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Die Autolawinen machen Bauchweh

lyssachschachen

Sogar Gemeindepräsident Hansruedi Sägesser ging dezidiert auf Distanz. «Wenn alles tatsächlich so gross werden und so schnell gehen soll, dann dürfen wir nicht einfach Ja sagen», schloss er den Abend nach fast zweistündiger Debatte. Spontan brandete ihm Applaus entgegen, und damit war klar: So einfach werden es der Kanton und die Region Emmental mit ihren Ideen für eine Überbauung des Lyssachschachens nicht haben. Plädoyer für die Wirtschaft Dabei machte den Anwesenden nicht einmal so sehr der drohende Verlust von bestem Kulturland zu schaffen. Zwar sagte eine Votantin offen, dass ihr die nun angedachte Entwicklung «grosse Mühe» mache. Und auch die Behördenvertreter schienen zu Beginn ganz offensichtlich mit weit mehr Kritik in dieser Richtung gerechnet zu haben. So strich Kantonsplaner Peter Rytz hervor, wie wertvoll das Gebiet wegen seiner Nähe zur Autobahn und dank der grosszügigen und ebenen Flächen sei. Und Planer Marco Rupp ergänzte: «Es geht immer um ein Abwägen zwischen den Interessen der Landwirtschaft und jenen der Industrie und des Gewerbes.» Könne man aber der Wirtschaft die gewünschten Areale nicht bieten, dann wandere sie anderswohin ab. Und das könne auch nicht im Sinn der Region sein. Auf der anderen Seite war halt schon länger bekannt, dass der Kanton auf dem flachen Land, das sich von der Industrie Buchmatt am Stadtrand von Burgdorf bis zum Autobahnanschluss bei Kirchberg erstreckt, einen Industriestandort machen will. Definitiv los ging es Anfang 2009 mit dem Startschuss zu den aktuellen Planungsarbeiten – jetzt, knapp zwei Jahre später, legten die Planer den Betroffenen erste Skizzen vor und machten auf diese Art deutlich, wie sie sich die Zukunft des Lyssachschachens vorstellen. Über 300000 Quadratmeter So unterschieden sie die drei Gebiete «Buechmatt» gleich hinter der Stadtgrenze, «Schachen» in der Mitte und «Boden» in unmittelbarer Nähe der Autobahn (siehe Grafik). In der «Buechmatt» und im «Schachen» sollen, je nach Lage der Parzelle, kleinere Gewerbebetriebe wie grössere Industrieunternehmen möglich sein. Im «Boden» dagegen sieht der Kanton eine sogenannte strategische Arbeitszone vor, die er recht flexibel für Grossprojekte vermitteln kann. Alles in allem werden so über 300000 Quadratmeter überbaut und 1500 bis 3000 Arbeitsplätze geschaffen. Aber eben, weder der Widerstreit zwischen Wirtschaft und Landwirtschaft geschweige denn die Aussicht auf Arbeitsplätze und Verdienst waren in der gut besetzten Lyssacher Mehrzweckanlage das grosse Thema. Vielmehr zu denken gab den Leuten, dass mit den neuen Firmen der Verkehr noch mehr anschwellen wird – wen wunderts: Zu frisch sind die Erinnerungen an die chaotischen Zustände, die noch vor zehn Jahren auf den viel zu knapp dimensionierten Strassen rund um die nahe Shoppingmeile herrschten. Um der Situation überhaupt noch Herr werden zu können, mussten die Sicherheitsdienste die Blechlawine regelmässig über Lyssach-Dorf umleiten – zum Leidwesen der dortigen Anwohner. Harsche Kritik an Burgdorf «Wir sollen es wieder ausbaden», klagten deshalb die einen. «Ohne dass der Autobahnzubringer um Burgdorf herum bis Hasle weitergeführt wird, wird es nicht gehen», prophezeiten die andern. Burgdorf musste sich ohnehin immer wieder massive Kritik gefallen lassen. Seit Jahrzehnten werde die Stadtumfahrung diskutiert, doch bisher hätten die Nachbarn das Vorhaben, das ja auch dem Lyssachschachen Linderung bringen würde, stets zu verhindern gewusst. Da nützte es wenig, wenn Rytz und Rupp betonten, dass nur Betriebe mit mässigem Verkehrsaufkommen zugelassen würden. Und dass das Gebiet nur dann voll und ganz überbaut werden könne, wenn der Zubringer zumindest im Abschnitt von der Stadtgrenze gebaut werde. Parallel zur heutigen Hauptstrasse, die dann nur noch der Erschliessung des neuen Industriegebiets diene – das sei zu wenig, tönte es zurück, «ohne die Fortsetzung nach Hasle geht es nicht». Zu dicht rolle der Verkehr bereits heute, wer in dieser Situation einigermassen rasch durch Burgdorf kommen wolle, weiche automatisch auf Schleichwege aus. Wohnen neben der Industrie Auch andere Themen kamen an diesem Abend noch zur Sprache. So meldeten sich Leute aus dem Einfamilienhausquartier im Lyssachschachen zu Wort und fragten, wie angenehm es wohl sein werde, dereinst, allein durch die Strasse getrennt, neben einem 15 Meter hohen Fabrikgebäude zu wohnen. Andere zweifelten offen daran, dass die ganze Planerei überhaupt einen Sinn mache. Wo man doch gar nicht wisse, ob die Bauern ihr Land überhaupt hergeben wollten. Genau zu diesem Zwecke führe man nun eine Mitwirkung durch, hielt ihnen Gemeindepräsident Sägesser entgegen. In diesem Rahmen könnten nun alle – gerade auch die Grundeigentümer – bis Ende Januar ihre Meinung kundtun. Sollte sich zeigen, ergänzte Bernhard Antener als Vertreter der Region Emmental, dass niemand zum Verkauf bereit sei, «dann müssen wir die Übung abbrechen».Stephan Künzi>

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