Zwist um die alte Kaserne

Bern

Die bald leere Feuerwehrkaserne an der Berner Viktoriastrasse soll umgenutzt werden. Über das Vorgehen streiten sich jedoch die Stadt und die Quartierkommission.

Die Feuerwehr zieht bald weg von ihrem heutigen Standort an der Viktoriastrasse. Jetzt sorgt die künftige Nutzung der Kaserne für Gesprächsstoff.

Die Feuerwehr zieht bald weg von ihrem heutigen Standort an der Viktoriastrasse. Jetzt sorgt die künftige Nutzung der Kaserne für Gesprächsstoff.

(Bild: Beat Mathys)

Voraussichtlich Ende 2014 findet das grosse Zügeln statt: Die Berufsfeuerwehr Bern wird aus der 80-jährigen Kaserne im Breitenrain ausziehen und den geräumigen Neubau Forsthaus beziehen.

Doch was geschieht mit der alten Kaserne? Ziel ist es, auf dem Areal rund 21 neue Wohnungen zu bauen. Im denkmalgeschützten Kernbau sind laut Stadt Bern «Dienstleistungsnutzungen» vorgesehen. Nicht einig sind sich Stadt und Quartierkommission jedoch, wie genau vorgegangen werden soll.

Kaffeerösterei und Kita

Während die Stadt Bern als Hauseigentümerin so schnell wie möglich einen Wettbewerb für Planer und Investoren lancieren will, pocht die Quartierkommission Dialog Nordquartier zuerst auf ein verbindliches Nutzungskonzept. «Wir wollen nicht, dass Architekten und Investoren im schlimmsten Fall teure Stockwerkeigentumswohnungen planen. Wir wollen, dass das Quartier selber das Konzept als Leuchtturmprojekt erstellt», erklärt Manfred Leibundgut, Co-Präsident von Dialog Nordquartier. Die Quartierkommission verlangt, dass alle Interessierten an einem öffentlichen Anlass Ideen einbringen können und diese zu einem stimmigen Konzept zusammengeführt werden.

In einem Papier, das auch der Betriebskommission des städtischen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik vorgelegt wurde, listet die Quartierkommission Vorschläge auf, wie die Kaserne dereinst aussehen könnte. Genannt werden etwa Projekte für Behinderte oder arbeitslose Jugendliche sowie kulturelle und gastronomische Angebote, die aus der Kaserne einen «lebendigen Treffpunkt» machen sollen.

Der Quartierkommission ist ebenfalls wichtig, dass sich die Endnutzung der Kaserne aus der Zwischennutzung heraus entwickelt. Es haben auch schon diverse Interessenten bei Dialog Nordquartier angeklopft: «Eine Markthalle für Bioprodukte, eine Kaffeerösterei, ein Weinhandel, eine Kita, ein Konzertpianist», zählt Leibundgut Beispiele auf. Nach Ansicht der Kommission wäre es wichtig, dass Zwischennutzer auch Endnutzer sein könnten.

Wettbewerb ab sofort

Verschiedene Nutzungsvarianten wurden bereits letztes Jahr in einem Workshop von Immobilien Stadt Bern erarbeitet – teilgenommen hat unter anderem auch die Quartierkommission. Diese Inputs würden miteinbezogen, so Dagmar Boss, Geschäftsführerin der Betriebskommission des Fonds. Die Ergebnisse aus dem Workshop bildeten «die Grundlage für das künftige Nutzungsprofil». Sie erachtet es jedoch als sinnvoll, dass die Teilnehmer des Wettbewerbs das konkrete Nutzungskonzept selber erstellen und umsetzen, damit sie auch neue Möglichkeiten einbringen können. «Das ist ja gerade das Ziel und der Zweck des Wettbewerbs.»

Boss möchte nicht allfällige Zwischennutzungen abwarten, bevor der Wettbewerb lanciert wird – das sei für ein doch eher kleines Areal «nicht zielführend». Sie beschwichtigt die Quartierkommission aber indirekt, indem sie betont, dass soziale und gesellschaftliche Aspekte zu der nachhaltigen Entwicklung des Areals gehörten.

Nach der Vereinsversammlung am Dienstag hat die Quartierkommission nun einen Brief an die Mitglieder der Betriebskommission des Fonds verabschiedet. Darin bittet sie, das Wettbewerbsverfahren aufzuschieben, damit zuerst das Quartier mitreden könne. «Die quartiergerechte Nutzung sollte vor einer allfälligen Gewinnmaximierung Platz haben», sagt Leibundgut. Und er zeigt sich kämpferisch: Der öffentliche Anlass werde auf alle Fälle stattfinden. Egal, was die Betriebskommission antwortet.

Berner Zeitung

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