Zum Hauptinhalt springen

«Das Leistungsprimat ist ein Auslaufmodell»

Die hitzige Debatte zum Umwandlungssatz, über den am 7.März abzustimmen ist, blendet eine Tatsache aus: Viele Bernerinnen und Berner sind im Leistungsprimat versichert. Dort gibt es keinen Umwandlungssatz.

Von der emotional geführten Debatte um die Senkung des Umwandlungssatzes ist ein grosser Teil der Bernerinnen und Berner nicht direkt tangiert. All jene nämlich, deren Pensionskasse nicht nach dem Beitrags-, sondern nach dem Leistungsprimat funktioniert. Und das sind in Bern so viele wie nirgendwo sonst: All die Lehrer, Verwaltungs- und Spitalangestellten sind in der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) oder in der Bernischen Pensionskasse (BPK) versichert. Bei diesen Kassen werden die Leistungen nicht auf Grund des individuellen Pensionskassenguthabens, sondern auf Grund des letzten Lohnes berechnet, was man als Leistungsprimat bezeichnet. Deshalb muss im Unterschied zum Beitragsprimat für die Berechnung der Rente auch nicht das Kapital mit dem ominösen Umwandlungssatz in eine Rente umgewandelt werden. Die Rente berechnet sich stattdessen mit einem bestimmten Prozentsatz des letzten Lohnes. «Das Leistungsprimat ist ein Auslaufmodell», sagt Stephan Gerber, Präsident der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten. Beim Projekt «Futura» des Grossen Rates wird daher ein Wechsel ins Beitragsprimat geprüft. Migros und Novartis Doch BLVK und BPK sind nicht die einzigen Vorsorgeeinrichtungen mit diesem System. Bei den Migros-Angestellten, einem der grössten privaten Arbeitgeber in der Schweiz, wird die Rente ebenfalls auf Grund des letzten Lohnes bestimmt. Das Gleiche gilt noch bei Novartis, wobei hier ein Wechsel ins Beitragsprimat geprüft wird, wie der Pensionskassen-Direktor Markus Moser bestätigt. Auch bei der Basellandschaftlichen Pensionskasse liegt ein Wechsel vom Leistungs- ins Beitragsprimat in der Luft. Der entsprechende Bericht der Arbeitsgruppe liegt bei der Finanzdirektion. Viele andere haben jedoch in den zurückliegenden Jahren vom Leistungs- ins Beitragsprimat gewechselt (Kasten). Dies wäre eigentlich durchaus im Interesse der Versicherten, denn das Beitragsprimat ist transparenter und daher auch einfacher zu verstehen. Doch weil etliche Vorsorgeeinrichtungen mit dem Primatwechsel gleichzeitig eine Sanierung durchzogen, waren Versicherte in manchen Fällen im Beitragsprimat schlechter gestellt als vorher im Leistungsprimat. Das führt dazu, dass sich häufig Versicherte dagegen wehren, wenn ein Wechsel vom Leistungs- ins Beitragsprimat ansteht, wie das auch bei den bernischen Verwaltungsangestellten und den Lehrerinnen und Lehrern zu beobachten ist. Das Duoprimat Genau genommen wechseln viele Kassen nicht ins Beitragsprimat, sondern ins Duoprimat. Bei dieser Mischform beruht die Altersrente auf dem Beitragsprimat, die IV- und Hinterlassenenrente aber weiter auf dem Leistungsprimat. Die Höhe der IV-, Ehegatten- und Kinderrenten wird damit auf Grund des Lohnes und nicht der einbezahlten Beiträge berechnet. Dies hat den Vorteil, dass der Risikoschutz gegen Tod und Invalidität auch bei einem veränderten PK-Guthaben aufrechterhalten wird. Denn im reinen Beitragsprimat verringern sich IV- und Hinterlassenenrenten, wenn das PK-Guthaben wegen der Scheidung geteilt oder zur Finanzierung von Wohneigentum vorbezogen wird. Claude Chatelain >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch