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Der Gesuchte meldet sich per Brief

GrindelwaldSeit drei Wochen läuft die Grossfahndung nach einem laut Polizei «zur Verhaftung ausgeschriebenen Mann». Dieser drohte in Grindelwald den ehemaligen Besitzern des Hotels Résidence mit Mord. Jetzt hat sich der Gesuchte in einem Brief geoutet.

Der polizeilich gesuchte Mister X.Y. meldete sich gestern per Brief auf der Redaktion des «Berner Oberländers». Abgestempelt ist das B-Post-Couvert mit Datum vom 29.Juli 2011 in 3280 Murten, unterschrieben von Hugo Piller mit dem Vermerk: «Zurzeit bin ich zur Verhaftung ausgeschrieben.» Den ungemütlichen Umstand hat er angeblich seinen Morddrohungen gegen einen Notar und dessen Partner aus Grindelwald zu verdanken. Seit vergangenem 13.Juli wird der Mann von der Justiz gesucht. Anfänglich in einer gross angelegten, mehrtägigen Polizeiaktion im Raum Grindelwald, bei der die mit Maschinenpistolen bewaffneten Beamten unter anderem Verkehrskontrollen und Befragungen durchführten, während der gesuchte Hugo Piller im Coop Grindelwald noch seelenruhig am Einkaufen war. Heute, genau drei Wochen nach Aufnahme der Grossfahndung, ist Hugo Piller immer noch «zur Verhaftung ausgeschrieben», wie es Michael Fichter, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, umschreibt. Fichter sagt auch dass die Polizei Kenntnis vom Brief habe, diesen aber nicht kommentiere. Wo sich Piller derzeit aufhält, hat er dieser Zeitung nicht verraten. Dafür versucht er, sich in seinem Brief über drei A4-Seiten zu erklären – der Brief ist mit dem Titel «Berner Oberländer Millionäre kämpfen um ihr gestohlenes Geld» überschrieben. Vor circa einem Jahr habe er zusammen mit der Miniland AG (vergleiche Kasten) einen Kaufvertrag mit Herrn Z.* und Herrn V.* über das Hotel Résidence in Grindelwald zu einem Kaufpreis von 3,5 Millionen Franken abgeschlossen. Er habe eine Anzahlung von 150000 Franken auf das Konto von Z. bezahlt, schreibt Piller. Er war offenbar guter Dinge, das Hotel zusammen mit dem «Hauptinvestor aus Zürich» für «uns, Invalide und normale Leute» kaufen zu können. Schliesslich hätten die damaligen Besitzer des Résidence mehrmals mitgeteilt, dass das Hotel jedes Jahr etwa 300000 Franken Gewinn mache. Auf Rat des Hauptinvestors habe er nach Abschluss des Vertrages eine eigene Wertschätzung über eine «kompetente Immobilienfirma» machen lassen. Dabei sei herausgekommen, dass die Bilanzen des Hotels «frisiert» und der Wert von 6,2 Millionen Franken von den ehemaligen Besitzern «vorgegaukelt» worden sei. Der Hauptinvestor habe sich deshalb und aus «Angst vor Nachzahlungen wegen Steuerbetrugs zurückgezogen», schreibt Piller. 1000er zurückbezahlt Nach dem Rückzug habe er unter Zeitdruck – das Hotel hätte bis Ende Oktober 2010 bezahlt sein sollen – «Kleininvestoren gesucht, welche mit wenig Geld Hotel-Kleinbesitzer werden konnten.» Piller suchte per Inserat 1400 Personen, welche für den Hotelkauf 1000 Franken einschiessen sollten. Offenbar fand er auch einige Zahlungswillige: «Alle Kleininvestoren haben ihr Geld noch vor Weihnachten 2010 zu 100% zurückbekommen», versichert der «Freiburger Nobody», wie er sich selbst bezeichnet, im Brief. Er habe aber nicht nur Kleininvestoren gefunden, «die mir trauten», er habe über den Miniland-Gründer auch einen neuen Grossinvestor gefunden – einen Herrn Q.*. Dieser habe ihm erst versprochen, dass er sämtliche Unterlagen nur für sich und seinen Partner brauche und dass er «nur mit mir zusammen das Hotel kaufen werde, falls er mitmache». Aber: «Im Endeffekt log mich auch Herr Q. an. Er traf sich heimlich mit Z. und V. und kaufte das Hotel Résidence zu einem günstigeren Preis.» Zweimal vor Gericht abgeblitzt Hugo Piller fühlte sich geprellt. Er zeigte die Herren Z. und V. wegen Steuerbetrug auf dem Steueramt an und fragt sich, «ob da etwas läuft». Yvonne von Kauffungen, Medienverantwortliche der Steuerverwaltung des Kantons Bern, erklärt: «Das Dossier Hotel Résidence liegt bei uns nicht in der Schublade. Es ist derzeit bei der Steuerverwaltung in Bearbeitung.» Zusammen mit der Miniland AG forderte Piller auch vor Gericht die Rückzahlung der geleisteten Anzahlung von 150000 Franken. Bisher ohne Erfolg: «Ohne unsere Beweise anzuhören oder einzusehen, wurde per Brief entschieden, dass Herr Z. unsere Anzahlung behalten darf», schreibt Piller. Laut seinen Zeilen war er in erster Instanz und auch in zweiter Instanz vor dem bernischen Obergericht gescheitert. Frédéric Kohler, Generalsekretär des Obergerichts, machte auf unsere Nachfrage keine konkreten Angaben: Er liess lediglich verlauten, dass die Auskunftserteilung die gesetzlichen Grenzen einhalten müsse. Die von Piller angeschwärzten Personen wollten sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht konkret zu den Vorwürfen äussern. Wegen des missratenen Hotelkaufs und der geleisteten Zahlungen hat Hugo Piller offenbar die Existenzgrundlage verloren. Die lange Flucht hat Piller jetzt aber offensichtlich zur Vernunft gebracht – er schreibt: «Ich persönlich werde niemanden bestrafen, ich hoffe aber, dass wir unser Geld zurückbekommen.» Bruno Stüdle/sum*Namen der Redaktion bekannt, Initialen geändert.;Polizeiaktion in Grindelwald Der Brief des Gesuchten im Wortlaut: brief.bernerzeitung.ch>

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