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Buntes Treiben in steilen Gassen

LissabonDie Hauptstadt Portugals ist ein lohnendes, derzeit günstiges Ziel für eine Städtereise: mit malerisch alten oder chic modernen Quartieren, quirliger Betriebsamkeit, attraktiven Baudenkmälern und Museen sowie einem angenehmen Meerklima voller Sonne und Wind.

Der Ausblick vom Castelo São Jorge ist atemberaubend – nicht nur wegen der steilen Gassen, die zur mächtigen Burg hinaufführen. Rundum ausgebreitet auf sieben Hügeln liegt die Stadt, pastellfarben schimmernd im weichen Abendlicht: ziegelrot die Dächer, elfenbeinweiss, hellblau, rosa oder zitronengelb die Fassaden, unterbrochen vom Grün der Pärke. Frachtschiffe kreuzen im natürlichen Hafen der weiten Tejo-Mündung, die von zwei kühnen Brücken überspannt wird. Im Zentrum der Altstadt erkennt man die festungsähnliche Kathedrale, weiter draussen an der Uferpromenade den markanten Turm von Belem, wo vor gut fünfhundert Jahren die Karavellen zur Weltumseglung ausliefen. Lebendige Altstadt Ein kleines Museum im Kastell mit den sieben Türmen und den von Pinien beschatteten Innenhöfen erzählt von der bis auf die Römer zurückgehenden Stadtgeschichte. Die Festungsbauten errichteten die Mauren, von deren jahrhundertelanger Herrschaft sonst wenig übrig geblieben ist. Maurisch ist aber die Anlage des Quartiers Alfama am Burghügel: ein Labyrinth von steilen Gassen, Treppen und kleinen Plätzen. Kinder spielen lautstark, Dekorationen für das Fest des Kirchenpatrons werden aufgehängt. Hausfrauen spannen Wäsche über die Strasse, kaufen in Tante-Emma-Läden ein oder schwatzen vor der Haustüre. Man schert sich wenig um die flanierenden Fremden, aber begegnet ihnen freundlich, bemüht sich um Auskunft in Englisch oder Spanisch. Dabei hätten die Einheimischen allen Grund, sich zu ärgern, wenn sie im Tram keinen Sitzplatz finden. Eine Fahrt auf der transversalen Linie 28 gehört nämlich zum Standardvergnügen der Touristen. Bergauf, bergab rattern die bejahrten «Electricos» in beachtlichem Tempo durch die engen Strassen. Komfortabler ist eine Stadtrundfahrt auf dem Oberdeck eines der gelben Doppeldeckerbusse. Eine Schlaufe führt durch die Altstadt mit ihren von bunten Kacheln, den «Azulejos», geschmückten Fassaden (auch sie ein maurisches Erbe). Wichtigste Sehenswürdigkeit ist das Kloster San Jerónimo, erbaut in einem opulenten spätgotischen Stil. Krause Verzierungen überwuchern die Portale, und im Kirchenraum wachsen schlanke Pfeiler wie Palmen hinauf zum hohen Netzwerkgewölbe. Hier liegt Vasco da Gama begraben, dessen Entdeckungen den Reichtum für die Errichtung grandioser Bauten brachten. Am anderen Ende der Stadt lohnt das Quartier auf dem Gelände der Weltausstellung von 1998 , dem Parque das Nações, einen Besuch: Lissabon hat vom schlechten Beispiel Sevillas gelernt und lässt keine Pavillons vergammeln, sondern hat sie durch attraktive Geschäfts- und Wohnblocks ersetzt. Erhalten geblieben ist das spektakuläre zweitgrösste Aquarium der Welt. Kunst und Kulinarik Wer sich mehr für Kunst als für Fische interessiert, freut sich über die guten Museen: Das Museu Nacional de Arte Antiga besitzt eine der reichsten Sammlungen religiöser Malerei und Skulptur Europas. Noch genussvoller ist die in einem Park gelegene Colecção Gulbenkian: Der armenische Erdölmagnat, der reichste Mann seiner Zeit, hat mit viel Geschmack Kunstwerke von den alten Ägyptern bis zu den französischen Impressionisten zusammengetragen. Die Fortsetzung bietet die in Belem gekonnt präsentierte Kollektion von José Berardo, der mit seinen Milliarden Werke vom Beginn des 20.Jahrhunderts bis heute sammelt. Doch der Mensch lebt nicht von Kunst allein: Zur Erholung gibt es in der Fussgängerzone der Geschäftsviertel Baixa und Chiado zahlreiche Restaurants. Serviert wird meist deftige Hausmannskost; insbesondere die Liebhaber von Meeresfrüchten kommen hier auf ihre Kosten. Gut und billig ist der Wein, der vor allem abends in den vielen Bars des Barrio Alto in Strömen fliesst, begleitet von den melancholischen Klängen des Fado. Die Krise macht sich wenig bemerkbar in Lissabon, allenfalls im grossen Andrang zum Flohmarkt in Alfama. Trotz steigender Arbeitslosigkeit scheinen die Menschen ihre Lebensfreude nicht verloren zu haben, speisen und bechern in munteren Gruppen draussen bis weit in die laue Nacht hinein. Und am Sonntag zieht es sie zur Stadt hinaus: mit Vorortszügen an die nahen Meeresstrände oder hinauf in die grünen Hügel von Sintra, wo Paläste wie aus Disneyland vom Reichtum vergangener Zeiten künden. Marie-Louise Zimmermann>

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