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Bis 5 Jahre Gefängnis für die Räuber

RegionalgerichtAlle fünf Russen, die vor zwei Jahren

Beim Raubüberfall im Jahr 2010 erbeuteten die Russen Schmuck und Uhren für 1,28 Millionen Franken. Da die Verkäuferinnen die Vitrinen nicht so schnell aufschlossen, wie die Räuber erwartet hatten, öffneten sie mehrere Vitrinen mit Gewalt. Dabei entstand ein Sachschaden von rund 25000 Franken. Weil die Täter unmittelbar nach dem Verlassen der Bijouterie durch den Hinterausgang festgenommen werden konnten, erhielt die Interlakner Bijouterie Kirchhofer die gestohlene Ware vollständig und unversehrt zurück. Differenzierte Urteile Das Regionalgericht in Thun tagte in Fünferbesetzung, das heisst, die Richter konnten auch hohe Strafen von über fünf Jahren Freiheitsentzug aussprechen. Das Gericht verurteilte gestern jedoch nur einen der fünf Russen zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Ein zweiter, der ebenfalls an zwei Raubüberfällen in der Schweiz beteiligt gewesen war, erhielt eine Strafe von fünf Jahren. Der Chauffeur, der sich gar nicht im Laden aufgehalten hatte und dem deshalb auch keine Sachbeschädigung vorgeworfen wurde, muss eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren absitzen. Die übrigen beiden Täter müssen für vier und dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Bei der Höhe der Strafe spielten der Deliktsbetrag, die Vorstrafen und die Sachbeschädigung eine Rolle. Immer gleiches Vorgehen Der Gerichtspräsident hielt bei der Urteilsbegründung fest, dass wiederum das gleiche Vorgehen geplant war wie bei früheren Einbrüchen von Russen in Bijouteriegeschäfte in der Schweiz. Anders war hier jedoch, dass neben einer Pistole auch ein Bajonett mit in den Laden genommen wurde. Wegen neuer Sicherheitsmassnahmen konnten auch die Vitrinen nicht so schnell geleert werden wie früher. Das machte die Russen nervös. Auf der Videoüberwachung war dies deutlich zu sehen. Deshalb waren sie auch etwas gröber zum Verkaufspersonal als früher, aber das Regionalgericht beurteilte die Tat trotzdem noch nicht als qualifizierten Raub, was zu höheren Strafen geführt hätte. Schutzbehauptung Der Chauffeur behauptete, dass er nicht gewusst habe, weshalb er wen wohin gefahren habe, auch sei ihm nicht klar gewesen, dass die andern einen Raubüberfall geplant hätten. Das Gericht wertete diese Aussagen als Schutzbehauptung und bezeichnete ihn deshalb als Mittäter. Ohne ihn hätte die Tat nicht ausgeführt werden können, denn ohne Auto wäre man nicht schnell genug vom Tatort weggekommen. «Er muss gewusst haben, um was es ging, sonst hätte er seine Rolle als Chauffeur gar nicht richtig ausführen können», so der Gerichtspräsident. Auffällig war jedoch, dass es die Angeklagten bei der Befragung vermieden, die andern zu belasten. So machten sie auch eher vage Angaben darüber, was der Chauffeur gewusst habe. Hintermänner in Russland Das Regionalgericht ging davon aus, dass die Hintermänner in St.Petersburg zu suchen sind. Dort wird der Überfall geplant. Es werden Visa beantragt und Flüge nach Paris gebucht. Dort werden auch die Männer bestimmt, die in die Schweiz reisen. Die Gruppen werden immer neu zusammengesetzt. Wegen der wirtschaftlich prekären Lage in Russland finden sich immer wieder Männer, die bereit sind, in die Schweiz zu reisen und einen Raubüberfall zu begehen. «Sie kommen in die Schweiz, weil sie beispielsweise Geld für teure Medikamente brauchen», meinte ein Verteidiger. Ihnen wird ein Geldbetrag oder eine Wohnung als Lohn versprochen. Dafür gehen sie das Risiko ein, eine paar Jahre im Gefängnis verbringen zu müssen. Weil die Täter Angst vor ihren Auftraggebern haben, antworten sie nicht auf entsprechende Fragen. Der Gerichtspräsident forderte die Täter deshalb auf, zu Hause in Viborg zu erzählen, wie lange ihre Gefängnisstrafen dauerten. Margrit Kunz>

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