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«Boss vom Schloss» und sein pädagogischer Tross

Seit einem Dutzend Jahren ist für den Rittersaalverein ein museumspädagogisches Team aktiv, das anschaulich in vergangene Zeiten zurückführt.

«Viele Leute, gerade auch Kinder, haben im hochtechnisierten Umfeld von heute den Bezug zu den Lebensgrundlagen verloren, das Wissen um das Einfache, Grundlegende», sagt Ruedi Boss, Museumspädagoge auf dem Schloss Burgdorf. Viele Bedürfnisse liessen sich heutzutage bequem per Schalterdruck, Mausklick und Einkauf im Supermarkt befriedigen; die zunehmend komplexen Mechanismen dahinter würden dagegen von immer weniger Leuten begriffen. Die Folge sei eine schleichende Entfremdung gegenüber dem, was die menschliche Existenz letztlich ausmache. Hier könne die Auseinandersetzung mit dem Mittelalter ein Gegengewicht bieten. Denn im Mittelalter sei das Leben von einem elementaren Viertakt geprägt gewesen: Wärme, essen, über die Runden kommen – «und noch ein bisschen mehr» – im spirituellen Sinn. Seit 1998 sind «Boss vom Schloss» und sein Tross – sprich: sein Team – im Einsatz. Die Museumspädagoginnen und -pädagogen führen Schulklassen aller Altersgruppen auf dem Schloss anschaulich in den harten Alltag des Mittelalters ein. Anschaulich bedeutet: das Gewicht eines Kettenpanzers am eigenen Leib spüren, vom faden Hirsebrei kosten, mit Stein und Eisen Feuer schlagen, als Magd «niedere Dienste» verrichten, als Ritter einen Zweikampf austragen. Die museumspädagogischen Veranstaltungen laufen unter dem Dach des Rittersaalvereins, der heuer 125-jährig wird (Texte oben). Pläne für die Zukunft Anfänglich empfing das Pädagogikteam im Schnitt zwei Klassen pro Monat, heute ist die Nachfrage so gross, dass das Angebot auf 200 Klassen jährlich begrenzt werden muss – jedenfalls so lange noch, bis das Gericht aus dem Schloss auszieht. Das wird Mitte 2012 der Fall sein. Dann soll das Angebot ausgebaut werden, unter anderem auch mit Führungen für Schulklassen aus der französischsprachigen Schweiz. «Weil die Schlossnächte diesen Winter zum letzten Mal stattgefunden haben, machte das Gerücht die Runde, die Museumspädagogik sei ebenfalls stillgelegt worden – wie man sieht, ist das Gegenteil der Fall», sagt Boss mit einem Lachen. Den Anstoss, die Museumspädagogik ins Leben zu rufen, gab ihm vor Jahren eine Episode in Frankreich. Er sprach damals mit einem einfachen Strassenarbeiter, der über das Château seiner Stadt bestens Bescheid wusste – im Gegensatz zu vielen Leuten in Burgdorf, denen kaum bekannt ist, dass es sich bei «ihrem» Schloss um eine der bedeutendsten Burganlagen der Schweiz handelt.Hans Herrmann>

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