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Die Demonstration des Kronprinzen

Carlo Janka hat in Wengen die Lauberhorn-Abfahrt vor 32000 Zuschauern überlegen gewonnen. Die Konkurrenz verneigte sich vor dem 23-jährigen Bündner. Janka blieb in der Stunde des Triumphs gewohnt cool.

Die Szenerie an der Pressekonferenz hatte Symbolcharakter: Carlo Janka sprach stoisch ruhig und sachlich in die verschiedenen Mikrofone, von Emotionen und Glücksgefühlen scheinbar keine Spur. Soeben hatte der 23-Jährige als erst achter Schweizer in der Weltcup-Geschichte die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen, 66 Hundertstel vor dem Kanadier Manuel Osborne-Paradis, 82 vor Marco Büchel. Er verspüre ein Gefühl der Zufriedenheit, erklärte Janka, aber ausgelassenen Siegesjubel werde man bei ihm wohl nie sehen. «Weil ich die Emotionen nicht zum Vorschein kommen lasse, sondern für mich behalte, machen sie mich in den nächsten Rennen noch stärker.» Janka im Fokus 32000 Zuschauer strömten allein am Samstag nach Wengen, ein würdiger Rahmen für Kronprinz Janka, der sich – schenkt man den Meinungen zahlreicher Experten Glauben – auf dem Weg zum Skikönig befindet. «Carlo hat unter den Skifahrern den besten Instinkt und die Gabe, eine Piste in sich aufzusaugen», sagte Andreas Wenzel, Gesamtweltcup-Sieger 1980 und Kombinationsweltmeister 1978. Es sei nach dem WM-Titel im Riesenslalom sein wichtigster Erfolg, sinnierte Janka. Dabei habe er sich für einen Sieg auf der längsten Abfahrt der Welt noch gar nicht reif gefühlt. Reife bewies Janka indes im Ziel-S, der einzigen Passage, in welcher er der Konkurrenz nicht davonfuhr. Taktisch clever drosselte er das Tempo und wählte «eine Sicherheitsvariante», seine müden Beine hätten keine Wunderdinge mehr zugelassen. «Bei mir passen die Puzzleteile zusammen», erklärte der Obersaxener sein Erfolgsrezept. Mit dem sechsten Weltcup-Sieg übernahm er in der Gesamtwertung die Führung, Benjamin Raich weist 18 Punkte weniger auf. Während Janka beim Brüggli der Konkurrenz entrückte, brachten sich Super-Kombinations-Sieger Bode Miller und der Trainingsschnellste Andrej Jerman im Ziel-S um einen möglichen Podestplatz. Den ausgeschiedenen Miller, der den Kurs nicht besichtigt hatte, weil er die Strecke mittlerweile auswendig kenne, verliessen auf den letzten Metern die Kräfte; auch andere Exponenten zeigten sich im Ziel völlig erschöpft. Ein deutliches Signal an die Kritiker, welche die Lauberhorn-Abfahrt im Vergleich zu früheren Jahren als konditionell weniger anspruchsvoll bezeichnen und die Abtragung des Zielsprungs kritisieren. Cuche im Schatten Auf der Ehrentafel der Lauberhornsieger ist Didier Cuche aufgelistet; der Neuenburger gewann 2004 – allerdings nur das Ersatzrennen, welches in Garmisch-Partenkirchen ausgetragen wurde. Am Samstag wurde Cuche Fünfter und stand wie im vergangenen Jahr im Schatten eines Teamkollegen. Cuche dürfte 2011 im Berner Oberland eine letzte Chance erhalten. Vorjahressieger Didier Défago (8.) und Patrick Küng (11.) rundeten den starken Schweizer Auftritt ab; in der kompakten helvetischen Mannschaft fiel der Rennverzicht des angeschlagenen Ambrosi Hoffmann nicht ins Gewicht. Österreicher im Loch Im Weltcup-Duell mit Erzrivale Österreich ist das Schweizer Männerteam nach Anzahl Saisonsiegen wieder die Führung gegangen(6:5). Die einst stolze rot-weiss-rote Abfahrtsarmada verhinderte zwar einen Sturz im legendären Österreicherloch und einen Totalabsturz wie im Vorjahr (Georg Streitberger als Bester auf Rang 18); Österreich blieb in der Lauberhorn-Abfahrt aber nur die Statistenrolle. Klaus Kröll sowie Streitberger auf den Rängen neun und zehn erfüllten höchstens die Pflicht, Mitfavorit Michael Walchhofer blieb als 16. weit unter den Erwartungen. Das Lauberhorn habe wohl seit einigen Jahren etwas gegen die Österreicher, sagte Kröll, der dem Husarenritt Jankas «grössten Respekt» zollte. Walchhofer haderte dagegen mit inneren und äusseren Einflüssen. Eine Magenverstimmung habe ihn die ganze Woche geplagt, «zudem fuhr ich mit Startnummer 22 nur noch im Schatten». Auch der Weltmeister von 2003 verneigte sich vor dem Sieger. «Was der Janka zeigt, verdient das Prädikat Extraklasse. Er verkörpert Coolness auf Skiern.» Doch auch der viel zitierte «Iceman» zeigt bisweilen Gefühle. Er habe grossen Respekt vor der Rückkehr nach Kitzbühel, die Erinnerungen an den fürchterlichen Sturz vor Daniel Albrecht würden spätestens beim Passieren der Ortstafel wieder hochkommen, sagte Janka. Er war letztes Jahr Albrechts Zimmerkollege gewesen. Philipp RindlisbacherResultate Seite 14 >

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