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Die Direktoren fordern mehr Geld

Eine Umfrage bei den Direktoren der Tourismusdestinationen im Berner Oberland zeigt, dass alle mehr zusammenarbeiten wollen. Und alle haben denselben Wunsch, um den Tourismus voran treiben zu können: mehr Geld.

Aus den bestehenden zwölf Destinationen sollen fünf bis sieben werden. Das war eine der Vorgaben von Andreas Rickenbacher im Frühjahr 2007, als der Regierungsrat das Entwicklungsszenario 2010/1212 für den Tourismus vorstellte. Als Anreiz für eine Destinationenverdichtung versprach der Kanton einmalige Beiträge. Und nur Destinationen, die gross genug sind, erhalten die Beherbergungsabgabe zurück, die sie dem Kanton abliefern. Seither hat sich viel getan im Oberland: Partnerschaften wurden geknüpft, andere aufgehoben. Die Übersicht zu behalten, wer mit wem zusammenarbeitet, ist nicht einfach. Da drängen sich die Fragen auf, was in den Destinationen bezüglich Verdichtung läuft und ob die Unterstützung des Kantons reicht. Gstaad-Saanenland Roger Seifritz, Direktor Gstaad-Saanenland, erklärt: «Wir sind bereits heute eine verdichtete Destination, da in unserem Raum sieben Verkehrsvereine und auch zehn Bergbahngesellschaften fusioniert haben. Damit und mit einer Million Übernachtungen in der Region erfüllen wir die Bedingungen des Kantons. Trotzdem haben wir geprüft, ob noch weitere Verdichtungen möglich sind und dabei Richtung Simmental und Pays d’haut geschaut. Der finanzielle Nutzen würde den Aufwand bei weitem nicht rechtfertigen. Wir sind aber offen für projektorientierte Zusammenarbeit und haben bereits entsprechende Angebote mit den Alpes Vaudoises realisiert.» Auf die Frage, ob der Kanton Bern punkto Destinationenverdichtung genügend Unterstützung bietet, antwortet Roger Seifritz: «Ganz ehrlich gesagt: Nein. Im Vergleich zu unseren Konkurrenten wie Wallis, Graubünden und Tirol erhalten wir kaum finanzielle Unterstützung aus der Staatskasse. Das Waadtland unterhält etwa eine sehr starke regionale Tourismusorganisation, die vom Kanton jährlich 5,5 Milliosunen Franken aus normalen Staatsmitteln erhält. Im Kanton Bern fehlen hingegen Mittel aus der Staatskasse für übergreifende Marketingzwecke vollumfänglich. Die finanziellen Mittel, die die Destinationen heute erhalten, haben sie ja selber via kantonale Beherbergungsabgabe erwirtschaftet.» Berner Oberland spiele als geografischer Begriff eine Rolle, nämlich damit die Gäste wüssten, in welchem Teil der Schweiz eine Destination liege. «Für Teilgebiete, die selber eine schwächere Marke haben, spielt ‹Berner Oberland› eine grössere Rolle. Destinationen mit starker Marke brauchen diese geografische Ursprungsbezeichnung wenig. Sie investieren besser in die eigene Marke», sagt der Tourismusdirektor von Gstaad-Saanenland. Aber: «Die Situation wäre natürlich anders, wenn der Staat mindestens 5 Millionen aus Staatsmitteln in diese Marke investieren würde. Das beweist das Beispiel Tirol: Dieser Brand wird von der öffentlichen Hand mit 20 Millionen Euro im Jahr finanziert. Kein Wunder, liest man diesen Namen an jeder Ecke in Europa.» Lenk-Simmental Eduardo Zwyssig, Direktor der Destination Lenk Simmental: «Wir haben uns eben zur Marketingkooperation Berner Oberland zusammengeschlossen. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, den wir mit den Destinationen Lötschberg, Adelboden und Thunersee finden konnten, um die Forderung des Kantons zu vermehrter Zusammenarbeit erfüllen zu können. Ein Synergie- und ein Einsparungseffekt einer Fusion ist im Moment kaum realisierbar, was dem Kanton auch klar wird. Auf Grund der Bedeutung des Tourismus müsste der Kanton entsprechend investieren.» Adelboden kooperiert Tourismusdirektor Roland Huber kennt die Situation von Adelboden: «Auch wir gehören zur Marketingkooperation Berner Oberland und wollen das bis 2011 gemeinsam ganz pragmatisch umsetzen. Moralisch ist beim Kanton Bern der Wille vorhanden, die Rahmenbedingungen zu stellen. Aber finanziell hinkt er hinterher. Der Grossrat muss schnell begreifen, dass der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsträger des Kantons ist. Sehr viele Grossräte sind sich da ihrer Verantwortung noch nicht bewusst. Tourismus ist mehr als Prospekte gestalten und Alphorn blasen. Tourismus hat sehr viel mit Standortentwicklung und –förderung zu tun. Es braucht zuerst Produkte, dann die Vermarktung.» Lötschberg: Lösung finden Jerun Vils, Direktor der Destination Lötschberg und Präsident der Destinationen Berner Oberland: «Es ist wichtig, gemeinsam mit dem Kanton gangbare Lösungen zu eruieren. Dabei muss abgeschätzt werden, ob sie sich in einem vernünftigen Rahmen umsetzen lassen. So darf zum Beispiel der Koordinationsaufwand nicht zu gross ausfallen, ansonsten sind die Projekte wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Am Produkt vor Ort zu arbeiten ist viel wichtiger, als Destinationen zu verdichten.» Als Präsident der Destinationen könne er versichern, dass die Touristiker mit dem Kanton ein sehr gutes Einvernehmen hätten, beteuert Jerun Vils. «Es ist allen klar, dass die Umsetzung des Ziels, einst nur noch drei bis fünf Destinationen zu haben, eine grosse Herausforderung darstellt. Wir müssen deshalb auch die Offenheit haben, alternative Lösungsansätze zu prüfen. Der Kanton klärt momentan die Möglichkeiten seines zukünftigen finanziellen Engagementes im Tourismus ab. » Haslital: Warten Nils Glatthard, Co-Direktor von Haslital Tourismus: «Wir befürworten grundsätzlich die Absicht zur Destinationsverdichtung. Um den Prozess dazu im Oberland Ost in Gang zu bringen, braucht es aber mehr als nur eine Destination, die das will. Im Oberland Ost werden zwischen den Destinationen zwar Gespräche geführt und gemeinsame Projekte realisiert. Strukturelle und organisatorische Schritte hin zur engeren Zusammenarbeit sind zurzeit jedoch nicht konkret vorgesehen. Wir haben sowohl dem Kanton wie auch der Regionalkonferenz Oberland Ost vor längerer Zeit vorgeschlagen, die Moderation von enstsprechenden Gesprächen zu übernehmen. Dieser Vorschlag wurde bisher nicht umgesetzt. Die Destinationsverdichtung wird in unserem Raum wohl auf der Ebene einer Marketingkooperation oder einer Destinationsmarketinggesellschaft stattfinden. Das Gästemarketing vor Ort kann nicht Teil des Verdichtungsprozesses sein.» Jungfrau Region Marketing Zur Jungfrau Region Martketing AG gehören die Tourismusvereine Grindelwald und Wengen–Mürren–Lauterbrunnental sowie die Kleinaktionäre Jungfraubahnen, Schilthornbahn, Männlichenbahn und die Luftseilbahn Wengen–Männlichen. Ihr CEO Samuele Salm erklärt: «Mit diesem Zusammenschluss haben wir die Destination verdichtet und vom Staat einen einmaligen Beitrag von 500000 Franken sowie vom Kanton Bern 70000 Franken als Förderungsmittel erhalten. Wenn wir uns noch mit Haslital und Interlaken zusammenschliessen würden, gäbe das für jede Organisation weitere 70000 Franken. Die Marketingkooperation Berner Oberland erhält nun 800000 Franken. Diese Finanzpolitik vom Kanton ist für uns nicht ganz nachvollziehbar. Wie auch immer: Diese Summe reicht nicht, um die beiden Destinationen mit ins Boot zu holen. Wären das ein bis drei Millionen Franken, wie sie Organisationen in Graubünden vom Staat erhalten, würde dieser Prozess bestimmt beschleunigt. » Interlaken: Beobachten Direktor Stefan Otz: «Wir beobachten im Moment die Situation und machen das, was für den Markt Sinn macht. Wir wollen kein künstliches Gebilde schaffen, nur weil das der Kanton will und es dafür etwas Geld gibt. Wir kooperieren mit unserem Instrument Marketing zum Mitmachen seit Jahren mit Haslital, Thunersee, Jungfrau, der BLS und der Zentralbahn. Dafür haben wir keine Unterstützung erhalten. Die Strategie des Kantons ist für uns, wie eine neue Spielregel mitten im laufenden Spiel aufzustellen. Wichtig ist, dass wir Produkte haben. Welche Destination dahinter steht, spielt für den Gast keine Rolle.Die Krux ist, dass der Anspruch des Kantons und die Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Wenn er sich mit den anderen Tourismuskantonen messen will, dann muss er die gleichen Voraussetzungen schaffen und wiederkehrende Beiträge in Millionenhöhe zahlen.» Thunersee: Unterstützung Beat Anneler, Diretor von Thun Tourismus, weist darauf hin, dass auch diese Destination neu zu Berner Oberland gehört. «Wir haben für die Aufbauphase finanzielle Unterstützung erhalten. Aber nach 2012 brauchen wir einen wiederkehrenden Beitrag. Wir müssen uns politsch engagieren, damit der Kanton neue Finanzquellen für den Tourismus erschliesst. Der Kanton Graubünden hat seine jährliche Unterstützung eben von drei auf sechs Millionen Franken pro Jahr erhöht, und wir erhalten nichts. Da muss etwas geschehen, sonst wird es schwierig, Destinationenversichtung hin oder her.» Susanna Michel >

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