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Das Budget gegen die Schuldenfalle

Region ThunJeder vierte Jugendliche gibt mehr Geld aus, als er hat. Das Präventionsprojekt «Moneymix» half Jugendlichen der Region Thun, sich selbst gegen die Schuldenfalle zu wappnen.

Teure Markenkleider, Schuhe und das neuste Handy: Diese Dinge gehören heute zum Lebensstandard vieler Jugendlicher. Doch oft fehlt den Teenagern der persönliche Bezug zum Geld. «Zuerst sparen, dann zahlen, das gilt heute nicht mehr. Stattdessen tendieren Jugendliche eher dazu: Kaufe heute und bezahle übermorgen.» Bernhard Zaugg, Leiter Fachstelle Schuldensanierung Berner Oberland in Thun, kennt die heutige Mentalität im Kaufverhalten. Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren schlittern so in die Schulden. «Die Marktwirtschaft nutzt den Trend, erst zu kaufen und dann zu überlegen, gezielt aus», sagt Zaugg. Die Eltern tragen seiner Meinung nach eine zentrale Rolle. «Sie müssen die Jugendlichen für das Thema sensibilisieren, sie in Gespräche über Geld einbeziehen.» Das Interesse der Jugendlichen sei da, das wisse er aus eigener Erfahrung. «Man muss die Kinder aber unbedingt abholen.» Rüstzeug für Umgang mit Geld Genau das versucht das Projekt «Moneymix»: Ausgewählte Schülerinnen und Schüler werden während dreier Tage in einem Camp zu Experten ausgebildet. Im Oktober 2010 nahmen unter anderen Schüler aus Heimberg, Hünibach, Wilderswil, Frutigen und Reichenbach an «Moneymix» teil. Selina (15) und Tatjana (15), beide von der Oberstufenschule Heimberg, haben wertvolle Erfahrungen gesammelt. «Vieles war neu. Wir lernten eine Menge Dinge über Geld, die einem wirklich bleiben», sagt Selina. So legt ihre Kollegin Tatjana seit dem Lager in Frutigen jeden Monat einen fixen Betrag beiseite. «Vorher hatte ich alles immer ausgegeben», sagt sie. Selina erhält ein monatliches Sackgeld, von dem ihr die Kosten fürs Handy abgezogen werden. Die beiden sind überzeugt, dass sie und ihre Mitschüler nun das Rüstzeug haben, um ein Budget zu planen. «Ich denke, bei den meisten Jugendlichen in unserem Alter ist Verschuldung noch kein Thema. Aber wenn jemand später in eine kritische Situation kommen sollte, wird er sich bestimmt an ‹Moneymix› erinnern und frühzeitig handeln», sagt Selina. Wirtschafts- statt Sackgeld Bernhard Zaugg hat «Moneymix» mitentwickelt und ist Lehrmittelautor des Projekts. «Im Camp wird nicht einfach gebüffelt. Die Kinder trainieren eins zu eins, wie sie ihr Wissen in der Klasse weitergeben», sagt er. Im Modul «Konsum» – einem Teil der Ausbildung – absolvieren die Schüler ein Shoppingquiz. Wie verhält man sich beim Shoppen? «Wir versuchen, den Jugendlichen auch Abhängigkeitsketten im Kaufverhalten aufzuzeigen», sagt Zaugg. Die Schüler sollen merken, dass das Erstellen eines Budgets notwendig ist. «KMU, der Bund und sogar das kleinste Kleiderlädeli erstellen es.» Andere Aspekte weisen die Schüler auf versteckte Stolpersteine hin: Wie funktioniert eine Kreditkarte? «Wichtig ist auch, dass den Jugendlichen klar wird, was welchen Wert hat», sagt Zaugg. Wie viele Stunden muss ein Vater arbeiten, damit sein Kind sich eine Ski-Tageskarte kaufen kann? Solche und ähnliche Vergleiche sollen helfen, ein Gespür fürs Geld zu entwickeln. Eltern, deren Kinder finanzielle Probleme, doch keine Erfahrung mit Projekten wie «Moneymix» haben, rät Bernhard Zaugg, Diskussionen über Geld nicht aus dem Weg zu gehen, sondern unbedingt zu führen. «Viele Eltern bezahlen ihrem Kind, was es will, nur weil sie ein ‹Gstürm› vermeiden wollen. Das ist keine Lösung!» Ein möglicher Lösungsansatz sei, dem Kind sogenanntes Wirtschaftsgeld statt Sackgeld zu geben. Konkret: Es erhält einen gewissen Betrag pro Monat für Dinge, die es selbst erwirbt, bewirtschaftet und bei Bedarf ersetzt. «So entwickelt sich die Fähigkeit, einzuteilen», sagt Zaugg. Dino Dal FarraWeiterführende Links zu Umgang mit Finanzen und Schulden: www.moneymix.ch www.schuldensanierung-beo.ch www.schuldeninfo.ch www.caritas-schuldenberatung.ch www.schulden.ch. >

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