«Zu Hofers Zeit arbeiteten alle Frauen illegal»

Bern

Einer der SVP-Kandidaten für den Gemeinderat hat vor seiner Piloten­karriere ein Bordell betrieben. Damals sei es in der Branche üblich gewesen, Frauen mit illegalem Aufenthaltsstatus zu beschäftigen, sagt die heutige Geschäftsführerin des Clubs.

Stand früher dem Saunaclub Kleopatra in Bargen vor: SVP-Gemeinderatskandidat Stefan Hofer.

Stand früher dem Saunaclub Kleopatra in Bargen vor: SVP-Gemeinderatskandidat Stefan Hofer.

(Bild: zvg)

Christoph Hämmann

Ein Jurist, ein Zoodirektor, ein Lastwagenfahrer, ein Rocker – und ein Pilot, der einst ein Bordell betrieb: Es ist eine bunte Truppe, mit der die SVP der Stadt Bern in die Gemeinderatswahlen zieht.

«Wir sind eine Volkspartei», sagt Präsident Rudolf Friedli, der Jurist unter den Kandidaten. «Deshalb haben wir geschaut, dass wir eine breite Liste mit vom Intellekt her fähigen Leuten bilden können.»Wie breit sie tatsächlich ist, weiss auch Friedli erst seit kurzem gerüchteweise und seit gestern konkret, als der «Bund» ihn mit Recherchen konfrontierte, welche die Zeitung am Mittwoch publik machte: Pilot Stefan Hofer führte von 2004 bis 2006 den Saunaclub Kleopatra in Bargen. Danach blieb er bis 2014 Hauseigentümer des Clubs, in dem sich nach wie vor rund zwanzig Frauen prostituieren.

«Hofer schuldet uns Geld»

Abgesehen von der Frage, ob Hofer einen glaubwürdigen Gemeinderat abgäbe, wäre seine Vorgeschichte erst dann heikel, wenn er dabei gegen das Gesetz verstossen hätte. Laut Gabriela Burri, seit 2010 Geschäftsführerin des Bordells, «arbeiteten zu Hofers Zeit alle Frauen illegal».

Damals sei es in der ganzen ­Branche üblich gewesen, Frauen aus Osteuropa zu beschäftigen, obwohl diese erst nach der Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens 2009 ohne Sonderbewilligung einer Erwerbs­tätigkeit in der Schweiz nach­gehen durften. Zwar seien die Sexarbeiterinnen damals wie heute als Selbstständigerwerbende im Kleopatra ein- und ausgegangen, so Burri. «Dennoch war es illegal, sie in einem Saunaclub Freier bedienen zu lassen, weil die Frauen keine Arbeitsbewilligung hatten.»

Da Hofer dem Betrieb noch Geld schulde, ist Burri nicht gut auf ihn zu sprechen. «Wir werden ihn noch einmal mahnen, dann leiten wir die Betreibung ein.»

«Hofer kann führen»

SVP-Präsident Friedli lässt sich von solchen Geschichten nicht ins Bockshorn jagen. «Stefan Hofer ist noch nie verurteilt worden, das ist für mich das Wesent­liche», sagt er. Die Gemeinderatsliste seiner Partei sei bestückt «mit Leuten, die wir für geeignet halten und die beim Volk Anklang finden». Hofer sei bei den letzten Stadtrats- und Grossratswahlen jeweils auf dem zweiten Ersatzplatz gelandet. «Das ist nicht nichts.»

SVP-Wahlkampfleiter Roland Jakob, der ebenfalls nichts von Hofers geschäftlicher Vergangenheit gewusst hatte, hält wie Friedli an Hofer fest. Dieser habe nichts Falsches getan, so Jakob, und er erfülle die Anforderungen, die seine Partei an ihre Kandidaten stelle: «Man merkt ihm an, dass er Führungsqualitäten hat.»

Stefan Hofer reagierte am Mittwoch nicht auf die Anfrage dieser Zeitung. Der 41-Jährige ersetzt ab März Erich Hess – den Lastwagenfahrer und Nationalrat unter den SVP-Gemeinderatskandidaten – im Kantonsparlament. Bekannt wurde Hofer ausserhalb des Milieus und der Fliegerszene als Mitbegründer des Barstreet-Festivals.

Berner Zeitung

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