Zwei Kulturen in einem Lokal

Bern

Der Verein Osteria Remise feiert sein 20-Jahr-Jubiläum mit einem Fest auf dem Bienzgut. Noch immer steht der kulturelle Austausch zwischen Italienern und Schweizern im Zentrum. 

Italianità in Bümpliz: Lorenzo Calabria sitzt vor der Osteria da Santo im Bienzgut.

Italianità in Bümpliz: Lorenzo Calabria sitzt vor der Osteria da Santo im Bienzgut.

(Bild: Raphael Moser)

Anastasia Presta

Es ist ein kühler Morgen. Lorenzo Calabria sitzt trotzdem draussen, hinter ihm die dunkle Holzfassade der Osteria da Santo. Lächelnd bedankt er sich mit einem einfachen «Grazie mille» für seinen Cappuccino. Der Duft des Kaffees breitet sich im ganzen Lokal aus. Die Osteria ist bereits gut besucht, am Nebentisch diskutieren die Gäste angeregt auf Schweizerdeutsch und Italienisch. 

Vor 20 Jahren zeigte sich bereits ein ähnliches Bild. Der heute 70-jährige Lorenzo Calabria war Mitgründer des Vereins Osteria Remise Bienzgut, der sich für den kulturellen Austausch von Italienern und Schweizern in der Osteria da Santo einsetzte. Das Lokal gehört zum Begegnungszentrum Bienzgut in Bümpliz, wo kommendes Wochenende zum 20-jährigen Jubiläum ein grosses Fest stattfindet. 

Von der Remise zum Lokal

«Wir wollten den eingewanderten Italienerinnen und Italienern die Integration erleichtern und gleichzeitig ein Stück ihrer Heimat in die Schweiz holen», sagt Lorenzo Calabria. Im Juni 1996 gründete er als Sozialarbeiter der katholischen Kirche die Vereinigung Osteria Remise Bienzgut und übernahm das Amt des Präsidenten.

Auf der Suche nach einem passenden Treffpunkt für seinen Verein stiess er auf das Bienzgut, einem 1854 erbauten Bauernhof im Bümplizer Dorfkern. Nebenan stand ein alter Schuppen zum Abstellen von Wagen, auch bekannt als Remise. Diese wollte Calabria zu einem Restaurant umbauen. 

Wo früher die Römer lebten

Um seine Vision umzusetzen, holte er sich Unterstützung bei Santo Trovato, der zu diesem Zeitpunkt einen Lebensmittelladen in Bümpliz führte. Trovato sollte zum künftigen Wirt der Osteria werden. Um das Projekt zu realisieren, holten sie sich die finanzielle Unterstützung bei der Stiftung Bienzgut, der römisch-katholischen und der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde in Bümpliz. Ein Jahr später hatten sie die benötigte Summe von 87'000 Franken zusammen, und dem Umbau stand nichts mehr im Wege.

Die Bauarbeiter machten wenig später einen kuriosen Fund: Unter der alten Remise entdeckten sie Überreste einer 2000 Jahre alten römischen Villa. «Wir bauten die Osteria auf Klein-Italien, wo die Römer früher gelebt haben. Das machte uns schon stolz», sagt Calabria. Im Oktober 1998 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen, und die Osteria hat eröffnet. «Ich hielt damals die Eröffnungsrede vor rund 500 Gästen», erinnert sich Calabria.

Heute ist das Restaurant von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Neben Italienern und Schweizern gehören Quartierbewohner aus anderen Ländern zu den Gästen. Auf der zweisprachigen Speisekarte sind nur italienische Spezialitäten zu finden. 

Sprachbarrieren lösen

In den vergangenen 20 Jahren fanden verschiedene Integrationsprojekte des Vereins auf dem Bienzgut statt. Er organisierte Feste mit Musik und Speisen, um die italienische Kultur nach Bümpliz zu bringen. Zudem sorgte er dafür, dass in den Regalen der Bibliothek auf dem Bienzgut auch italienische Bücher stehen.

«Wir wollen aber in erster Linie vermeiden, dass die Italiener in der Schweiz nur unter sich bleiben», sagt Calabria. Das grösste Problem der Abgrenzung sei die Sprache. Um dem entgegenzuwirken, fanden Deutschkurse mit der ersten Generation der eingewanderten Italiener im Domicil Schwabgut statt. Weiter meint Calabria: «Eine Kultur kann man durch den Dialog näherbringen.»

Der Sohn ist an der Reihe

Sein Cappuccino ist mittlerweile kalt geworden. Lorenzo Calabria liegt aber noch eine letzte Sache am Herzen: «Es ist nun wichtig, dass die nächste Generation den Verein weiterführt.» Bereits vor einigen Jahren gab Santo Trovato die Osteria an seinen Sohn Maurice Trovato weiter.

«Das Fest» zum 20-Jahr-Jubiläum auf dem Bienzgut findet vom Freitag, 19. Oktober, bis Sonntag, 21. Oktober, in Bümpliz statt.

Berner Zeitung

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