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Damit das Velo in Ghana rund läuft

Sie lernen Pedale, Bremsen und Räder flicken. Und sie entwickeln Ideen, wie sich in ihrer Heimat mit alten Velos aus der Schweiz ein Geschäft aufbauen lässt: Drei Männer aus Ghana sind beim Gump-&Drahtesel im Liebefeld zu Gast.

Charles Ohemeng hantiert an einem alten violetten Velo herum. Sein Kollege Jonas Dompreh macht sich an Pedalen zu schaffen. Und etwas weiter hinten in der Werkstatt prüft Bernardus Tang, ob das Hinterrad, das er gerade flickt, wirklich rund läuft. Die drei Männer aus Ghana stecken in ihren Arbeitskleidern und gehen in der Werkstätte des Gump-&Drahtesels im Könizer Liebefeld gekonnt mit dem Velowerkzeug um. Nur die Afrika-Karte an der Wand erinnert an ihre Heimat. Seit drei Wochen sind sie als Gäste in Bern, fünf werden es insgesamt sein. Rentabel geschäften In der Schweiz lernen sie nicht nur beim Reparieren dazu. Sie erarbeiten mit Fachleuten auch Ideen, wie sich in Ghana mit ausrangierten Velos, die ihnen der Gump-&Drahtesel liefert, ein rentables Geschäft betreiben lässt. Budgetieren, Preise festlegen, den Markt analysieren: Das gehört laut Matthias Maurer ebenso zum Programm. Maurer ist beim Gump-&Drahtesel für die Velolieferungen nach Afrika verantwortlich. Fix im Stundenplan Charles Ohemeng und seine Kollegen leiten in Ghana an einer Schule die mechanische Abteilung, die Techniker ausbildet. Seit 2009 arbeitet der Gump& Drahtesel mit dieser zusammen. Die Velomechanik gehört schon fix in den Stundenplan. Rund 800 Velos wurden bis jetzt geliefert. Sie werden vor Ort zusammengestellt und an der Schule verkauft. Etwa 40 Franken kostet ein Velo im Schnitt. «Die Velos sind bei uns sehr begehrt», sagt Lehrer Bernardus Tang. Es spreche sich rasch herum, wenn ein Container ankomme. «Alle wollen die ersten sein, um die beste Auswahl zu haben.» Sehr gefragt für die meist holprigen Strassen sind Mountainbikes. Wer ein Velo hat, fährt damit zur Schule. Oder bringt Früchte und Gemüse auf den Markt. «Du kannst dich mit deiner eigenen Kraft fortbewegen», sagt Tang. Ein Busbillett hingegen koste Geld. Konkurrenz aus China Die alten Velos aus der Schweiz sind nicht ohne Konkurrenz. Immer wieder kommen die Männer auf die Billigvelos aus China zu sprechen. Doch sie haben eine Idee entwickelt, um sich von diesen abzugrenzen: «Wir wollen ein Label für unsere Velos schaffen», sagt Bernardus Tang. Er deutet auf den Aufkleber eines Velos, das vor ihm steht. Für ihr Label haben sie auch einen Aufkleber entwickelt. «Die Leute kennen die gute Qualität der Schweizer Uhren», sagt Charles Ohemeng. Ihre Velos seien auch robuster als andere. Das wollen sie mehr vermarkten. Velogeschäfte besucht Gestaunt haben die drei über die Velogeschäfte in der Schweiz. «Verrückt» seien die Preise zum Teil, findet Bernardus Tang. «Und fast alle verkaufen auch Zubehör wie Helme oder Kleider.» Das wiederum hat ihm auch Ideen für den Laden in seiner Heimat gegeben. Sechs Tage in der Woche arbeiten die drei. Weil sie möglichst viel lernen wollen, sind sie auch samstags in der Werkstätte. Um von ihrer Loge im Studentenheim in der Berner Länggasse ins Liebefeld zu kommen, nehmen sie allerdings lieber den Bus. «Die Velostreifen hören hier ja plötzlich auf», sagt Bernardus Tang. In Burgdorf sei er schon Velo gefahren. In Bern hat er sich bis jetzt nicht getraut. Dafür hat er umso mehr gestaunt, als ihn beim Bahnhof jemand fragte, ob er nicht etwas Geld übrig habe. Und das in einem reichen Land wie der Schweiz.Lucia Probst>

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