hand aufzuhalten, fallen sich die als Schüler und Lehrer zugleich agierenden Figuren oft gegenseitig ins Wort. Euler-Charakteristik «Was ist Mathematik?», steht auf der Tafel geschrieben. Dies fragte Ursina Greuel zunächst vier Mathematiker, darunter ihren Vater. Die eingespielten Interviews bildeten die Basis für das Stück. «Mathematik ist völlig unabhängig von Beispielen», meint Gert-Martin Greuel. Daran halten sich die fünf Figuren zum Glück nicht lange, sondern finden: «Schauen wir uns doch mal ein bisschen Mathematik an.» In einer Choreografie ziehen Lou Bihler, Franziska von Fischer, Newa Grawit, Krishan Krone und Oliver Meier Super-Mario-Männchen gleich ihre Linien am Boden des Quaders gemäss der Euler-Charakteristik. Leonard Euler hat mit der Formel E–K+F=2 die Beziehung zwischen Anzahl Ecken, Kanten und Flächen eines Polyeders definiert. Das Gesetz ist zentral in «Die Mannigfalte», wohl auch weil es sich gut an alltäglichen Dingen zeigen lässt. Man nehme etwa einen Teller Spaghetti oder Würmer, ganz egal, meint ein Professor. Da offenbart sich auf einmal die Mathematik von ihrer poetischen Seite. Nachdem eine Figur die Tafel abgewischt hat, fliegen in der Videoprojektion (Michael Spahr) die Kreidezeichen weg. Eine sinnliche Interpretation von Mathematik wählten auch verschiedene junge Musiker mit ihren Kompositionen, gespielt von der Pianistin Simone Keller. Als Figur äussert sich Keller leider nur selten zu Musik und Mathematik. Dabei gäbe das Thema viel her. Nicht zufällig hat Euler selbst einen Beitrag zur Musiktheorie veröffentlicht. «Für die Musiker zu anspruchsvolle Mathematik, für die Mathematiker zu musikalisch», soll dazu ein Biograf bemerkt haben. Céline Graf;Weitere Vorstellungen: heute und morgen, jeweils 20.30 Uhr, Schlachthaus-Theater. Tickets: www.schlachthaus.ch.>

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