Zum Hauptinhalt springen

«Der König der Lüfte» nach Todesgefahr wieder frei

In Latterbach wäre ein Steinadler beinahe an einer akuten Bleivergiftung gestorben. Vorgestern wurde er auf dem Diemtigbergli wieder in die Freiheit entlassen. Das Problem des Bleischrots in den Flinten bleibt aber bestehen.

Bauer Fritz Mani aus Latterbach staunte nicht schlecht, als er am Nachmittag des 10.Januar beim Gang zum Gustifüttern am Boden vor ihm einen Steinadler sitzen sah. Rasch war ihm klar, dass hier etwas nicht stimmen konnte: Der Vogel bewegte sich nicht und zeigte keinerlei Furcht. Weil Mani klar war, dass das Tier die Nacht so nicht überstehen würde, brachte er es zu Tierarzt Andreas Küttel nach Oey. «Der Steinadler war schläfrig, hatte meist geschlossene Augen und war apathisch. Dazu verkrampfte er die Füsse zu Fäusten», erklärt der Veterinär: «Ein Zeichen für eine möglichen Vergiftung. Der Vogel war im Übrigen gut genährt und hatte ein schönes Gefieder», beschreibt Küttel den Zustand des aufgefundenen Tieres weiter. Kampf um Leben und Tod «Zuerst wollten wir den Patienten füttern, was er aber sofort wieder erbrach», erzählt Bauer und Vogelfreund André Zurbrügg aus Diemtigen, der bei der Behandlung dabei war. «Ehrlicherweise gaben wir dem Adler keine Chance mehr. Ich flösste ihm mit einer Sonde eine Energielösung ein und wickelte ihn für die Nacht in eine Schürze ein, damit er sich und uns nicht verletzen konnte. Morgens um fünf war der Vogel zu meiner Freude wieder ansprechbar», blickt Küttel zurück. Dem Tier wurde Hochenergiefutter für Katzen in den Magen gepumpt. Nachdem man Wildhüter Peter Schwendimann aus Oberstocken informiert hatte, brachten Andreas Küttel und André Zurbrügg den Adler in die Wildstation Landshut bei Utzenstorf. Von dort wurde der Adler zur Behandlung in das Tierspital der Universität Zürich überstellt, das er nach einer Woche wieder verlassen konnte. «Wir haben beim Vogel eine akute Bleivergiftung festgestellt», teilt die Wildstation Landshut bei Utzenstorf in einer Information mit. Dies sei bei Greifvögeln ein nicht seltener Befund. Sie sind am Ende der Nahrungskette und laufen Gefahr, über verendetes Wild Zink und Blei – besonders auch aus Bleischrotkugeln der Jäger im Fleisch der Beutetiere – aufzunehmen. Dies führe zu schweren Organschädigungen und könne unbehandelt auch zum Tod führen. Wieder in der Luft «Die Jäger handeln aber auch oft fahrlässig oder in Unkenntnis. So wurden schon ausgeweidete Füchse gefunden, die einfach im Freien entsorgt wurden. Diese Tiere enthalten mit Sicherheit Bleischrot und bilden sowohl für die Greif- wie auch die Nachtvögel, aber auch für den Menschen Lebensgefahr. Viele an Bleivergiftung verstorbene Tiere werden aber gar nicht gefunden oder nicht untersucht», meint Ornithologe Martin Wettstein aus Thun. Der wieder genesene Steinadler aber – nach einer weiteren Woche guter Pflege in der Wildstation Landshut – entfaltete am Donnerstag auf dem Diemtigbergli seine Schwingen und segelte anschliessend, zur grossen Freude der anwesenden Vogelfreunde, in elegantem Flug ins Simmental hinunter. Ulrich Krummenacher >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch