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Compis für Knirpse: «Kein Luxus»

LangenthalÜber 5 Millionen Franken will der Gemeinderat ausgeben, um die Volksschulen mit neuer Informatik auszurüsten. Denn künftig müssen auch schon Knirpse mit dem Computer lernen. Aber: Ist das Projekt zu teuer?

Offline geht heute fast niemand mehr durchs Leben. Das gilt auch für die Schulen: Der Umgang mit Computer und Internet wird immer wichtiger. Im neuen kantonalen Lehrplan heisst es denn auch, dass Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) ab der 3.Klasse im Unterricht obligatorisch integriert werden müssen. Diese neue Regel gilt seit 2009. Die Volksschulen in Langenthal sind allerdings noch nicht so weit: Mit der aktuellen Infrastruktur erfüllen sie die Anforderungen des Lehrplans nicht. Das soll sich jetzt ändern: Für mehr als 5 Millionen Franken will der Gemeinderat die Schulzentren Elzmatte, Hard und Kreuzfeld sowie die Kindergärten mit Informatiktechnologie aufrüsten. Ende Februar entscheidet der Stadtrat über das Projekt «ict4kids»; im Mai kommt das Geschäft vors Volk. Die ersten neuen Computer sollen ab dem Jahr 2012 laufen (vgl. Ausgabe von gestern). Manch einer wird sich nun fragen: Über 5 Millionen will die Stadt investieren, damit schon Knirpse lernen, wie sie eine Maus bedienen, eine CD-ROM ins Laufwerk schieben und ein Mail verschicken können? Der Vorwurf könnte auftauchen, die Stadt strebe eine Luxuslösung an. Denn in den Unterlagen zum Millionenprojekt räumt selbst der Gemeinderat ein: Auf den ersten Blick würden die Kosten tatsächlich «als unverhältnismässig erscheinen». Frühfranzösisch mit dem PC Die städtische Bildungsbeauftragte Brigitte Müller kennt die Einwände. Im Vorfeld des Projekts habe sie sich viele kritische Fragen gefallen lassen müssen, sagt sie. So monierte zum Beispiel ein Skeptiker, ob denn die Römer, die auf Schiefertafeln geschrieben hätten, dümmer gewesen seien als heute die Schüler, die Computer brauchten. Diese Frage kann Müller nicht beantworten, sie weiss aber: Technologien für neue Medien seien heute auch in der Unterstufe unverzichtbar. Ein Beispiel: Ab Schuljahr 2011/2012 müssen die Volksschulen den Drittklässlern Frühfranzösisch erteilen. Das Lehrmittel dazu funktioniert aber nur, wenn Computer verwendet werden können. Ebendiesen Trend hat Langenthal verschlafen. Müller sagt es diplomatischer: «Wir haben Nachholbedarf.» Die Finanzlage sei lange Jahre angespannt gewesen. Computer für 1600 Schüler Von zu hohen Kosten für das ICT-Projekt will Müller aber nichts wissen. «Wo ist denn hier der Luxus?», fragt sie. Und zum Beweis dröselt sie die Kosten des Projekts auf: Rund die Hälfte der Investitionen fallen an, weil bauliche Eingriffe geplant sind. Diese sind laut Müller für den Einbau der Netzwerkanschlüsse (LAN) nötig. Eine günstigere Variante wäre ein Funknetz über WLAN. Doch darauf hat die Stadt bewusst verzichtet. «Wegen der Strahlenbelastung und weil Kabellösungen stabiler funktionieren», sagt Müller. Zudem ist möglich, dass das Projekt noch rund eine Million Franken günstiger wird. Denn Geld für den Einbau der LAN-Anschlüsse ist auch im Sanierungsprojekt der Schulen Kreuzfeld 1 und 4 enthalten. Sagen die Stimmberechtigten dereinst Ja zu dieser Vorlage, fällt dieser Betrag bei «ict4kids» weg. Nebst dem Einbau der LAN-Anschlüsse in den Schulzimmern fällt auch der Kauf der diversen Geräte ins Gewicht. Vom Projekt profitieren total 1600 Kinder und Jugendliche. Für deren Unterricht will die Stadt über 500 Computerarbeitsplätze einrichten. Hinzu kommen neue Beamer und Leinwände. «Wir betreiben keine Salamitaktik», sagt Müller. Man lege jetzt alles auf den Tisch und zeige so: «Das brauchen wir, um den Lehrplan zu erfüllen.» Zu reden geben dürften nicht zuletzt auch die jährlich anfallenden Kosten für den Betrieb von fast einer halben Million Franken. Die Finanzkommission jedenfalls hat schon angekündigt, dass das Geld ab dem Start von «ict4kids» andernorts gespart werden müsse. Am stärksten ins Gewicht fallen hier zwei neue Stellen für den Support. Ohne Informatiker sei eben ein multimediales Netzwerk heute nicht mehr zu betreiben, sagt Müller. Für sie ist denn auch klar: «Mit dem Projekt halten wir Schritt mit der Computerwelt. Mehr nicht.» Dominik Balmer>

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