Zum Hauptinhalt springen

«Zu Freiburg? Ich wandere aus.»

Am Donnerstag entscheidet Albligen: Will es mit dem bernischen Wahlern oder mit dem freiburgischen Ueberstorf über eine Fusion verhandeln? Oder doch den Alleingang wagen? Die Meinungen im Dorf sind geteilt.

Montagvormittag im Albliger Dorfladen. Leute kommen, füllen die grünen Einkaufskörbe mit Moccajoghurt, Jasskarten und Wundertüten. Setzen sich für eine Weile an einen der drei Tische in einer Ladennische. Hier diskutiert man in Albligen über Themen, die das Dorf bewegen. In diesen Tagen vor allem über die Gemeindefusion. Morgen Abend fällt die Entscheidung, in der Kirche, gleich neben dem Lädeli: Will Albligen den Kanton wechseln und mit dem freiburgischen Ueberstorf über eine Fusion verhandeln? Oder möchte es sich dem bernischen Wahlern anschliessen? Oder wagt die Gemeinde den Alleingang?

Zwei tiefe Gräben

Zwischen Wahlern und Albligen klafft der Sensegraben. Ueberstorf liegt auf der Landkarte näher am 500-Seelen-Dorf, auf der gleichen Hügelkette. Doch offensichtlich existiert auch ein Kantonsgraben: «Ich will Berner bleiben. Ob alleine oder mit Schwarzenburg, das ist mir egal», sagt Karl Kilchenmann. Vor seiner Nase dampft eine Tasse Kaffee. Der Senior lebt seit 16 Jahren in Albligen, war Sigrist in der reformierten Kirche. Dass Ueberstorf katholisch ist, damit hat er kein Problem. «Aber ich habe einfach keine Beziehung zu Ueberstorf. Ich fahre dort nur vorbei, wenn ich nach Flamatt will.» Man höre viel im Dorfladen, sagt Verkäuferin Silvia Stoll. Sie setzt sich an den Tisch. An diesem Vormittag kommen ungewöhnlich wenige Leute ins Lädeli. Im Dorf sprach sich herum, dass jemand von der Zeitung dort sein würde. Es gebe Bern-Fans, die unbedingt mit Wahlern fusionieren wollten, erzählt Stoll. Aber auch Freiburg-Sympathisanten, die zu Ueberstorf gehören wollten. Vor allem ältere Leute wiederum finden, dieses «Fusionsgstürm» sei unnütz. Man wolle doch Albliger bleiben. Oder sonst zumindest als Berner sterben. Eine klare Tendenz ist im Dorf nicht auszumachen. Die Kluft führt auch in Familien zum Zwist: Der Bruder will zu Ueberstorf, die Schwester zu Wahlern, die Grossmutter bei Albligen bleiben. «Sie sollten am Donnerstag geheim abstimmen lassen», sagt Verkäuferin Silvia Stoll. Nur so könne jeder Albliger frei seine Meinung sagen.

Stoll selbst betrifft die Diskussion indes nur am Rande: Sie gehört schon zur Gemeinde Wahlern, kommt aus Mamishaus. Wie Albligen entscheiden sollte, kann sie nicht sagen. Nur so viel: «Die ganze Frage würde sich gar nicht stellen, wenn Ueberstorf im Kanton Bern läge.»

«Abstimmen ist wichtig»

Die Türklingel surrt. Cornelia Willfratt schiebt die vierjährige Keira im Kinderwagen hinein, trägt den einjährigen Troy in einem Tuch am Bauch mit. Alle sind warm eingepackt, die junge Mutter hat die Sonnenbrille ins Haar gesteckt. Cornelia Willfratt bestellt ein Kilo Ruchbrot. Natürlich werde sie am Donnerstag abstimmen gehen. Sonst nehme sie sich nie Zeit dafür, mit sechs Kindern. Doch diesmal sei es wichtig. «Ich will zu Schwarzenburg», sagt sie. Sie sei als Bernerin aufgewachsen und wolle Bernerin bleiben. Und die Kinder, die würden gleich nach dem Kindergarten sowieso wieder mit ihren Gspändli von Ueberstorf brechen. Cornelia Willfratt bezahlt, muss weiter, bald ist Mittagszeit. Vehement sagt sie: «Ich wandere aus, wenn wir zu Freiburg wechseln.» Sagts und verlässt das Geschäft, vorbei am Restaurant Bären, der das Berner Wappen zum Wirtshausschild umfunktioniert hat.

Albligens Zentrum liegt auf Berner Seite – zumindest noch am Montagmorgen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch