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Die Dose ist viel besser als ihr Ruf

KonservendoseOliven, Suppen, Ravioli, Würstchen oder

Für die meisten Feinschmecker sind die röhrenförmigen Metalldinger vom Grossverteiler schlicht unter ihrem Niveau. Und doch war die Erfindung der Konservendose des Franzosen Nicolas Appert vor 200 Jahren eine Heil bringende Errungenschaft für die Menschheit. Ja, sie ist es bis heute. Ganz nebenbei hat sie es in der Zwischenzeit auch zum Kunstgegenstand gebracht: Andy Warhol schuf 1962 seine «Campell’s Soup Cans»-Serie, deren erste Skizzen derzeit im Basler Kunstmuseum zu sehen sind. Trotzdem gilt es als gesellschaftlich chic, über die Konservendose die Nase zu rümpfen. Zu Büchsen mag sich kaum jemand wirklich bekennen – und doch stehen sie in jedem Haushalt, werden im Keller aufbewahrt und ihr Inhalt nicht selten von den Kochenden veredelt auf den Tisch gebracht. Die Dose ist für Vorräte beliebt und wird noch immer millionenfach über den Ladentisch gereicht. Auch Köche wie Bernhard Bühlmann vom Restaurant Bären in Mägenwil greifen darauf zurück. «Tomatenpüree, Essiggurken oder schwarze Oliven sind gar nicht anders erhältlich», sagt der Gault-Millau-Koch, der als Kind Pfirsiche aus der Dose über alles liebte, Ravioli hingegen verabscheute. Ansonsten vermeidet er die Dose konsequent, will sie aber nicht verteufeln. Schliesslich seien viele Leute darauf angewiesen, wie etwa die Betreiber von Berghütten. «Und ohne sie hätten unsere Vorfahren die Kriegsjahre wohl gar nicht überlebt.» Sie kann Atomkriege überstehen, sie dient an Kinderpartys als Ziel von Wurfspielen oder Hochzeitspaaren als schepperndes Autoanhängsel: Die Dose ist multifunktional und steht jedermann zu Diensten. Zu ihrem 200.Geburtstag könnte man wieder zu ihr stehen! Das finden zumindest unsere Autoren in ihren persönlichen Plädoyers für die Büchse.Silvia Schaub Mit Büchsenbohnen kam ich über die Runden Es gibt zwei Dinge, die ich gerne selber erfunden hätte, um damit ein Vermögen zu machen: industriell gefertigte Zahnstocher und weisse Bohnen an Tomatensauce in der Dose. Nun gut, andere waren schneller. Aber zumindest war es möglich, mit den Bohnen die Vorgabe meiner Eltern zu erfüllen: «Wer mit 18 von zu Hause auszieht, muss selber schauen, wie er über die Runden kommt.» Das gelang mir dank 39 Prozent Wasser, weissen Bohnen blanchiert, 3,5 Prozent Tomatenpüree, modifizierter Tapiokastärke (E 1414), Kochsalz, Zucker, Gewürzen (mit Sellerie), Sonnenblumenöl, Säuerungsmittel (E 330), Aroma, Verdickungsmitteln (E 410, E 412) und Geschmacksverstärkern (E 621, E 631) recht gut. Stimmt, es tönt nicht gesund, aber es macht auch heute noch einmal im Jahr ganz glücklich. Sandro Brotz Die besten Kirschi kommen aus der Büchse In meiner Jugend war die Konservendose eine Errungenschaft, die man stolz zu Tische trug. Also gab es bei uns regelmässig Erbsli und Rüebli, grüne Bohnen, Spargeln, Mais, Thon, Ananas oder Pfirsiche aus den Metallbehältern. Ich war ein richtiges Dosenkind. Berührungsängste habe ich heute genauso wenig wie damals, auch wenn ich weit zurückhaltender zur Büchse greife. Nur beim Fruchtsalat mache ich eine Ausnahme. Davon steht immer eine Büchse bereit. Als Kind genoss ich sie am liebsten pur, heute angereichert mit frischen Früchten. Aber eigentlich nur aus einem Grund: wegen der roten Kirschi. Sie sind die Juwelen im Fruchtsalat. Auf sie stürzten wir uns immer – heute überlasse ich das grosszügig meinen Kindern. Silvia Schaub Ein Andenken an die gute alte Zeit Das silberfarbene Döschen ist unscheinbar. Es hat es aber in sich. Es enthält einen Käse. Genauer einen «Panzerkäse», wie die Angehörigen der Armee diesen «atomsicher» eingeschweissten Schmelzkäse einst zu benennen pflegten. Das Büchslein muss vor mindestens 25 Jahren im Rucksack liegen geblieben sein. Ob das wohl ein Verstoss gegen eine Art Munitions- oder hier wohl besser Käsebefehl war, sei dahingestellt. Jetzt ist das Büchslein, wohlverwahrt, eine der letzten physischen Erinnerungen an die grosse Zeit einer Armee, die heute mit Logistik- und anderen Problemen kämpft. Es passiert auch nichts, solange man das Büchslein nicht öffnet. Das ist übrigens dasselbe wie mit den privaten Armeewaffen. Solange sie im Schrank vor sich hin rosten, passiert auch nix. Louis Probst Das Leibgericht? Erbsli und Rüebli! Büchsen? Die gibt es in unserem Haushalt kaum mehr! Früher eher, als die Kinder noch da waren und Ravioli (nachgewürzt und mit Käse und/oder Béchamel überbacken) fester Bestandteil des wiederkehrenden Menüplans waren. Heute kochen wir frisch. Gelegentlich eine Büchse Spargeln für das Plättli und Ananas oder Stalden-Creme zum Dessert. Auch das unverzichtbare Apfelmus zu Ghacktem und Hörnli kaufe ich gelegentlich im Laden. Es gibt nur ein (Leib-)Gericht, das bei mir ausnahmslos aus der Büchse kommt: Erbsli und Rüebli. Ich habs schon dutzendmal auf die frische Art probiert. Ehrlich. Aber so wie aus der Dose, aufgepeppt mit etwas gehackter Zwiebel und Knoblauch, bekomme ich das nie hin. Auch in hundert Jahren nicht! Toni Widmer Sugo wie bei Mama Gehackt oder geschält, für Pizza oder Pasta: Die Tomaten aus der Dose sind nie eine Verlegenheitslösung. Je nach Hersteller – und selbstverständlich mit einer angemessenen Verarbeitung – stehen sie keiner originalen italienischen Sauce nach, die traditionell in einem langen Prozess in Gläsern eingemacht wird. Zwiebeln und/oder Knoblauch anbraten, Tomaten aus der Dose dazugeben und würzen. Mehr braucht es nicht, ausser einer Kochzeit von mindestens einer halben Stunde. Auf diese Variante zum Einmachglas greifen auch waschechte Mamas zurück, wenn ihre Jahresreserve an selbst gemachtem «Sugo» ausgegangen ist. Mit Tomaten aus der Dose schmeckt die Pasta besser als mit einer Fertigsauce – und sie ist zudem auch noch günstiger. Michele Coviello Der Lebensretter hat vier Ecken Sie sind und bleiben meine Lebensretter: die kleinen viereckigen Pastahäppchen, mit Fleisch gefüllt, garniert mit einer Tomatensauce. Wenn ich abends spät und hungrig nach Hause komme, im Kühlschrank nur noch eine verwaiste Butter und im Gefrierfach nur noch Eiswürfel liegen, sind sie der Grund, dass ich kulinarisch nicht in Panik gerate. Denn eine Büchse mit Ravioli habe ich immer im Essschrank. Wehe dem, der behauptet, sie seien nur eine Notration. Im Gegenteil! Auch wenn der Kühlschrank einmal prall gefüllt ist mit frischen Köstlichkeiten, sind die Dosenravioli immer eine Alternative für ein schnelles und leckeres Abendessen. Und das Beste kommt jeweils zum Schluss: Das Brot wird in der köstlichen Tomatensauce getunkt. Einfach himmlisch! Benjamin Weinmann>

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