Zum Hauptinhalt springen

Der Bulle rennt, und niemand merkts

aktienSeit einem halben Jahr geht es am Schweizer Aktienmarkt aufwärts. Still und leise, aber doch stetig und nachhaltig.

Rien à signaler. Seit Wochen sorgen die Aktienmärkte ausserhalb der Fachpresse kaum mehr für Schlagzeilen. Mal steigen die wichtigsten Börsenbarometer um wenige Zehntelprozente, dann fallen sie wieder leicht. Kaum ein Tag mit einer spektakulären Entwicklung also. Doch bekanntlich macht auch Kleinvieh Mist. Seit dem Tief vom 9.August 2011 hat der Swiss-Performance-Index (SPI) rund 30 Prozent zugelegt – so viel wie kein anderer der wichtigsten Aktienmärkte der Welt, wie «Cash online» unlängst verblüfft festgestellt hat. Abwarten zahlt sich nicht aus Seit dem März 2009, als der schmerzhafte Bärenmarkt von 2007 bis 2009 seinen Tiefpunkt erreicht hatte, beträgt der Kurszuwachs des SPI sogar rund 50 Prozent, jener des Dow Jones Industrial sogar 80 Prozent. Der US-Leitindex liegt damit nur noch rund 10 Prozent unter dem Allzeithoch vom Sommer 2007. Die merklichen Kursfortschritte am Aktienmarkt sind umso erstaunlicher, als sich das wirtschaftliche Umfeld weiterhin alles andere als rosig präsentiert. Viele Konjunktur- und Stimmungsindikatoren notieren weiterhin nahe ihren Tiefstwerten, beispielsweise der Baltic-Dry-Index, der über die Frachtraten für Massengüter wie Kohle, Eisenerz oder Getreide Auskunft gibt, oder verschiede Indizes über das Konsumentenvertrauen. Einmal mehr hat sich damit bestätigt, dass die Aktienmärkte der Konjunktur um mehrere Monate vorauseilen und dass das Warten auf klare wirtschaftliche Aufhellungszeichen keine sinnvolle Methode für antizyklisch handelnde Aktieninvestoren ist, sagt der unabhängige Anlageexperte Alfons Cortés, der in seinen Analysen sowohl technische wie massenpsychologische Beobachtungen verknüpft. Die relative Stärke zählt Wirtschafts- und Börsenzyklen verlaufen nicht synchron. Der Börsenzyklus reagierte meist deutlich schneller und muss daher abgekoppelt vom Wirtschaftszyklus analysiert werden. Dies, obwohl es unbestrittenermassen einen Zusammenhang zwischen den beiden Zyklen gibt. Aber eben nicht in mechanischer Weise, indem etwa die reale Wirtschaft einseitig das Börsengeschehen bestimmt, sondern im Sinne einer gegenseitigen, auch psychologischen Beeinflussung. Über die Gründe der unvermittelten Richtungswende an den Aktienmärkten mag man rätseln. Die meisten Experten führen den Kursanstieg auf die massiven Eingriffe der Notenbanken im letzten Herbst zurück. Für antizyklisch orientierte Investoren sind jedoch weniger die Gründe für den Umschwung wichtig, als die Fähigkeit zu handeln, wenn sich beim Platzen einer Blase Einstiegs- oder Ausstiegschancen ergeben. In der Regel heisst dies, bereits dann einzusteigen, wenn es aus ökonomischer Sicht auf den ersten Blick noch als absurd erscheint. Hilfreich ist dabei das Konzept der relativen Stärke. Wenn ein Index, eine Branche oder eine Aktie, die bisher relativ schwach abgeschnitten haben, unvermittelt auf die Überholspur wechseln, dann sind solche Einstiegschancen gegeben. Dies ist beispielsweise bei den Versicherungstiteln seit dem letzten Herbst und bei den (Gross-) Bankwerten seit Dezember 2011 der Fall. Obschon die Nachrichten aus den beiden Branchen noch mehrheitlich negativ waren und sind. Neben der relativen Stärke schauen die Antizykliker unter anderem auch auf die Volumenentwicklung oder die Präsenz in den Medien. Anleger, die es trotz dieser grossen Chancen nicht wagen, gegen den Trend zu handeln und weiterhin passiv investieren wollen, sollten wenigsten zwei Dinge tun: Gestaffelt und immer mit dem gleichen Betrag investieren. So kauft man dann wenige Aktien, wenn sie teuer sind, und viele, wenn sie billig sind. Nicht auf einseitig zusammengesetzte und kapitalisierungsgewichtete Marktindizes wie etwa den SMI setzen, sondern lieber auf breit diversifizierte Performanceindizes. Damit wird vermieden, dass man gerade in den jeweils hochgejubelten Titeln oder Branchen überinvestiert ist. Performanceindizes schliessen im Gegensatz zu den Marktindizes nämlich die Dividenden ein. Und die Ausschüttungen an die Aktionäre machen häufig die Hälfte bis drei Viertel der Aktienkursperformance aus. Fredy Gilgen>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch