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«Das ist das Ende der Welt»

Obgleich eine Steigerung des Schreckens kaum möglich erscheint, beginnt der wahre Albtraum hinter den halb zerstörten Mauern des Zentralfriedhofes von Port-au-Prince. Gleich hinter einer Lücke in der Mauer klafft eine tiefe Grube. Sie füllt sich mit den Leichen aus der ganzen Stadt, die von Handkarren und Lastwagen dort abgekippt werden. Die Särge, die einige der Hinterbliebenen für ihre Toten auftreiben konnten, sind durch den Aufprall in der Tiefe zerborsten, Leichen haben sich an den steilen Wänden der Grube und zwischen den zersplitterten Brettern verfangen. Hier ruht niemand in Frieden. Das Erdbeben hat mit seiner Zerstörungswut auch vor den Gräbern nicht Halt gemacht. Zwischen aufgebrochenen alten Grabstellen stapeln sich jetzt die neuen Toten. Sie liegen hier schon seit zwei Tagen in der Sonne. Fliegen umschwärmen sie, Ratten huschen herum, und Vögel picken in allem herum, was aus diesem grauenhaften Leichenberg heraussickert und den Hauptweg der Anlage hinunterfliesst. Der Gestank ist unerträglich. Dennoch sitzen einige Familien mitten in diesem Grauen und versuchen, ihre Angehörigen mit Respekt zu beerdigen, Abschied zu nehmen. Dies ist für die Hinterbliebenen viel wichtiger als die aus Angst vor Seuchen viel zu hastige Beseitigung von Toten in Massengräbern. Einige Frauen beten unter Tränen vor einer halb zerstörten Gruft, in die sie einen behelfsmässigen Sarg geschoben haben. Ihr Trauergesang wird immer wieder von Totengräbern unterbrochen, die neue Leichen herbeischleppen und irgendwo abkippen. «Dies ist das Ende der Welt», sagt der Friedhofswärter Elmond Chere. Anindita Ramaswamy undSilvia Ayuso, sda>

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