Zwei Sprachen, ein Hörspiel

Lyss

Zwei Schulklassen überwinden den Röstigraben: ­Kinder aus Lyss und La Ferrière haben gemeinsam ein Hörspiel erarbeitet und führen es nun auf der Bühne auf.

Schüler aus Lyss und La Ferrière proben für die Aufführung ihres selbst geschriebenen Hörspiels.

Schüler aus Lyss und La Ferrière proben für die Aufführung ihres selbst geschriebenen Hörspiels.

(Bild: Iris Andermatt)

Die 12-jährige Leonie Brunner und der 13-jährige Lenny Herren aus Lyss sind sich einig: Französisch ist eindeutig nicht ihr Lieblingsfach. So wie den beiden Jugendlichen ergeht es vielen Kindern in der deutschen Schweiz.

Diskussionen über den Französischunterricht prägen zudem politische Vorstösse, und auch bei Eltern ist Französisch Dauerthema. Da erstaunt es, dass Lenny am Samstag auf dem Schulhof von La Ferrière sagt: «Wir haben andere Leute kennen gelernt und gesehen, dass es wichtig ist, ihre Sprache sprechen zu können.»

Sprachen besser verstehen

Im Rahmen eines Projektes der Radioschule klipp+klang schrieben zwei Schulklassen aus dem Kanton Bern ein zweisprachiges Hörspiel. Sowohl die Schüler in Lyss als auch jene in La Ferrière nahmen den Vorschlag eines solchen Projektes gut auf. Sie witterten Abwechslung im Unterrichtsalltag.

Obwohl es dann manchmal auch langweilige Phasen gegeben habe, resümieren die beiden Schüler aus Lyss. Doch ihr Sprachverständnis sei gewachsen. Und die beiden räumen auch gleich mit einem gängigen Vorurteil auf: «Die Klasse aus La Ferrière sprach viel besser Deutsch als wir Französisch.»

Nicht nur das Sprachverständnis war Teil des Projektes. Die Kinder erhielten die Möglichkeit, in die Welt der Radiomoderatoren, der Autoren und der Techniker einzutauchen. Gearbeitet wurde parallel. Jede Klasse schrieb Teile des Hörspiels und studierte diese auch ein.

«Drei Füchse auf Reisen/Trois renards et compagnie» handelt von Füchsen, die genug vom Leben auf einem Müllhaufen haben. Sie machen sich deshalb auf die Suche nach einem besseren Ort. Dabei setzen ihnen die Wüste und der Durst zu, was die Schüler auf der Bühne der Salle polyvalente pantomimisch zeigen. Denn noch sind die Familienangehörigen der Kinder nicht im Saal, und es wird ohne Ton geprobt.

Mit Händen und Füssen

Und wie kommt das Projekt auf der anderen Seite des Rösti­grabens an? Die 12-jährige Rosalina Nigito und die 10-jährige ­Noanne Liechti aus La Ferrière sind begeistert vom Resultat. Zuerst sei es mit den Lyssern ein wenig schwierig gewesen, gestehen sie. Denn auch sie bezeichnen Deutsch nicht unbedingt als ihre Lieblingssprache. Doch man könne sich ja mit Händen und Füssen verständigen. Einen Daumen in der Höhe verstünden alle.

«Französisch ist nicht unser Lieblingsfach.»Leonie Brunner und Lenny Herren

Die beiden Mädchen erzählen begeistert, wie die Geschichte Textteil um Textteil entstanden ist, jeweils übersetzt wurde und schliesslich ihr Ende fand. Die Schauspielerei, das Vortragen, der Schnitt der Texte, das sei eine spannende Arbeit gewesen. Jetzt fiebern die zwei der Vorstellung entgegen.

Kreativer Sprachunterricht

Das Hörspiel entstand im Rahmen des Wettbewerbs «tête-à-tête» der Kulturförderung des Kantons Bern und wurde mit dem Sonderpreis von Bern billingue ausgezeichnet.

Coline Robert, Klassenlehrerin aus La Ferrière, zieht ein durchwegs positives Fazit. Die Umsetzung des Projektes hat nach ihrer Ansicht alle Beteiligten aus der «Komfortzone» her­ausgeholt. Es sei eine sehr kreative Form von Sprachunterricht gewesen.

Dem stimmt Projektleiterin Brigitta Weber zu. Die Schauspielerin und Dozentin an der Radioschule sieht im Projekt ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich Kinder mit verschiedenen Muttersprachen begegnen können. Beim Essen, in den Pausen und auf der Bühne sei man sich nähergekommen.

Ein Ausdruck, als Müsterchen für die Überwindung der Sprachgrenze, sei ihr ganz besonders geblieben: «Voilà la garage des vélos», sagte ein Kind während eines Rundgangs durch das Schulhaus Kirchenfeld. Kinder, so Weber, seien kreativ und diese Fähigkeit gelte es zu nutzen.

Eine öffentliche Aufführung findet am 24. Mai um 17 Uhr in der Aula des Schulhauses Kirchenfeld in Lyss statt.

Berner Zeitung

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