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Der Beizenkönig wollte sich bereichern

Ein bekannter Gastrounternehmer aus der

Das Gericht habe sich mit keinem einfachen Fall zu befassen gehabt, sagte Gerichtspräsident Jürg Santschi gestern bei der Urteilseröffnung. Nicht nur die lange Verfahrensdauer von über elf Jahren, sondern auch die Komplexität der Vorwürfe hätten es den Kreisrichtern erschwert, sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Weitherum bekannt Angeklagt war der weitherum bekannte Beizenkönig J.*, der sich in den 90er-Jahren im ganzen Kanton Bern ein veritables Gastroimperium aufgebaut hat (vgl. Ausgabe von gestern). In den letzten Jahren war es ruhiger geworden um ihn, nicht zuletzt deshalb, weil er wegen Geldproblemen mehrere seiner Betriebe verkaufen musste. So wird in Kürze auch das Restaurant Stella del Lago in Oberhofen, dort, wo sich während des Hochwassers im Mai 1999 die illegalen Machenschaften von J. insbesondere abgespielt hatten, versteigert. Der Mann stellte damals seiner Versicherung, der AXA Winterthur, überhöhte Forderungen für Wasserschäden in Rechnung. «Er wollte sich dadurch bereichern», sagte Gerichtspräsident Santschi. Anspruch ist kein Freipasss J. habe zwar Anspruch auf Versicherungsleistungen gehabt, so Santschi weiter. Schliesslich sei sein Betrieb, den er gerade am Renovieren gewesen sei, vom Hochwasser betroffen gewesen. «Das ist unbestritten.» Der Anspruch sei aber kein Freipass, die Versicherung zu betrügen. Das Kreisgericht schlüsselte die einzelnen Vorwürfe auf und sprach J. trotzdem in einigen Punkten frei. «Nicht überall bestand ein Vorsatz», begründete Santschi. Schliesslich blieb für das Kreisgericht Thun ein Betrag von rund 350000 Franken, die J. mit falschen Angaben sich unrechtmässig aneignen wollte. In einem weiteren Fall von versuchtem Versicherungsbetrug schenkte das Gericht den Aussagen von zwei Einbrechern mehr Glauben als denjenigen von J., der beteuerte, im geknackten Tresor seien 47000 Franken gewesen. Die beiden geständigen Einbrecher, denen der Code für den Tresor von einem Bekannten zugetragen worden war, gaben hingegen an, dass sie nur einige Hundert belgische Francs erbeuten konnten. Ebenfalls für schuldig befunden wurde J. der Urkundenfälschung. So hatte er von einem Unternehmer Blankopapierbögen von dessen Handwerkerfirma verlangt. Damit türkte er Rechnungen, die er dann der Versicherung vorlegte. «Der Angeklagte befand sich in einer schwierigen Lebens- und Geschäftssituation», sagte Jürg Santschi. So brauchte er wegen der Renovierungsarbeiten dringend Geld. Ausserdem habe ihn genau in dieser Zeit die Nachricht über den gewaltsamen Tod seiner Eltern erreicht. Dass er aber ein Versicherungsopfer sei, wie er und sein Anwalt am Montag dem Gericht glaubhaft machen wollten, stimme nicht. Bedingte Strafe Das Kreisgericht Thun verurteilte den 48-jährigen Mann, der nach eigenen Aussagen bereits wieder zwei Gastroprojekte im Köcher hat, wegen versuchten Betrugs und Urkundenfälschung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Busse von 2000 Franken. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Der Unternehmer, der J. leichtfertig die Blankopapierbögen seiner Handwerkerfirma ausgehändigt hatte, wurde wegen Gehilfenschaft zur Urkundenfälschung zu einer bedingten Geldstrafe von 14 Tagessätzen à 80 Franken (1120 Franken) verurteilt. Roger Probst *Name der Redaktion bekannt >

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