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Der Frühling und das Frühwerk

gertsch-MuseumDer Frühling kommt nach Burgdorf: Ab heute zeigt das Museum Franz Gertsch den 4-Jahreszeiten-Zyklus zum ersten Mal vereint in einem Raum. Dazu gesellen sich auch Werke aus dem früheren Schaffen des

Es ist eine Premiere. Erstmals präsentiert das Museum Franz Gertsch den 4-Jahreszeiten-Zyklus des Hauskünstlers in einem Raum vereint. Das Wechselspiel der Farbgebung und Malweise wird so über das einzelne Gemälde hinaus sichtbar gemacht. Erstmals zeigt sich, wie die Werke des 81-jährigen Künstlers gemeinsam funktionieren. Wie sich die Farben verbinden, wie sie sich wiederfinden, aber auch wie sie sich unterscheiden. Mindestens ein Jahr sollen die Gemälde, die sich im Besitz des Künstlers befinden, im Burgdorfer Museum hängen. Die Vier Jahreszeiten waren in diesem Jahr zwar bereits an einer Gertsch-Ausstellung im Kunsthaus Zürich im Rahmen einer retrospektiven Werkschau der letzten 30 Jahre zu sehen. Allerdings waren sie da noch voneinander räumlich getrennt. Die Zeit vor 1969 Franz Gertsch begann 2007, mit 77 Jahren, mit der Arbeit an seinen Vier Jahreszeiten. Für jedes Bild benötigte Gertsch gut ein Jahr. Den Anfang machte der Herbst, dann folgten der Sommer (2008/ 2009) und der Winter (2009). Das letzte Bild, der Frühling, hat er Anfang dieses Jahres vollendet. Ausgegangen ist er von einer Aufnahme eines Waldstückchens hinter seinem Haus bei Rüschegg aus dem Jahr 1994, das als Vorlage für den Herbst diente. Quasi als Kontrapunkt zu seinen neuen Gemälden widmet sich die aktuelle Ausstellung, die heute eröffnet wird, auch dem Frühwerk des Künstlers. Sie wurde von Rainer Michael Mason in Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert. Franz Gertsch selbst setzt den Startpunkt seines künstlerischen Schaffens auf das Jahr 1969. Damals malte er das bedeutende Gemälde «Huaa!» – ein grossformatiges, fotorealistisches Bild eines reitenden und aufschreienden Offiziers. Gertsch bezeichnet es vielsagend als Werk Nr. 1. Von da an wendete er sich der realistischen Kunst zu, die schliesslich in sein Hauptwerk des 4-Jahreszeiten-Zyklus mündet. Doch zu denken, Gertsch sei ein realistischer Maler, ist nur die halbe Wahrheit. Seine frühen malerischen und zeichnerischen Arbeiten von den späten 1940er- bis zu den 1960er-Jahren sind durch einen anderen Stil geprägt. Hier werden Beziehungen zwischen jungen Frauen und Männern, Landschaften und Sagen zum Thema. In den Bildern mit mythischen und märchenhaften Motiven zeigt sich Gertschs romantische Veranlagung und innere Zerrissenheit. Sie weisen oft auch melancholische Züge auf. Ein Beispiel hierfür ist die «Hirschjungfrau» (1951), das Mädchen mit der seltsam entrückten Mimik. Anders präsentieren sich wiederum die Werke ab Mitte der 60er-Jahre mit ihren grellen Farben und grossen Flächen, die hin zu den Collagen im Stile der Pop-Art führen. Eigene kleine Welt «Die Ausstellung ist klar konzipiert. Wir wollen zeigen, wie alles begann», sagt Kurator Mason an der Medienkonferenz. «Denn von der Innerlichkeit zur Äusserlichkeit ist es nur ein Schritt. Und dies ist bis heute fühlbar.» Nur durch sein Frühwerk wird auch der 4-Jahreszeiten-Zyklus verständlicher. So nimmt das Bild «Der Kleine Bremgartenwald» von 1946 – auch als Frühling bezeichnet – bereits vorweg, was in seinem Frühling 2011 seine Vollendung findet. Ergänzend sind im Kabinett des Museums die Werke der Künstlerin Anna Lea Hucht aus Karlsruhe ausgestellt. Die 31-Jährige zeigt Aquarelle und Skizzen aus den vergangenen fünf Jahren. Es ist ihre erste Ausstellung in der Schweiz. Anhand fiktiver Räume und fiktiver Interieurs umreisst sie eine eigene kleine Welt. Mit Gertsch und Hucht treffen zwei Generationen aufeinander. Nadja NoldinAusstellung im Museum Franz Gertsch in Burgdorf, 1.Oktober 2011 bis 4.März 2012. Vernissage heute Freitag, 18.30 Uhr. www.museum-franzgertsch.ch >

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