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Chefarzt, Chirurg, Handwerker

«Die Methoden sind viel differenzierter geworden.» Wenn Peter Kägi am letzten Arbeitstag vor seiner Pensionierung innehält und auf seine 23 Jahre als chirurgischer Chefarzt am Spital Langnau zurückblickt, redet er gleich von den Riesenschritten, mit denen die Medizin in dieser Zeit vorwärtsgegangen ist. Noch unter seinen Vorgängern seien in der Chirurgie Eingriffe gang und gäbe gewesen, für die heute Spezialisten wie der Gynäkologe oder der Urologe zuständig seien. Ja, sinniert er, er selber habe sich, obwohl er doch Allgemeinchirurg sei, dieser Tendenz nicht ganz entziehen können. Gute Ergänzung «Wer einigermassen auf einem qualifizierten Niveau tätig sein will», hält er fest, «hat gar nicht mehr die Zeit, all die Fortbildungen und Workshops zu belegen, wie sie heute einfach nötig sind.» Diese Erkenntnis vor Augen, habe er sein Schwergewicht mehr und mehr auf die Hüften und Knie verlegt. Wohl wissend, dass dieser Trend ins Spezialistentum nicht nur teuer sei, sondern auch den in der Medizin so wichtigen Blick auf den ganzen Menschen verenge. Bei alledem kam ihm entgegen, dass seit dem Ende des nahen Spitals Sumiswald vor bald zehn Jahren ein zweiter chirurgischer Chefarzt in Langnau tätig ist. Kollege Daniel Stoffel decke die Bereiche Bauch und Darm ab, sagt er. Nicht Prothesen und grossflächige Schnitte seien hier das Thema, gefragt sei vielmehr die Fertigkeit, mit kleinen Instrumenten umgehen und diese allein durch Beobachten am Monitor lenken zu können, «wir ergänzen uns gut». Emotionale Diskussion Peter Kägi zweifelt nicht daran, dass die zunehmende Spezialisierung «Veränderungen in der Spitallandschaft nach sich ziehen wird». Zur Frage, wie diese konkret für Langnau aussehen könnten, mag er sich allerdings nicht auf die Äste hinauslassen. Zu unsicher schien vielen die Zukunft ihres Spitals im Verbund mit jenem in Burgdorf zu sein, und zu emotional wurden daher entsprechende Fragen in der Öffentlichkeit diskutiert. Ärztlicher Dienst So waren die Reaktionen sehr heftig, als die Spitalleitung vor sechs Jahren vorschlug, die akute Chirurgie in Burgdorf zu konzentrieren und in Langnau in dieser Disziplin nur noch eine Tagesklinik zu führen. «Ich habe einige Briefe bekommen, die mir zugesetzt haben», erinnert sich Peter Kägi, der an diesem letztlich dann doch nicht umgesetzten Projekt massgeblich beteiligt war. Deshalb will er sich auch nicht darauf festlegen lassen, ob eine Art Gesundheitszentrum mit einem breiten Grundangebot, das für die komplizierten Eingriffe auf die Zentren mit ihren spezialisierten Abteilungen setzt, längerfristig nicht auch für das kleine Spital Langnau eine Lösung wäre. Er betont nur, welch zentrale Rolle ein möglichst rund um die Uhr besetzter ärztlicher Dienst für eine Region spielt. Nicht nur als Gesundheitsversorger für die Bevölkerung, sondern auch als Gegenüber für die Hausärzte, das bei allen fachlichen Fragen hilft. «Diese Fachleute vor Ort haben eine zentrale Scharnierfunktion. Sie kennen auf der einen Seite die einweisenden Hausärzte und sind auf der anderen Seite mit den Kollegen in den grossen Spitälern vernetzt.» Der Hausarzt wiederum wisse um die Bedürfnisse seiner Patienten, kurz: Wenn ein Spitaleintritt gut klappen solle, seien solche Kontakte und Kompetenzen sehr wichtig. Dunkler Schatten Doch genug philosophiert, jetzt geht es für Peter Kägi erst einmal in den Ruhestand. Der Chefarzt redet offen davon, wie sehr er die Verantwortung in seiner Arbeit zuweilen gespürt hat und wie erleichtert er ist, wenn diese Belastungen nun wegfallen. «Eigentlich bin ich ja ein Handwerker», sagt er, ein Mensch eben auch, dem nicht immer alles gleich gut gelinge. Wobei er klarmacht, dass er sich dann, wenn ein Eingriff einmal anders verläuft als geplant, nicht nur mit den Betroffenen auseinandersetzen muss. «In solchen Fällen kann bereits das direkte Gespräch wichtige Brücken bauen» – nein, ebenso kräfteraubend ist in diesen Momenten die Auseinandersetzung mit sich selber. Oft habe ihn das Erlebte tagelang nicht mehr losgelassen. Nur langsam sei dann der alles überdeckende Schatten gewichen und die volle Lebensfreude zurückgekehrt. Viele Interessen Die neu gewonnene Zeit will Peter Kägi nutzen, um Velo zu fahren, zu reisen, sich in geschichtliche und kunstgeschichtliche Themen zu vertiefen – oder ganz einfach im und ums Haus zu arbeiten. Ach ja, schreinern werde er wohl auch noch, stellt er in Aussicht. Eben. «Ich bin ein Handwerker.»Stephan Künzi>

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