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Burgdorf bleibt nur ein neidvoller Blick in den Kanton Zürich

Die Berner Fachhochschule soll sich auf Bern und Biel konzentrieren und Burgdorf aufgeben – wie schafft es ein Pendant in Zürich, weiterhin an drei Standorten tätig zu sein? «Wichtig ist, dass die Fachbereiche nicht aufgeteilt sind», sagt der Rektor.

Es geht auch anders. Das mag so mancher denken, der von Burgdorf aus einen mehr oder weniger neidvollen Blick in den Kanton Zürich wirft. Denn dort gibt es eine Fachhochschule, die nach wie vor an drei verschiedenen Standorten zu Hause ist. Sie heisst Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), ist vor vier Jahren aus dem Zusammenschluss mehrerer selbstständiger Schulen entstanden – und bildet ihre Studentinnen und Studenten eben noch heute in Winterthur, Wädenswil und Zürich aus, wo schon die Vorgängerinnen tief verwurzelt waren. Wie ganz anders präsentiert sich die Situation für die Emmestadt, seit die Berner Regierung Anfang Monat ihre neue Strategie für die Berner Fachhochschule (BFH) verkündet hat. Auch sie ist aus einer Fusion entstanden, und dies sogar noch zehn Jahre früher als die ZHAW, und auch sie bietet – auch wenn es im Detail Unterschiede gibt (siehe Kasten) – unter anderem Lehrgänge in Architektur, Ingenieurwesen oder Wirtschaft an. Künftig soll sie dies aber nicht mehr an drei, sondern nur noch an zwei Standorten tun. Nämlich in Bern und Biel – Burgdorf dagegen wird fallen gelassen. Mittelfristig ab etwa dem Jahr 2020. Politische Gegebenheiten Wobei – ganz fremd sind solche Gedanken auch dem Kanton Zürich nicht. ZHAW-Rektor Werner Inderbitzin blickt zurück ins Jahr 2007, als die alten Schulen zusammenfanden, redet davon, dass man sich damals sehr wohl überlegt habe, den neuen Betrieb an einem einzigen Ort zusammenzulegen. Winterthur hätte mit einer Industriebrache auch den für einen neuen, grossen Campus nötigen Platz zur Verfügung stellen können. Allein, das Vorhaben sei nicht nur an den damit verbundenen hohen Investitionskosten gescheitert. Sondern vor allem auch an den politischen Gegebenheiten. «Für ein solches Projekt wäre ein breit abgestützter, fester Willen nötig», erklärt Inderbitzin – nicht ohne offen durchblicken zu lassen, dass er aus rein fachlicher Sicht in der Konzentration auf ein Zentrum sehr wohl Vorteile sähe. Eine Schule an drei Orten zu führen, sei klar eine Herausforderung. «Die Distanzen sind nicht zu unterschätzen.» Dem Prestige abträglich? Dass dem die Tradition, die Verankerung der drei Vorgängerinnen in ihrem jeweiligen Umfeld, entgegensteht, weiss Inderbitzin allerdings auch. In dieser Situation ist ihm vor allem eines wichtig: «Entscheidend ist, dass die einzelnen Fachgebiete nicht auf verschiedene Standorte verteilt sind.» Erst mit der räumlichen Nähe innerhalb der Disziplinen werde ein Austausch möglich, wie er für Lehre und Forschung nötig sei. Diesem Anspruch werde die ZHAW in ihrer heutigen Struktur gerecht. Anderen Argumenten, mit denen die Berner Regierung die Konzentration auf Bern und Biel und die Abkehr von Burgdorf zu begründen versucht, misst der Rektor dagegen kaum Bedeutung zu. Allen voran jenem, wonach die Emmestadt zu schlecht mit Bahn und Bus erschlossen und so für die Studierenden nicht attraktiv genug sei. Inderbitzin redet jetzt von Wädenswil, wo die Bereiche Chemie, Bio-, Lebensmittel- und Umwelttechnologie sowie Liegenschaftsmanagement angesiedelt sind und die ZHAW in Gebäuden unterrichtet, die nicht einmal in Bahnhofsnähe liegen. Dafür, erklärt er, biete sich den Studierenden ein schon fast ländliches Umfeld, wie es gerade in diesen Lehrgängen geschätzt werde. Generell: «Die jungen Leute von heute sind sehr mobil.» Auch wer in Zentren wie Zürich oder Winterthur studiere, wohne oft ganz woanders. Damit ist er bei einem weiteren Argument angekommen, das von Bern her gegen Burgdorf ins Feld geführt wird. Die Kleinstadt sei zu wenig urban, und das wirke abschreckend, schade sogar dem Prestige ganzer Ausbildungslehrgänge, heisst es. «Wer eine gute Leistung erbringt, kann dies von irgendwoher tun», hält Inderbitzin derartigen Gedanken entgegen. Massgebend sei die Qualität des Unterrichts. Der ZHAW geht halt auch nicht nur in Wädenswil das städtisch geprägte Umfeld ab. Auch in Winterthur, dem Sitz und Standort mit den meisten Studienplätzen, wirkt die Häuserzeile gleich vis-à-vis des altehrwürdigen Hauptgebäudes überraschend ländlich. Dazu kommt, dass die Zentrumsstadt Zürich hinter Wädenswil klar die Nummer drei ist – allerdings, schränkt Inderbitzin ein, sei in den letzten Jahren gerade Winterthur viel urbaner geworden. Nicht zuletzt auch dank der wachsenden Zahl von Absolventen seiner Schule, die Leben in die Stadt brächten. Die Konkurrenz wird härter Bei alledem nimmt auch Rektor Inderbitzin an, dass die Konkurrenz unter den Fachhochschulen härter wird, dass in Zukunft neben den fachlichen Fragen Themen wie Image oder zentrale Lage in der Tendenz an Bedeutung gewinnen. Es werde darum gehen, wer die guten Schüler für sich gewinnen könne und wer mit attraktiven Angeboten in der Weiterbildung punkten könne. In der Forschung als drittem Bereich werde der Kampf um öffentliche Fördergelder und Aufträge aus der Wirtschaft entbrennen. Stephan Künzi>

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