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Der Europacup als Tankstelle

HandballWacker Thun hat Kolubara Lazarevac (Ser) im Rückspiel 36:30 besiegt und sich für den Challenge-Cup-Viertelfinal qualifiziert. Dabei holten sich einige das Selbstvertrauen wieder.

Über seine Leistungen führt Simon Getzmann Buch. Die Zahlen seiner jüngsten Auftritte bräuchte er nicht in die Datenbank zu übertragen – sie dürften ihm noch eine ganze Weile präsent sein. Nach einer ereignisreichen Woche konstatierte der 20-Jährige: «Für mich ist es super gelaufen. Und daran werde ich denken, wenn ich wieder einmal frustriert sein sollte.» Der rechte Flügel Wacker Thuns sprach davon, einen «Negativlauf» beendet zu haben. Vor sieben Tagen hatte er nach bloss 390 Sekunden Jonas Dähler weichen müssen, für den er damals in der Pause der Pfadi-Winterthur-Partie ins Spiel gekommen war. Coach Martin Rubin bestrafte Getzmann für schlechtes Verhalten in der Defensive. Und nun, nach den Europacupmatchs gegen Kolubara Lazarevac, wurde der U-21-Internationale belohnt. Nach dem Wiedersehen, das die Berner Oberländer auch dank sechs Treffern des Steffisburgers gewonnen hatten, erkoren ihn die Klubverantwortlichen zum Spieler der Begegnung. Jetzt – endlich – stand auch er im Zentrum des Interesses; er, der in der ersten Saisonhälfte kaum zu Einsätzen gekommen war, weil Dähler, Wackers Nummer eins rechts aussen, stets brilliert hatte. Als speziell bezeichnete Simon Getzmann das Gefühl, auf einmal gefeiert zu werden, nachdem er zuletzt in der Liga auch gegen Endingen nicht überzeugt hatte. Dieser Tage gehts eben nicht nur beim schnellen Flügel rapide. Borna Franic brauchte bloss Bruchteile eines Spiels, um sich zu rehabilitieren. In der Startphase war er bei etlichen Abschlüssen lediglich einmal erfolgreich gewesen. Am Schluss standen ihm, der bis dahin im Tief befindlichen Schlüsselfigur, acht Tore zu Buche. Zwischen der 35. und 36.Minute hatte er gleich drei Treffer erzielt. Der Challenge-Cup war noch keine Herausforderung Wacker steht nach zwei Runden und vier Auftritten in der Lachen-Halle schon unter den letzten acht im Challenge-Cup. Gefordert wurde Rubins Team nie. Am Freitag hatte es die heuer bislang wohl schlechteste Darbietung gezeigt, sich nach passablem Start in einer Komfortzone gewähnt und in der Folge eines 6-Tore-Polsters entledigt. Tags darauf besiegten die Oberländer die Serben 36:30. Nach 42 Minuten waren sie 26:15 vorn gelegen. Trotz tiefer Temperaturen, die das Interesse an Hallensportarten gewöhnlich steigen lassen, ist in Thun noch kein Europapokal-fieber ausgebrochen. 780 Leute wohnten dem Hinspiel bei; Heinz Widmer, Wackers Präsident, hatte mit mehr gerechnet – schliesslich knackten die Thuner in der Liga zuletzt die 1000-Zuschauer-Marke. Und finanziell ist die Teilnahme am kontinentalen Wettbewerb gemäss Widmer nicht sehr attraktiv. «Gegen Prolet Skopje haben wir eher draufgelegt als etwas eingenommen.» Andrerseits profitiere Wacker, wenn es durch Siege auf europäischer Ebene für Aufsehen sorge. Und Getzmann sagt: «Wir Spieler schätzen es, mal gegen andere Teams zu spielen.» Er hofft, nun erstmals auch reisen zu können. Nützlich war für Wacker Thun der Challenge-Cup bislang vor allem als Stelle, an der ausser Form geratene Akteure Selbstvertrauen tanken konnten. Neben Franic und Getzmann galt das diesmal für Thomas Rathgeb, der mit zwei Würfen zwei Tore erzielte. Der Wert des Erfolges ist deswegen vielleicht höher, als es den Eindruck macht. Adrian HornTelegramm Seite 20>

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