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Das errötete blaue Bähnli auf Jungfernfahrt

Neue Tramlinie 6Ab dem 12.Dezember fährt das ehemals blaue Bähnli von Worb über den Hauptbahnhof ins

Bei Minusgraden bestieg die geladene Politprominenz am Samstagnachmittag im Fischermätteli das blau-rote Tram, das erstmals über den Hauptbahnhof nach Muri und Worb fuhr. Einige Passagiere verwechselten das Festtram mit dem öffentlichen Verkehrsmittel. So gab es auf der Jungfernfahrt bereits den ersten ausserfahrplanmässigen Stopp unter dem Baldachin am Bahnhof, damit sie wieder aussteigen konnten. Danach ging es weiter nach Muri, wo sich die Gäste bei Glühwein und Marroni aufwärmen konnten, während verschiedene Redner das neue Tram rühmten. Über die Vorteile des besseren Anschlusses an den Berner Bahnhof war man sich einig. Blau-rot statt schwarz-gelb Einzig ein Punkt hatte im Vorfeld zu reden gegeben: die Farbe der Trams auf der neuen Linie 6. Das blaue Bähnli ist seit Jahrzehnten Synonym für die ÖV-Verbindung nach Muri und Worb und hat bei seinen Benutzern Kultstatus. Die neuen Betreiber bewiesen aber, dass ihnen die Farbe des ehemaligen RBS-Trams keineswegs heilig ist – mehr noch, sie spritzten es gar in den Farben des YB-Erzfeindes FC Basel um. Die Niederflurwagen, welche neu nach Muri fahren, leuchten im bekannten Bernmobil-Rot, während die anderen Wagen blau bleiben. Das stösst nicht nur eingefleischten YB-Fans sauer auf. Man halte dennoch an der Farbe fest, sagte Bernmobil-Sprecherin Annegret Hewlett. Alle neun Trams, welche auf der Linie 6 verkehren, seien bereits umgespritzt. Vielen Trambenutzern ist die Farbe aber egal. «Hauptsache, es fährt», sagte auch die Stadtberner Bau- und Verkehrsdirektorin Regula Rytz (Grünes Bündnis). Sie könne sich alternativ zum Rot-Blau aber tatsächlich gut schwarz-gelbe Trams vorstellen, meinte sie augenzwinkernd. Tram nur bis und mit Muri Für Bernmobil war denn auch nicht die Farbe die eigentliche Herausforderung beim grössten Fahrplanwechsel in der Geschichte des Unternehmens: Am Schwierigsten sei es, Stadt- und Regionalverkehr miteinander kompatibel zu machen, sagte Bernmobil-Direktor René Schmied. In der Innenstadt sei Regelmässigkeit das Wichtigste, ausserhalb sei eher Pünktlichkeit gefragt. Auch für die Tramchauffeure von Bernmobil ist die neue Linienführung keine gewöhnliche Erweiterung. «Bis nach Muri ist die Linie ein Tram, ab da eine Eisenbahn», erklärte Fritz Reinhard, der das Jungferntram durch Bern steuerte. Entsprechend gelten andere Gesetze und Signale ab der Haltestelle Seidenberg. Die Chauffeure wurden dafür während dreier Monate umgeschult. Mit der Überwindung des «Casinograbens» gehe ein langjähriger Wunsch in Erfüllung, meinten die Muriger Gemeinderäte Christian Staub (SVP) und Pia Aeschimann (Forum). «Die Tramlinie verbindet Stadt und Land – egal, in welcher Farbe», sagten auch Ruth und Jürg Trick aus Muri. Der Worber Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP) war gleicher Meinung: «Der Direktanschluss an den Bahnhof ist ein Riesenvorteil, eine Art Direktverbindung zur Welt für Worb.» Betreiberin der neuen Tramlinie wird nicht mehr wie bisher der RBS sein, sondern Bernmobil. Das ist laut RBS-Direktor Hans Amacker vielleicht der wahre Grund für den Farbwechsel des Trams: «Der RBS verliert die Konzession für die Strecke. Das ist für uns auch ein bisschen peinlich und bringt das Tram zum Erröten.» Martina Bisculm>

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