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Der Charme des «Oligarchen»

HuttwilDas Podium zum Sportcenter Huttwil wurde zur PR-Show für Besitzer Markus Bösiger. Mit seiner Charme-offensive dürfte der «Oligarch aus Langenthal» bei den 400 Zuhörern Boden gutgemacht haben. Doch beinahe kam es zu einem Eklat.

Die meiste Zeit blickte Markus Bösiger mit grimmiger Miene in den Saal. Wenn er sprach, klang seine Stimme trocken. Nur wenn er einen träfen Spruch platzierte, grinste er kurz verstohlen. Dann wirkte er wie ein Schuljunge. Markus Bösiger ist 54 Jahre alt. Er ist Unternehmer und Besitzer des Sportcenters in Huttwil. In dieser Funktion kam Bösiger am Donnerstagabend nach Huttwil. Gefolgt waren ihm rund 400 Interessierte. Der Saal im Hotel Kleiner Prinz war proppenvoll. Zum Podium geladen hatte das Lokalradio Neo1. Der Anlass sollte den Wirbel um das Sportcenter thematisieren. «Klarheit schaffen», lautete das Versprechen. Die Wut aus dem Publikum Eingelöst wurde es aber nicht. Zwar wurden die Schliessung der Eishalle im Frühling 2011 und das Ende der Mädchenfussballakademie eingehend diskutiert. Wirklich Neues kam aber nicht ans Licht. Auch blieb offen, ob es in der nächsten Saison im Sportcenter wieder Eis gibt. Und selbst die Frage von Moderator Flo Wüthrich, was es mit den «Helvetics» auf sich habe, beantwortete Bösiger kaum. Bekannt wurde bloss, dass jetzt erste Verträge mit den Oberen der russischen Eishockeyliga KHL unterschrieben würden. In dieser Liga wollen die «Helvetics» dereinst mitspielen (wir berichteten). Blieb die Zukunft des Sportcenters diffus, schärften sich stattdessen die Konturen der Figur Bösiger. Wesentlich trug dazu Klaus Zaugg bei. Der Sportjournalist (vormals «Blick»), der auch auf dem Podium war, hatte jüngst viel über Bösiger geschrieben. Nun grenzte er sich von Bösiger ab («ich bin nicht sein PR-Berater»), unterstützte ihn aber auch: Klar sei der Mann «ein Verrückter», aber «wir müssen dem ‹Märku› helfen, so gut wir können». Laut Zaugg ist das Projekt mit der russischen KHL genau das Richtige für Bösiger, den «Oligarchen aus Langenthal», wie er ihn nannte. Denn mit den Russen könne sich Bösiger «von Oligarch zu Oligarch» unterhalten. Wer mit dem Unternehmer kutschieren wolle, müsse wissen, dass er keine «Ausbildung im auswärtigen Amt für Diplomatie» genossen habe. In der Tat. Nach und nach taute im heissen Saal auch das Publikum auf. Und plötzlich schleuderten die Zuhörer nicht mehr nur böse Blicke zum Podium, sondern auch Worte. Einer polterte gegen Bösiger: «Die meisten Leute hier sind wütend über dich. Was tust du dagegen?» Er habe den Eindruck, dass für Bösiger immer nur die anderen alles falsch machen würden. Bösiger entgegnete schroff: «Lasst mich machen und redet nicht über mich.» Wenn jemand gegen ihn sei, dann «kann ich auch nichts dafür». Nun war der Bann gebrochen, der nächste Redner warf Bösiger vor, dass den Mädchen der Fussballakademie im Sportcenter verdorbenes Essen vorgesetzt worden sei. Der Redner erntete Applaus, Bösiger räumte ein, es seien Fehler gemacht worden. Nun fühlte sich der Selfmade-man offenbar in die Enge getrieben. Er wählte die Flucht nach vorne. «Machen wir eine Abstimmung.» Wenn die Mehrheit finde, er solle das Sportcenter nicht mehr weiterführen, dann mache er den Laden dicht. Er könne im Sportcenter auch Asylbewerber unterbringen lassen. Dieses Gerücht kursiert schon länger. Derzeit ist es für den Kanton aber kein Thema. Wie Regierungsrat Hansjürg Käser gestern auf Anfrage sagte, solle im Sportcenter Sport getrieben werden. Zudem gebe es im Oberaargau in Aarwangen bereits eine Asylunterkunft. Die Option Sportcenter will Käser aber auch nicht «für alle Zeiten ausschliessen». Dass die Abstimmung und damit wohl auch ein Eklat sowie die Frage der Asylbewerber kein Thema wurden, verdankte Bösiger dem Journalisten Zaugg. Dieser roch die Gefahr und fragte in den Saal: Wer wolle, dass Bösiger im Sportcenter weitermache, solle applaudieren. Die Gunst des Publikums hatte sich Zaugg zuvor mit Anekdoten erworben, die sogar dem «Märku» jeweils ein Lächeln aufs Gesicht zauberten. Und siehe da: Geschätzte 200 Zuhörer, rund die Hälfte, klatschten. Nicht dabei waren die Huttwiler Behörden, die zwar im Saal Platz genommen hatten, aber nicht eigentlich am Podium teilnahmen. Trotzdem wurden Gemeindepräsident Hansjörg Muralt und seine Stellvertreterin Annette Leimer vom Podium herab beschossen. Den markigen Worten Bösigers und der süffisanten Rhetorik Zauggs hatten sie wenig entgegenzusetzen. Der Chef frohlockt sogar Und so bleibt als Fazit: Die Charmeoffensive des «Oligarchen» wirkte knöchern, scheint aber mit Zauggs Farbtupfern garniert gar nicht so schlecht angekommen zu sein. Bösiger beteuerte gar: «Ich bin über niemanden wütend.» Und Neo1-Chef Jüre Lehmann frohlockte: «Alles wird gut.» Dominik BalmerDas Gespräch wird am Do, 26.Jan., um 20 Uhr auf Neo1 gesendet.>

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