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Das neue Glück des SCL-Trainers

Aetingen SO/LangenthalSeit Kevin Ryan als Trainer des SC Langenthal entlassen wurde, fehlt ihm die Lust am Eishockey. Statt einen neuen Trainerjob anzunehmen, sucht der Kanadier sein Glück jetzt auf dem Golfplatz. Als Mann für alles.

«Chipping or putting?», fragt Kevin Ryan und kramt in seinem Golfsack. Das richtige Eisen für die letzten Meter auf dem Green muss her. Ein Schlag – und der kleine Ball plumpst ins Loch. Bahn 9 ist geschafft. Kevin Ryan auf dem Golfplatz Limpachtal im solothurnischen Aetingen? Da wundert sich der Hockeyfan. Den 44-jährigen Kanadier kennt man aus der Eishalle. Nicht aber vom gepflegten grünen Rasen. Lange Jahre kurvte er als Spieler übers Eis, zuletzt war er Trainer des SC Langenthal. Ein Engagement mit bitterem Ende: Vor einem Jahr wurde Ryan entlassen – und seither in Langenthal nicht wieder gesehen. Jetzt ist er Mann für alles auf dem Golfplatz Limpachtal. Ein Rückschritt? Ein Abstieg? Kevin Ryan winkt ab. «Golf ist meine Leidenschaft. Nach 25 Jahren Eishockey war es Zeit, mal was Neues zu machen.» Bei den Hardcore-Golfern Weiter zur Bahn 10. Der grüne Clubwagen rumpelt über die künstlich angelegte Hügellandschaft. Ein paar Hardcoregolfer sind zu Fuss unterwegs und trotzen dem steifen Novemberwind. «Echte Golfer sind hart im Nehmen», sagt Ryan und lächelt mild. «Die kommen auch, wenn es draussen kalt ist.» Geschlossen bleibt die Anlage von Mitte Dezember bis Mitte Januar. Sonst ist hier immer etwas los, über mangelnde «Büez» kann sich Kevin Ryan gewiss nicht beklagen. Als Assistent von Golfplatzgeschäftsführer André Glauser organisiert er Turniere, bestellt Material, gibt Schnupperkurse, repariert Golfschläger und vieles mehr. So richtig auf Trab hält ihn aber ein anderes Projekt: Bis im März will Kevin Ryan zusammen mit Golfausrüster Titleist ein nationales Fittingcenter einrichten. Eine High-Tech-Anlage, in der Spieler Material testen und den perfekten Schläger finden können. Wenige Meter neben dem geplanten Center hat Kevin Ryan sein Büro eingerichtet. Im Parterre eines ehemaligen Bauernhauses mit tiefen Holzdecken, an denen der gross gewachsene Schlaks jeden Moment seinen Kopf anzustossen scheint. Besitzer des gepflegten Anwesens ist Rudolf Schnorf, dem neben dem Golfbetrieb ein stattliches Aktienpaket des SC Bern gehört. «In diesem Raum hat er mal gewohnt», sagt Ryan und zeigt auf einen grossen Sitzungstisch bedeckt mit Golfschlägern in Kartonkisten. Hier will der Kanadier länger ein und ausgehen, als «Übergangslösung» betrachte er seinen Job gewiss nicht. Im Januar 2011 nimmt Kevin Ryan eine dreijährige Ausbildung als Golflehrer in Angriff, mindestens so lange will er auch in Aetingen bleiben. «Mein Handicap (Spielstärke eines Golfers, die Red.) will ich unbedingt verbessern.» Im Moment ist er bei Handicap 4 – im Golfsport schon gehobene Klasse. Sein Cousin ist Trevor Meier Und Eishockey? Ist das kein Thema mehr? Kevin Ryan hält inne, macht ein ernstes Gesicht. «Ein paar Angebote habe ich nach dem Abgang in Langenthal erhalten – aber die Energie für diesen Sport fehlt mir.» Zwei Spiele des HC Ambri-Piotta hat er diese Saison live gesehen, weil dort sein Cousin Trevor Meier unter Vertrag steht. Vom SC Langenthal hat er sich hingegen distanziert. Hin und wieder ein Telefon mit SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf und VR-Präsident Stephan Anliker, sonst ist der Kontakt gänzlich abgebrochen. Allzu gerne spricht Kevin Ryan über dieses düstere Kapitel nicht. Die Fanproteste, die Kritik in den Medien, die Resultate seiner Mannschaft – das hat Spuren hinterlassen. Gerne hätte es Kevin Ryan besser gemacht, «aber ich war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort», sinniert er. «Umstände waren schwierig» Manches Puzzlestück hat nicht gepasst in der letzten Saison. Immer wieder musste Kevin Ryan auf verletzte Spieler verzichten, immer wieder neue Ausländer einbauen. Junge Talente wurden mit einer B-Lizenz geholt – und gingen oft schon nach kürzester Zeit wieder. Viel Geld durften die frischen Kräfte nicht kosten, weil der SC Langenthal einen rigorosen Sparkurs fuhr. «Die Umstände waren schwierig», sagt Ryan ganz diplomatisch. «Zu Transfers konnte ich zwar meine Meinung sagen – aber entschieden haben andere.» Von seinem damaligen Wohnort Aarwangen ist Kevin Ryan inzwischen weggezogen. Heute lebt er mit seiner Frau und seiner Tochter in einer Solothurner Mietwohnung – und ist rundum zufrieden. «In der Schweiz habe ich mir ein grosses Beziehungsnetz aufgebaut. Hier leben und arbeiten zu dürfen, ist ein grosses Privileg.» Eine Rückkehr nach Kanada jedenfalls kommt nicht infrage – ebenso wenig wie eine Rückkehr an die Bande. «Auf dem Golfplatz Limpachtal kann ich langfristig etwas aufbauen», schwärmt Kevin Ryan. «Das ist ganz anders als im Eishockey, wo du jederzeit Gefahr läufst, die Kontrolle über deinen Job zu verlieren.» Stefan Schneider >

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