Zum Hauptinhalt springen

Der Adam vom Lombach

Was bringt eine sechsköpfige Walkerinnen-Gruppe zum Schweigen? Ein splitternackter Mann, jawohl! So beobachtet am vergangenen Samstagnachmittag am Lombach in Unterseen. Sechs gut gelaunte, redselige Frauen mittleren Alters mit Walkingstöcken stöckeln dem Lombach entlang. Plötzlich wird es still. Den Frauen hats die Sprache verschlagen. Weshalb? Der Grund dafür ist ein füdlibluter Mann, der am Wegesrand auf einer Sitzbank hockt. Die Walkerinnen gehen zügig vorbei und verschwinden im Wald. Ich beobachte die Szene von der anderen Seite des Bachs. So, wie ihn Gott erschaffen hatte, sitzt der Mann da und isst einen Apfel. Ist er ein Spinner, ein Glüschteler? Oder womöglich ein ganz Harmloser, der sich an diesem wunderbaren Frühlingstag im Mai ganz einfach wie Adam im Paradies fühlt? Vielleicht handelt es sich gar um eine neue Spezies? Möglicherweise kommen nach den Nacktwanderern nun die Nacktsitzbänkler. Sachen gibts oder besser gesagt, Menschen gibts, denke ich. Jetzt, ein paar Tage später, erinnere ich mich an den Adam vom Lombach zurück. Ein bisschen unverschämt finde ich dessen Verhalten ja schon, und zwar nicht bloss der nackten Tatsachen wegen. Ich denke vor allem an die Sitzbank, auf der sein entblösstes Hinterteil thronte. Dieses Holzbänkli gehört nämlich zu einem öffentlichen Picknickplatz. Die Vorstellung, dass kurz darauf wieder Leute genau diese Bank als Unterlage für Grilladen brauchen, lässt mich erschaudern Gruusig! Also, Herr Unbekannt, setzen Sie sich das nächste Mal doch wenigstens auf den Waldboden oder auf einen Stein. Doch bedenken Sie, manch Vierbeiner lüpft dort sein Bein, und ausserdem hat es viele Brennnesseln. Am besten ziehen Sie sich ganz einfach ein paar Hosen an! a.mona@bom.ch>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch