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Der Chip im Kopf bestimmt die Aufgabe

RadFabian Cancellara bestreitet die Tour de France, ohne

Es gibt Komplimente, die erkennt man auf den ersten Blick nicht als solche. «Ich sehe dein Hinterteil öfter als jenes meiner Frau», ist ein solches. Fabian Cancellara bekommt das zurzeit von seinen Teamkollegen Andy und Fränk Schleck zu hören. Für den Berner ist es die Bestätigung, dass er seinen Job gut macht. Sein Job, das ist an dieser Tour de France nicht, noch mehr Etappensiege einzufahren (bisher sechs) oder seine Tage im Gelben Trikot zu erhöhen (bisher 21). Sein Job ist es, mit dem Team die Gesamtwertung zu gewinnen. «Es ist eine andere Tour für mich», sagt Cancellara. «Natürlich habe ich weniger Erfolgserlebnisse mitgenommen als sonst. Doch das wusste ich schon vorher.» Sein Lohn für die stundenlange Schinderei ist 2011 nicht der internationale Ruhm, sondern der interne Dank. Nun sei es ein Erfolgserlebnis, wenn die Schlecks abends zu ihm kommen und sich dreimal für die tolle Arbeit bedanken würden. Und diese ist bisher tatsächlich gut; es ist nicht nur Zufall, dass Leopard-Trek bisher noch keinen der neun Tour-Fahrer bei einem Sturz verloren hat. Cancellara oder Teamkollegen wie Jens Voigt haben grossen Anteil daran, sind lange Ablösungen im Wind gefahren, weil bei einem solch chaotischen Rennen die vorderen Plätze am sichersten sind. «Wir haben viel Kraft liegen gelassen, um Stürzen aus dem Weg zu gehen. Das Glück muss man suchen, und wir haben es ganz vorne gesucht.» «Nicht allem nachrennen» Hätte Cancellara an einem Tag eine Freigabe gewollt – er hätte sie wohl erhalten. Doch um zum Beispiel auf den letzten Kilometern anzugreifen, wie er es gerne tut, und damit die Sprinter zu düpieren, dazu sei er mental nicht bereit gewesen. «Es ist, als hätte ich zu Beginn einen Chip in den Kopf eingesetzt, auf dem programmiert ist: Das machst du, und alles andere schaust du dann.» «Das» ist in seinem Fall, sich hundertprozentig dem grossen Mannschaftsziel unterzuordnen. Eine Einstellung, die sich nicht einfach ohne Vorbereitung auf den letzten Kilometern ablegen lässt. Die Rolle des Edel-wasserträgers erfüllt der 30-Jährige Berner gerne; sein eigener Ehrgeiz drückt dennoch durch, wenn er sagt: «Ich habe das Glück, dass ich schon so viel erreicht habe, dass ich nicht allem nachrennen muss.» Auch den Gewinn eines langen Tour-de-France-Zeitfahrens hat er letztes Jahr abhaken können. Ob es in diesem Jahr einen zweiten gibt, das lässt Cancellara noch offen. Viel zu weit weg sei der Samstag noch, wenn es in Grenoble über 42 Kilometer gegen die Uhr geht. Entscheidend wird sein, wie viel Energie der Ittiger nach den Alpen noch übrig hat. Und ob er seinen Chip im Kopf rechtzeitig auf Sieg wird umprogrammieren können.eb>

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