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Der Bauer und die tote Frau

Mit «Todesstrich» legt die Burgdorfer Journalistin Christine Brand ihren ersten Kriminalroman vor. Eine tote Prostituierte, ein Bauer und eine Polizistin spielen die Hauptrollen in einer Geschichte, der eine grosse Detailtreue ebenso nützt wie schadet.

Was ist wahr? Was ist erfunden? Das sind die Fragen, die sich bei der Lektüre von Christine Brands Erstlingsroman «Todesstrich» oft genau dann stellen, wenn die Lektüre so richtig in Fahrt gekommen ist. Fakten und Fiktionen Die Journalistin aus Burgdorf vermischt Fiktionen und selbst recherchierte Fakten auf eine Weise, die es bisweilen erschwert, sich wohlig in die Geschichte versinken und von der Handlung ins Unbekannte treiben zu lassen. Ein Landwirt aus Heimiswil, eine drogensüchtige Prostituierte aus Bern plus eine ebenso ehrgeizige wie kantenfreie Kommissarin: Mit diesem Personal und vor einer kontrastreich gemalten Stadt-Land-Kulisse zeichnet Brand mit der Akribie einer leidenschaftlich-neugierigen Reporterin Bilder von Menschen und Orten, die für sie mehr sind als im Kopf konstruierte Figuren und Schauplätze. Nur – die Liebe zum Detail ufert zwischendurch aus: Wenn Brand ohne erkennbares Motiv die Burgdorfer Wahlen oder Budgetfragen der Kantonspolizei thematisiert, mag das für Leute in der Emmestadt oder Gesetzeshüter von Belang sein. Der grosse Rest der Leserschaft bittet die Autorin im Geiste mit wachsender Ungeduld, möglichst schnell auf die Erzählungs-Hauptstrasse zurückzukehren, auf dass es zügig weitergehen möge. Die Einschübe wirken, als ob die Autorin beweisen wollte, dass sie weiss, worüber sie schreibt. Doch das hat die gebürtige Oberburgerin, die jahrelang in der Gegend arbeitete, in der ihre Geschichte spielt, gar nicht nötig. Als Journalistin beim «Bund», beim Schweizer Fernsehen und, aktuell, bei der «NZZ am Sonntag» hat die 36-Jährige unzählige Zeugnisse ihres Recherchier- und Formulierkönnens vorgelegt. Schonungslos In ihrem Buch «Schattentaten» (2008) leuchtete Brand echte Kriminalfälle aus dem Kanton Bern ohne extrastarke Scheinwerfer aus. Für den Einstieg in die Belletristik legte sie diese Zurückhaltung ab. Schonungslos beschreibt sie die Arbeit der Polizei und der Gerichtsmedizin, das Leben – oder «Leben» – auf dem Drogenstrich und die Mühen eines einfachen Menschen beim Aufrechterhalten seiner nach aussen properen und allseits geschätzten Fassade. «Wichtig war und ist mir immer, hinter die Kulissen der Menschen zu blicken», sagt Brand. Für den «Todesstrich» sah sie sehr genau hin. Vielleicht ein wenig zu genau. Johannes HofstetterChristine Brand: Todesstrich, Landverlag, 296 Seiten.>

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