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Die 39 Sekunden konserviert

Zum dritten Mal hat Alberto Contador die Tour de France gewonnen. Der Iberer hielt Andy Schleck im Zeitfahren auf Distanz. In Paris reüssierte der Brite Mark Cavendish. Doping war an dieser Tour bestenfalls ein Randthema.

Seinen dritten Triumph an der Tour de France hat Alberto Contador aus der Defensive heraus errungen, was auch daraus hervorgeht, dass er keinen einzigen Etappensieg feiern konnte. 2007 musste sich der Spanier der Fragen erwehren, inwieweit er mit Dopingarzt Eufemiano Fuentes in Verbindung stand. Letztes Jahr ging es meist darum, wie sein Verhältnis zu Co-Captain Lance Armstrong sei. Diesmal musste er sich wegen seines Verhaltens in der 15.Etappe winden, als Rivale Andy Schleck nach einem Antritt am Port de Balès die Kette vom Kettenblatt gesprungen war. Am Ende weist Contador exakt jene 39 Sekunden Vorsprung auf, die er damals herausgefahren hatte. Schlecks Ankündigung Andy Schleck aber ist der Fahrer der Zukunft. «Ich habe stets gesagt, dass ich bis am Schluss kämpfen werde. Meine Fortschritte sind unverkennbar, aber es ist nicht leicht, Contador zu schlagen. Ich habe zwei Etappen gewonnen, was mich zufrieden stimmt. Ich werde nächstes Jahr wieder kommen und gewinnen, denn auch Contador weist einmal eine Schwäche auf», sagte der Luxemburger, der das Trikot des besten Jungprofis gewann. Die 39 Sekunden Differenz gehören zu den knappsten Abständen in der Geschichte der Tour de France. 1989 hatte Greg LeMond 8 Sekunden vor Laurent Fignon gewonnen, vor drei Jahren wies Contador lediglich 23 Sekunden Vorsprung auf Cadel Evans auf. «Diese Tour war bis am Schluss sehr schwierig. Das ist die erste Tour, bei der ich viele Emotionen verspürte», erklärte Contador. Geld statt Moral Hatten die Organisatoren der Tour de France vor wenigen Jahren noch als Vorkämpfer in der Anti-Doping-Bewegung gegolten, war davon in den letzten drei Wochen nichts mehr zu spüren. Der Kurswechsel hängt eng mit der im Herbst 2008 erfolgten Entlassung von Patrice Clerc zusammen. Der Franzose, ein radikaler Dopinggegner, war acht Jahre lang Vorsitzender des Tour-Rechteinhabers Amaury Sport-Organisation (ASO) gewesen, ehe sich das Unternehmen von ihm trennte und den Filius des Firmengründers Philippe Amaury auf den Chefsessel hob. Clerc hatte sich offen gegen den Weltverband UCI und dessen Präsidenten Pat McQuaid gestellt, den laschen Umgang mit der Dopingproblematik harsch kritisiert. Seit seinem Abgang steht die Ethik im Schatten ökonomischer Interessen. Das Fachblatt «L’Equipe» – es ist im Besitz der ASO – sprach wiederholt von der schönsten Tour seit langem, feierte die Gewinner als Helden und blendete die ungeliebte Thematik aus. Der vor einer juristischen Bergetappe stehende Lance Armstrong war vor Jahresfrist auf dem roten Teppich empfangen worden – unter Clerc wäre die Rückkehr des Texaners undenkbar gewesen. In diesem Jahr kämpfte Alessandro Petacchi munter um Etappensiege, obwohl zu Hause in Italien gegen ihn ermittelt wird. Auch das wäre unter Clerc unvorstellbar gewesen.si/mjs >

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